KolumneVon wegen eine Frage des Personals

Lars Vollmer
Lars Vollmerlarsvollmer.com

Das Börsenjahr 2018 – hach, was war das ein Rauf und Runter. Und die Gründe für diese ewige Berg- und Talfahrt, ja, die lese ich dieser Tage in jedem Rückblick in der Wirtschaftspresse. Vorgestern war es Trump – wenn der endlich mal seine Strafzölle und seine Handlungspolitik auf eine klare Spur bringt, dann wird alles gut. Gestern war es Theresa May – wenn die endlich mal das Brexit-Chaos entwirrt, dann wird alles gut. Und morgen hat dann vielleicht mal wieder Herbert Diess das Dilemma zu verantworten.

Aber ich muss ja ganz ehrlich sagen: Ein Personalproblem sehe ich da an keiner Stelle – und zu keinem Zeitpunkt …

Das kleine Einmaleins der Kausalitäten

Ständig müssen Kausalitäten herhalten und Personen ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Deshalb wurden in Deutschland wohl auch noch nie so schnell CEOs ausgewechselt wie im vergangenen Jahr. Aber nur so kann der Aufschwung anhalten. Richtig? Weit gefehlt.

Denn: Wo keine Schafe, da kein Hirte. Und kein Personalproblem.

Krisen gab und gibt es in der Wirtschaft wie in der Politik schon immer, sie fallen Unternehmen und Regierungen Tag um Tag, Jahr und Jahr auf die Füße. Zum Teil verschärfen sie sich gar. Und diese Krisen und Skandale sollen dann – so mir nichts, dir nichts – durch einen Personalwechsel gelöst und aus der Welt geschafft werden.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Natürlich gibt es auch immer mal wieder Vollpfosten – aber das liegt dann eher an der Rolle an sich, in die sie sich fügen müssen. Schließlich gibt es in so gut wieder jeder Organisation genau ein Individuum mit einer fest zugeordneten Sonderrolle. Und die heißt: Chef, Leiter, Führer, Meister, Oberhaupt, Direktor, Kanzler, Präsident, Vorsitzender, Oberbefehlshaber, Premierminister, Kapitän, Papst, Zar, Obmann, Pharao, König, Gott …

Es gibt also einen Herrscher und alle anderen sind die Beherrschten. Einen Regierenden und alle anderen sind die Regierten. Einen Mächtigen, der entscheidet, und all jene, über deren Wohl und Wehe entschieden wird. Einen, der sagt, was die anderen tun sollen. In der Bibel wurde dieses Prinzip in einer bildmächtigen Sprachformel ausgedrückt: „Der Herr ist mein Hirte.“