Überstunden So hat die Pandemie die Arbeitszeit beeinflusst

Symbolbild Arbeitszeit
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© dpa
Im Homeoffice lässt sich die Arbeitszeit flexibler einteilen. Zugleich verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Privatem. Arbeitet man also weniger oder mehr? Eine Studie hat dies untersucht

Die Zahl der Überstunden ist im Coronajahr 2020/21 geringfügig zurückgegangen. So machten Beschäftigte in diesem Zeitraum im Schnitt 2,9 Überstunden pro Woche, im Jahr 2019 waren es 3,0 gewesen. Das geht aus dem Arbeitszeitmonitor 2021 des Onlineportals Gehalt.de hervor. Allerdings müsse berücksichtig werden, dass die Coronakrise auch zu mehr Kurzarbeit geführt habe, hieß es. Insgesamt geht die Zahl der wöchentlichen Überstunden derweil seit Jahren zurück: 2009 lag sie noch bei 6,5 Stunden.

48 Prozent der Befragten gaben in der aktuellen Untersuchung an, Überstunden zu machen, 52 Prozent gehen pünktlich in den Feierabend. „In Zeiten, in denen die Work-Life-Balance im Vordergrund steht und der Arbeitsmarkt vermehrt auf Arbeitnehmer*innen ausgerichtet ist, sinkt tendenziell die Bereitschaft, Überstunden zu leisten“, erklärte Arbeitsmarktökonom Korbinian Nagel.

Unternehmensberater machen häufig Überstunden

Je mehr jemand verdient, desto mehr Mehrarbeit bedeutet dies. Während Fachkräfte mit einem Bruttojahresgehalt ab 100.000 Euro mehr als sechs Überstunden pro Woche machen, sinkt diese Zahl bei Einkommen unter 20.000 Euro auf 1,7 Überstunden. In diesem Kontext ist möglicherweise auch zu sehen, dass Männer mit 3,5 Stunden mehr Überstunden als Frauen mit 2,1 Überstunden machen.

Die meiste Mehrarbeit fällt in der Unternehmensberatung an (4,7 Stunden), gefolgt von den Branchen Konsum und Gebrauchsgüter (4,1 Stunden) sowie Hotels und Gaststätten (4 Stunden). Die Branchen mit den wenigsten Überstunden sind die Rechtsberatung (1,9 Stunden), die öffentliche Verwaltung und Behörden (1,8 Stunden) sowie die Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung (1,6 Stunden).

Außerdem stellten die Experten regionale Unterschiede fest: Während im Stadtstaat Bremen nur 2,2 Überstunden pro Woche gemacht werden, liegt dieser Wert für alle anderen Bundesländer zwischen 2,6 und 3,0 Überstunden. An der Spitze stehen Hessen, Hamburg und Baden-Württemberg mit jeweils drei Stunden. Ältere Beschäftigte arbeiten zudem mehr als jüngere Kollegen: 3,5 Wochenstunden bei über 59-Jährigen stehen 1,6 Überstunden bei unter 20-Jährigen gegenüber.

Mehrarbeit wird häufig nicht ausgeglichen

Auch wenn diese Zahlen teils gering klingen: Sie summieren sich im Laufe der Jahre. Laut Gehalt.de machten Beschäftigte im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 131 Überstunden, hochgerechnet auf das Arbeitsleben bedeutet das im Mittel knapp 6500 Stunden. Das sind fast dreieinhalb Jahre Arbeitszeit, die in zwei von drei Fällen nicht entsprechend bezahlt wird.

Denn nur in einem Drittel der Fälle erhalten Arbeitnehmer einen Überstundenausgleich. Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) gehen davon aus, dass Arbeitgeber so jährlich Gehaltskosten in zweistelliger Milliardenhöhe einsparen.

Für den Arbeitszeitmonitor 2021 wurden 346.405 Datensätze ausgewertet. Ausgegangen wurde von durchschnittlich 254 Arbeitstagen im Jahr, abzüglich der durchschnittlichen Urlaubstage von 28,3.

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