Die Höhle der LöwenMein schönes Doppelleben als Teilzeitgründer

Wer sich ein Feierabend-Start-up zumutet, muss Multitasking beherrschen
Wer sich ein Feierabend-Start-up zumutet, muss Multitasking beherrschenXaviera Altena

Für Mode interessiert sich Dominik Benner nicht besonders. Was nachvollziehbar ist, schließlich ist er farbenblind. Allerdings wurde Benner in eine Schuhhändlerfamilie hineingeboren – seit 1882 betreiben die Benners in Hofheim am Taunus ein Ladengeschäft, Benners Vater hat daraus eine kleine Kette mit fünf Filialen und 33 Mitarbeitern gemacht.

Der Sohn, 1982 geboren, will damit nichts zu tun haben. Er hat in St. Gallen studiert und beim Baukonzern Bilfinger Berger gearbeitet, als Geschäftsführer leitet er inzwischen eine Firma für erneuerbare Energien. Ein Superjob in einer wachsenden Branche.

Benners Vater ist gerade einmal 60 Jahre alt, als er 2012 plötzlich an einem Herzinfarkt stirbt. Und jetzt? Der Sohn steht vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens. Die Arbeit, die er liebt, drangeben? Oder die Mitarbeiter seines Vaters im Stich lassen? „Ich war ein bisschen verzweifelt“, erinnert er sich.

Am Ende wählt er einen Mittelweg. Er reduziert seine Geschäftsführerstelle auf 50 Prozent und kümmert sich in der restlichen Zeit um das Schuhhaus. Er findet sogar Gefallen am Handel – und merkt bald, dass ihm ein paar Geschäfte in Fußgängerzonen nicht reichen. „Ich wollte ein größeres Rad drehen.“ Er entwickelt einen Online-Schuhshop, erst für seine Filialen, dann öffnet er ihn für andere Fachhändler. Schuhe24 entsteht, ein Internetmarktplatz, den Einzelhändler gegen eine Gebühr nutzen können, um ihre Modelle im Netz zu vertreiben, als zweites Standbein neben dem Filialgeschäft. Heute sind 800 Läden dabei, 2018 plant Schuhe24, 50 Mio. Euro umzusetzen. Dominik Benner führt jetzt ein Start-up. Ein Gründer in Teilzeit.

100-Stunden-Wochen

Ein Unternehmen neben dem regulären Job aufzubauen – was für eine Herausforderung. Doch was wie eine kaum bezwingbare Herkulesaufgabe für Überperformer klingt, ist eigentlich ein Massenphänomen. Nach Zahlen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) waren 2017 fast zwei Drittel der 557.000 Existenzgründer in Deutschland sogenannte Nebenerwerbsgründer.

Auch Marko Schwertfeger ist so einer. Im Hauptberuf unterrichtet der Professor BWL an einer Berliner Hochschule, daneben betreibt er seit 2015 Un-vertraeglich.de, einen Onlineshop für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten. Schwertfeger ist selbst auf Nüsse und Milchprodukte allergisch, aus dem Freundeskreis kennt er viele Betroffene. Er weiß, wie kompliziert es sein kann, die richtigen Produkte zu finden. Und weil ein spezialisiertes Angebot fehlte, entschied er kurzerhand selbst, eines aufzubauen – neben seinem Job.