ThemaDie größten Handelsfreunde

Containerschiff
Noch immer wird der Warenaustausch von Handelsbarrieren behindert
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Der Freihandel gilt als wichtige Antriebskraft der Weltwirtschaft. Laut einer Studie des World Economic Forums (WEF) bremsen Handelsbarrieren aber nach wie vor die Erholung der Weltwirtschaft. Laut dem Global Enabling Trade Report mangelt es in vielen Ländern am Willen zu Reformen. Mit den in Bali vereinbarten Handelserleichterungen gebe es jetzt eine Richtschnur, die Barrieren für den freien Handel rasch zu beseitigen.

Im Zentrum der Untersuchung steht ein Index, der die Handelsfreundlichkeit von 138 Staaten bewertet. Maßstab sind Marktzugang, Grenzformalitäten, Infrastruktur und das Geschäftsumfeld für Unternehmen. Die handelsfreundlichsten Nationen sind demnach Singapur, Hongkong und die Niederlande.

Barrieren für ausländische Arbeitskräfte

Deutschland liegt in der Rangliste auf Platz zehn und ist damit unter den EU-Staaten schlechter platziert als das Nachbarland Niederlande aber auch als Finnland (5) Großbritannien (6) und Schweden (9). Auch die Schweiz auf Platz sieben liegt vor der Bundesrepublik. Allerdings lässt Deutschland die USA (15) und China (54) hinter sich. Russland rangiert gar nur auf Platz 105.

Verbesserungsmöglichkeiten für die Bundesrepublik sehen die Autoren der Studie beim komplizierten Zolltarifsystem, was in erster Linie für landwirtschaftliche Produkte gelte. Das sei aber auch ein Problem aller EU-Staaten. Hierzulande behindere eine zu strenge Regulierung ausländische Direktinvestitionen. Außerdem sei es wegen der geltenden Vorschriften schwierig ausländische Arbeitskräfte anzuheuern. Deutschland müsse diese Probleme beseitigen, um seinen Platz zu behaupten, heißt es.

Insgesamt stehen bei der Handelsfreundlichkeit Industrienationen besser da als Schwellen- und Entwicklungsländer. Mit Chile auf Rang acht hat es aber auch ein Schwellenland unter die Top Ten geschafft. Das südamerikanische Land verfügt mit einem durchschnittlichen Zolltarif von 3,5 Prozent über die günstigsten Einfuhrbedingungen weltweit. Zudem sei das ganze Tarifsystem einfach und transparent.

Zu viel Bürokratie in China

Andere Schwellenländer sind noch nicht so weit: Brasilien etwa wird auf Platz 86 geführt, Indien auf Rang 96. Bürokratie bei der Grenzabfertigung, Korruption, eine schwach ausgebaute Infrastruktur und mangelhafte Sicherheit gehörten zu den weit verbreiteten Handelsbarrieren in den Schwellen- und Entwicklungsländern.

Diese Kritik trifft auch auf China zu – den Exportweltmeister. Die Zollabfertigung sei umständlich und erfordere viel Papierkram. Auch die relativ hohen Zolltarife und die Zollschranken für chinesische Exporteure ließen viel Raum für Verbesserungen.