WochenrückblickKapitalvernichtung auf Chinesisch

Wundersamer Kurssturz

Der chinesische Milliardär Li Hejun
Der chinesische Milliardär Li Hejun schwänzte eine Hauptversammlung und löste damit Spekulationen aus – Foto: Getty Images

Der chinesische Aktienmarkt hat eine turbulente Woche hinter sich. Im Fokus stand dabei vor allem das Solarunternehmen Hanergy Thin Film Power, des chinesischen Milliardärs Li Hejun. Bis vor kurzem wurde er von „Forbes“ als reichster Chinese geführt. Doch in dieser Woche war Li an einer spektakulären Kapitalvernichtung beteiligt. Was ist geschehen? Der Milliardär erschien nicht zur Hauptversammlung seines Unternehmens, weil er – so die offizielle Begründung – zu tun hatte.

Unmittelbar nach Beginn des Aktionärstreffens verlor die Aktie des Unternehmens in weniger als einer halben Stunde 47 Prozent ihres Wertes. Dann wurde der Handel mit dem Papier ausgesetzt. Und die Tage Lis als reichster Festlandchinese waren gezählt.

Hanergy Thin Film Power Group Aktie

Hanergy Thin Film Power Group Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Abwesenheit Lis dürfte nicht der einzige Grund für den Kurssturz gewesen sein. In den vergangenen Monaten häuften sich die kritischen Analysen und Kommentare über das Geschäftsgebaren des Unternehmens. Branchenbeobachtern war aufgefallen, dass Hanergy Thin Film Power den größten Teil seiner Solarzellen an die Hanergy Holding verkauft.

Außerdem gibt es Vermutungen, dass der Kurs der Aktie manipuliert wurde. Wie die „Financial Times“ berichtete, wurden die Anteilsscheine seit Jahren erst in den letzten zehn Minuten vor dem Schlussgong gehandelt. In den vergangenen Monaten ging es steil bergauf für das Papier. Auf dem Höhepunkt hatte das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 40 Mrd. Dollar und war damit mehr wert als beispielsweise Tesla oder Twitter.

Über die Gründe des plötzlichen Kurssturzes gibt es nur Vermutungen. Weder das Unternehmen noch die Aufsichtsbehörden äußerten sich. Es gibt aber Berichte, wonach die Muttergesellschaft Anteile an ihrem Tochterunternehmen genutzt haben soll, um Bankkredite aufzunehmen. Diese würden nun nicht zurückgezahlt.

Einen Tag nach Hanergy erwischte es die beiden Unternehmen Goldin Financial und Goldin Properties. Auch hier folgte auf einen kometenhaften Aufstieg ein jäher Absturz. Die Aktie von Goldin Financial, laut FAZ ein Unternehmen mit 116 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von umgerechnet 27 Mio. Euro, verlor 62 Prozent. Auch das Papier der  Schwestergesellschaft knickte ein. Die Gründe für den Kursrutsch blieben im Dunklen.

Otto schreibt Verluste

Otto-Chef Hans-Otto Schrader
Konzern-Chef Hans-Otto Schrader muss den ersten Jahresverlust in der Firmengeschichte erklären – Foto: Otto Group

Knapp 200 Mio. Euro Verlust: So etwas hat es noch nie gegeben in der Geschichte des Versandhändlers Otto. Doch 2014 war kein gutes Jahr für die Otto-Gruppe mit ihren mehr als 20 Tochterunternehmen. Im Vorjahr hatte unter dem Strich noch ein Gewinn von 200 Mio. Euro gestanden. Zu schaffen macht dem Konzern der harte Wettbewerb im Internet wo sich Otto gegen etablierte Konkurrenten wie Amazon und gegen relativ neue Spieler wie Zalando behaupten muss. Probleme gab es aber auch in Frankreich und den USA.

Geht es nach Konzernchef Hans-Otto Schrader bleibt der Ausflug in die roten Zahlen ein einmaliges Ereignis. Otto will sich im laufenden Geschäftsjahr von acht Tochterfirmen trennen, um wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. „Wir werden neue Eigentümer als strategische Partner an Bord holen oder gegebenenfalls auch Gesellschaften verkaufen“, sagte Schrader.

Damit wird aber auch deutlich, dass das Kalkül des Konzerns nicht aufgegangen ist. Mit vielen Spezialanbietern wollte Otto den Rivalen die Stirn bieten. Doch mangelte es an Geld für Investitionen in die Neugründungen, um sie für den Wettbewerb zu rüsten. Nun folgt also die Rolle rückwärts.

An ihrer Digitalisierungsstrategie hält die Otto-Gruppe aber fest. „Wir werden erneut dreistellige Millionenbeträge in unsere IT, Logistik sowie den Aufbau neuer Geschäftsmodelle investieren“, sagte Schrader. Dazu wurde der Vertrag mit Vizechef Rainer Hillebrand verlängert, der im Vorstand für Konzernstrategie, E-Commerce und Business Intelligence zuständig ist. „Die Otto Group steht vor der Herausforderung, die digitale Transformation in den Konzerngesellschaften direkter und schneller als bisher umzusetzen“, sagte Aufsichtsratschef Michael Otto. 

Mehdorn geht in Ruhestand

Hartmut Mehdorn
Das war’s: Hartmut Mehdorn zieht sich aufs Altenteil zurück – Foto: Günter Wicker/Flughafen Berlin Brandenburg

Aus der ersten Reihe hatte sich Hartmut Mehdorn mit seinem Rücktritt als Chef des Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg bereits verabschiedet. Aus gesundheitlichen Gründen zieht er sich jetzt komplett zurück. Seinen Posten im Aufsichtsrat des Softwarekonzerns SAP gab er auf. „Ich hatte ein gesundheitliches Problem, ich bin in Behandlung, aber auf dem Weg der Besserung“, zitiert ihn der Berliner Tagesspiegel. Es werde Zeit für ihn, in Ruhestand zu gehen.

Mehdorn war vor seiner Zeit beim BER unter anderem Chef bei der Deutschen Bahn und bei Air Berlin. Ein Diplomat war er nicht und wollte es auch nicht sein. Capital charakterisierte den Manager als „Chefpolterer“.

Mehdorn hat sich diesen Ruf hart erarbeitet: „In meinen Arbeitsbedingungen stand nie, dass ich zu allen sehr freundlich sein muss oder dass ich der beliebteste Manager aller Zeiten sein muss“, hat er einmal gesagt, als er noch die Deutsche Bahn führte. Wie man denn glauben könne, „dass ein Weichei ein so großes Unternehmen wie die Bahn führen kann? Einer, der schreckhaft und zartbesaitet“ sei? „Schwäche können Sie zu Hause bei Ihrer Frau zeigen“, sagte Mehdorn.