ManagementInterkulturelle Kompetenz ist ein Muss

Manager Händedruck
Nur mit Einblicken in fremde Kulturen bewegen sich Manager auf internationalem Parkett sicher – Foto: Getty Images

Marion Festing ist Inhaberin des Lehrstuhls für Personalmanagement und interkulturelle Führung an der Wirtschaftshochschule ESCP Europe in Berlin. Seit 2012 ist sie zudem Rektorin an der ESCP Europe. Die Hochschule mit fünf Standorten in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien bildet ihre Studierenden europäisch aus. Marion Festing ist Inhaberin des Lehrstuhls für Personalmanagement und interkulturelle Führung an der Wirtschaftshochschule ESCP Europe in Berlin. Seit 2012 ist sie zudem Rektorin an der ESCP Europe. Die Hochschule mit fünf Standorten in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien bildet ihre Studierenden europäisch aus.  


„Ich denke wirklich darüber nach, Sie wegen Beleidigung einer ethnischen Gruppe anzuzeigen“. Mit genau diesem Satz wurde ein deutscher Manager nach einem Townhall Meeting in den USA konfrontiert, nachdem ihm ein unverzeihlicher Fehler unterlaufen ist. Um den Produktwettbewerb zwischen den eigenen, in den USA hergestellten Produkten und asiatischen Importen scherzhaft zu umschreiben, nutzte der Manager symbolisch den Begriff des Schlitzauges. Ein amerikanischer Mitarbeiter, der mit einer Frau asiatischer Abstammung verheiratet war, empfand dies als beleidigend und drohte mit eben jener Anzeige.

Dieser Fauxpas zeigt, dass Interkulturalität in globalen Unternehmen in vielerlei Hinsicht herausfordernd ist. Die Abstammung aus einer ‚anderen‘ ethnischen Gruppe ist in den USA – wie im Übrigen in vielen anderen Ländern – keine Seltenheit, und Toleranz gegenüber Minderheiten stellt einen wichtigen Wert in der amerikanischen Kultur dar. Ein gewisser Patriotismus gepaart mit einer hohen Sensibilität für Diversität und Rassismus gehört zur Idee Amerika dazu. Somit hat jeder neue kulturelle Kontext seine Besonderheiten, die aufgrund des eigenen kulturellen Blueprints mit Herausforderungen einhergehen. Für Deutsche oder Europäer mögen andere Werte im Vordergrund stehen und das Handeln prägen als für Amerikaner oder Asiaten. Vor allem als Führungskraft muss man auf solche interkulturellen Herausforderungen gut vorbereitet sein, um erfolgreich in global geprägten Unternehmen agieren zu können. Das setzt ein tiefes Verständnis der eigenen kulturellen Prägung und interkultureller Unterschiede und Besonderheiten voraus.

Die Globalisierung nimmt nach wie vor zu und birgt durch die grenzüberschreitende Tätigkeit viele Veränderungen für globale Konzerne und auch mittelständische Unternehmen, häufig sogenannte Hidden Champions. Dementsprechend wandeln sich das Konzept „Karriere“ und die dafür erforderlichen Skills. Der Bedarf an flexiblen und kontextunabhängig kompetenten Mitarbeitern und Managern steigt stetig an. Solche Kompetenzen werden von den Unternehmen dringend benötigt und belohnt. Auch Bildungsinstitutionen reagieren hierauf, indem sie sich selbst und ihre Studiengänge internationalisieren. So soll das ‚Produkt‘ internationale Manager auf die verstärkten interkulturellen Anforderungen der Wirtschaft schon in der Aus- und Weiterbildung bestmöglich vorbereitet werden.

Was braucht der internationale Manager?

Zwei wichtige Attribute fördern den Erfolg von internationalen Managern – internationale Erfahrung und eine globale Identität.

Internationale Erfahrung als ein Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere in global ausgerichteten Unternehmen kann schon während des Studiums durch Auslandssemester oder Praktika erworben werden. Berufsjahre außerhalb des eigenen Landes und Arbeiten in multikulturellen Teams sind in multinationalen Konzernen schon fast eine Norm. Nicht alle Unternehmen belohnen jedoch die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen, in ausreichendem Maße. So ist die Wiedereingliederung nach Auslandsaufenthalten, das heißt die Rückkehr eines entsandten Mitarbeiters in das Heimatland, von Unternehmensseite nicht immer gut geplant, und der gewünschte Karrieresprung durch die neu erworbenen internationalen Kompetenzen stellt sich aus Mitarbeitersicht nicht schnell genug ein. Oft verlassen ehemalige Expatriates dann innerhalb kurzer Zeit das Unternehmen und finden bei neuen Arbeitgebern die gesuchten Karrieremöglichkeiten. In diesem Fall kann das entsendende Unternehmen keinen Return on Investment realisieren dafür, dass es einen Mitarbeiter international ausgebildet hat.

Darüber hinaus gilt eine globale Identität internationaler Manager als ein Erfolgsbooster für Karrieren im internationalen Kontext. Sie hängt davon ab, zu wem man sich zugehörig führt und mit wem man sich identifiziert. So können längerfristige Auslandsaufenthalte oder das Erlernen mehrerer Fremdsprachen beispielsweise eine Weiterentwicklung der Identität in globaler Hinsicht beeinflussen. Menschen mit einer globalen Identität sind geprägt von einem starken Zugehörigkeitsgefühl zu anderen Individuen in der Welt, wobei dieses Gefühl unabhängig vom eigenen nationalen Kontext ist. So ist beispielsweise in multikulturellen Teams eine globale Identität ein wichtiger Erfolgsfaktor, da man sich mit dem internationalen Team identifiziert und gemeinsam an Lösungen arbeitet. Um erfolgreich in solchen interkulturellen Kontexten agieren und führen zu können, kann eine globale Identität also ein wichtiges Kapital darstellen.

Zusammenfassend gilt: Je mehr Erfahrung man im globalen Kontext sammelt, desto größer ist das Potential für eine erfolgreiche internationale Karriere. Erfolg kann sich natürlich nur dann einstellen, wenn man im globalen Kontext kompetent agiert. Hierfür müssen interkulturelle Unterschiede und ihre Ursachen erkannt, verstanden und in Handlungen umgesetzt werden. Nur so können interkulturelle Fauxpas wie im Eingangsbeispiel vermieden und kontinuierliche Lerneffekte erzielt werden. Eine frühe Interaktion mit Menschen anderer Nationalitäten sowie eine entsprechende Ausbildung schult nach und nach das Verhalten und schafft die Kompetenzen, die in globalen Kontexten benötigt werden. Um die Eingangsfrage zu beantworten: Interkulturelle Skills sind heute zwingend notwendig für den berufliche Erfolg in einer globalisierten Arbeitswelt.