WochenrückblickRocket Internet ohne Schubkraft

Rocket Internet: hoher Verlust

Oliver Samwer
Rocket-Chef Oliver Samwer muss die Investoren auf die Zukunft vertrösten – Foto: dpa

Die Aktionäre der deutschen Start-up-Schmiede Rocket Internet brauchen starke Nerven und den Glauben an eine bessere Zukunft. Dieses Jahr werde anders, versprach Rocket-Chef Oliver Samwer. Das ist auch notwendig, denn 2015 schloss das Unternehmen mit einem Verlust von knapp 200 Mio. Euro ab. Bei den Investoren wächst das Misstrauen über das Geschäftsmodell des Internetunternehmens: Unternehmen gründen, um sie später gewinnbringend zu verkaufen. Die Aktie verlor am Donnerstag mehr als zehn Prozent.

Rocket Internet Aktie

Rocket Internet Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Momentan verbrennt Rocket vor allem Kapital. Bei den größten Beteiligungen summierte sich der Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf rund 1 Mrd. Euro. Samwer versicherte, dass mindestens drei Beteiligungen in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen würden.

Bisher haben Unternehmen wie der Kochboxendienst Hellofresh, der Essenslieferdienst Delivery Hero und der Möbelhändler Home 24 vor allem ihre Verluste rasant ausgeweitet. Beispiel Hellofresh: Das Unternehmen steigerte den Umsatz um 335 Prozent. Da das Wachstum aber mit hohem Marketingaufwand verbunden ist, weitete sich der Fehlbetrag um 670 Prozent aus.

Für Samwer ist das Teil der Rocket-Strategie. Ziel sei es, die Gesellschaften langfristig profitabel zu machen. „Um das zu erreichen, ist das Wachstum in den ersten Jahren entscheidender als die Profitabilität“, sagte er. Bis Ende 2017 sollen drei der wichtigsten Beteiligungen Geld verdienen. Fragt sich nur, ob die Investoren so lange Geduld haben.

Als kleinen Lichtblick konnte Rocket den Verkauf einer Beteiligung an dem asiatischen Online-Marktplatz Lazada präsentieren. Knapp 140 Mio. Euro bringt das ein – Geld, dass in weiteres Wachstum investiert werden soll.

Boni-Streit: VW-Manager lenken ein

Hans Dieter Pötsch
VW-Aufsichtsratschef Pötsch will auf einen Teil seiner Boni verzichten – Foto: Getty Images

Im Streit um die Bonuszahlungen für die Top-Manager von Volkswagen hat der Konzern in dieser Woche eingelenkt. Aufsichtsrat und Vorstand seien sich einig, dass angesichts der aktuellen Lage des Unternehmens ein Zeichen auch beim Thema Vorstandsvergütung gesetzt werden müsse, teilte VW am Mittwoch mit. Es solle eine „angemessene und faire Lösung“ für alle gefunden werden. Und das heißt dann: „In der Konsequenz würde dies zu einer deutlichen Absenkung der variablen Vergütung führen. Dies würde auf eigenen Wunsch nachträglich auch für Hr. Pötsch gelten.“

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch war im Oktober 2015 vom Vorstand in das Kontrollgremium gewechselt. Er soll sich dabei eine Entschädigungszahlung gesichert haben, denn mit seinem bis 2017 laufenden Vertrag als Finanzvorstand hätte er mehr Geld verdient, viel mehr. 10 Mio. Euro sollte Pötsch laut Medienberichten als Entschädigung erhalten.

Auf wie viel Geld er und die anderen Top-Manager jetzt verzichten müssen, blieb unklar. Am 22. April wird der Aufsichtsrat endgültig über die variablen Vergütungsbestandteile entscheiden.

Schlecker: Firmenpatriarch auf der Anklagebank

Protest gegen die Schließung von Schlecker-Filialen 2012 in Berlin
Protest von Schlecker-Mitarbeitern 2012: Nur vom Foto kannten die Beschäftigten Anton Schlecker und seine Frau Christa – Foto: dpa

Die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker hat ein juristisches Nachspiel für den Firmengründer Anton Schlecker und seine Familie. Vorsätzlicher Bankrott lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Schlecker soll insgesamt 20 Mio. Euro aus dem Unternehmen abgezweigt haben. Bei einem Schuldspruch droht dem ehemaligen Drogeriekönig eine Haftstrafe.

Schlecker führte sein Unternehmen als „Eingetragener Kaufmann“. Damit musste er mit seinem Privatvermögen für die Schulden seiner Firma haften und hätte kein Geld beiseiteschaffen dürfen. Bewiesen ist freilich noch nichts.

Immerhin wird Schlecker mal wieder in der Öffentlichkeit auftreten müssen, sollte es zu einer Gerichtsverhandlung kommen. Sonst meidet Anton Schlecker solche Auftritte, auch als seine Firma 2012 Insolvenz anmelden musste, blieb der Firmengründer in der Deckung. Für die ehemaligen Schlecker-Beschäftigten dürfte der Prozess eine Genugtuung sein. Das Unternehmen war berüchtigt für seinen rabiaten Umgang mit den Mitarbeitern.

Frühjahrsgutachten: Wachstumshemmnis Regierung

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute präsentieren ihr Frühjahrsgutachten
Alle Jahre wieder: Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute präsentieren ihr Frühjahrsgutachten – Foto: dpa

Wenn die Wirtschaftsforscher in Berlin ihre Gutachten präsentieren, hat die Bundesregierung selten etwas Gutes zu erwarten. Die Ökonomen nutzen den Anlass häufig, um den Politikern die Leviten zu lesen. Folgen hat das allerdings so gut wie nie. Auch die im Frühjahrsgutachten 2016 geäußerte Kritik dürfte an den Regierenden abprallen.

„Moderater Aufschwung – Wirtschaftspolitik wenig wachstumsorientiert“ ist die Analyse überschrieben. Die Forschungsinstitute senken ihre Konjunkturprognose und machen die Große Koalition für die Wachstumsverlangsamung verantwortlich. Statt mit 1,8 Prozent wie bisher prognostiziert, soll die Wirtschaft nur noch um 1,6 Prozent wachsen.

Es gebe da etwas, was die Konjunktur in Deutschland hemme, sagte Ferdinand Fichtner, Konjunkturforscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Die Koalition könne etwa dagegen tun. Mehr Investitionen, höhere Bildungsausgaben und Steuererleichterungen fordern die Institute. Fichtner empfahl insbesondere, Geld für den Ausbau der Infrastruktur bereitzustellen. „Es müsste darum gehen, dass man die Ausgaben der öffentlichen Haushalte verschiebt“, sagte er.

Kritik übten die Experten erneut an den Rentenbeschlüssen und -plänen der Regierung. Die Mütterrente und die Rente mit 63 seien schwere Fehler. Die derzeitigen Überschüsse seien nur temporär. Dauerhafte Leistungsausweitungen seien deshalb falsch, warnte Oliver Holtemöller vom IWH. „Ich persönlich wäre schon ziemlich zufrieden, wenn die Regierung neue unsinnige Maßnahmen unterließe, die dazu führen, dass sich die Nachhaltigkeit der Rentenversicherung noch weiter verschlechtert.“ Ob ihn jemand erhört? Im Herbstgutachten werden vermutlich die gleichen Kritikpunkte wieder auftauchen, wetten?