Business as usualUnternehmensführung: Du musst dich ändern

Eine Gruppe von Menschen applaudiert einem Mann in einem grauen Anzug, der mit den Armen gestikuliert
Auch unter Managern ist Narzissmus verbreitetGetty Images

Der Wandel gelingt nur, wenn der Chef ihn auch will. John ist ein visionärer Typ mit großer Begeisterungsfähigkeit. Wären seine Schläfen nicht inzwischen sehr grau, würde man kaum glauben, dass er gerade 50 geworden ist. Vor ein paar Jahren hat John das mittelständische Unternehmen, das er zusammen mit zwei Freunden aufgebaut hat, verkauft, um sich fortan den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Richtig lange hat es aber nicht gedauert, bis er es doch noch einmal wissen wollte: noch einmal gründen, noch einmal Unternehmer sein.

Wieder setzte John eine Idee im Bereich der Systemgastronomie um, nur diesmal deutlich digitaler. Die finanziellen Grundlagen waren schnell geschaffen, bald hatte er ein Team aufgebaut, das ihn nicht nur bewunderte, sondern auch begeistert seine Idee vorantrieb.

Cover der neuen Capital

Die Tatsache, dass John bereits eine Erfolgsgeschichte hinter sich hatte, ließ ihn allerdings höchst selbstsicher in das neue Vorhaben starten. „Lasst mich mal machen, ich weiß, was ich tue“, so lautete einer der Standardsätze, mit denen er fortan jede Form von Bedenken vom Tisch wischte. Mit zunehmender Unternehmensgröße wurde jedoch seine wenig konkrete Art der Führung immer offensichtlicher: tolle Ideen, große Visionen, aber wenig Klarheit, kaum fassbare Ergebnisse. Gemerkt hat es jeder, wirklich Kritik üben wollte keiner – zu groß war die Angst, in Ungnade zu fallen.

Johns Unternehmen war ein gutes Jahr alt, als es von einem Tag auf den anderen implodierte. Ein ganzes Team von Entwicklern kündigte geschlossen, um das Angebot eines Wettbewerbers anzunehmen. Die Entscheidung traf John ins Mark. Es dauerte Monate, das Kerngeschäft zu stabilisieren, die Mannschaft wieder aufzubauen und einen Neuanfang in die Wege zu leiten.

Unternehmensführung ist ein Ringen mit sich selbst

Den wichtigsten Schritt aber hatte John da noch vor sich. Er musste dem eigentlichen Problem ins Auge sehen: sich selbst. Seine Mitarbeiter hatten keine Lust gehabt, sich seiner selbstherrlichen Art unterzuordnen. Früher, in Johns erstem Unternehmen, hatten seine Mitgründer diesen Charakterzug noch ausbalanciert. Nun musste er lernen, selbst damit umzugehen.

Unternehmenskulturen, die sich um einzelne Personen herum entwickeln, gibt es überall. Sie zu verändern ist meistens sehr schwierig. Möglich ist ein solcher Wandel nur, wenn die Person im Mittelpunkt ihn selbst anstrebt. Das war bei John zum Glück der Fall. Er wollte sich verändern – und hat es inzwischen geschafft, demütiger zu werden. Die Unternehmensführung ist für ihn zwar manchmal ein Ringen mit sich selbst, aber mittlerweile schätzt er die Auseinandersetzung mit anderen. Er achtet darauf, Mitarbeiter einzustellen, die ihm auf Augenhöhe begegnen. Und er hat verstanden, dass er im Team langfristig erfolgreicher ist als alleine.