Tech-KarrierenDas sind die erfolgreichsten Deutschen im Silicon Valley

Sebastian Thrun ist Gründer der Online-Akademie Udacity und CEO des Miniflugzeug-Herstellers Kitty Hawk. Der frühere Stanford-Professor leitete bei Google das Programm für selbstfahrende Autos und baute das Zukunftslabor des Konzerns auf
Sebastian Thrun ist Gründer der Online-Akademie Udacity und CEO des Miniflugzeug-Herstellers Kitty Hawk. Der frühere Stanford-Professor leitete bei Google das Programm für selbstfahrende Autos und baute das Zukunftslabor des Konzerns auf Damien Maloney

Sebastian Thruns linke Hand krault einen Husky namens Charly, während durchs Fenster seines Büros in Mountain View die ewige kalifornische Sonne scheint. Kraulend verkündet Thrun sein technologisches Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahrzehnten fast alle Krankheiten heilen werden. Ich glaube, dass der Straßenverkehr in die Luft verlegt wird und es keine Staus mehr geben wird. Ich glaube, dass es Technologie geben wird, die den Menschen 200 Jahre alt werden lässt. Ich glaube, dass wir eines Tages ohne Mühe alle Sprachen werden lernen können.“ Dann schaut Thrun auf seine leise surrende Smartwatch – eine neue Nachricht. Der Hund wedelt mit dem Schwanz.

Thrun, 51 Jahre alt, ein drahtiger Mann mit Glatze, ist ein Star im Silicon Valley. Stanford-Professor mit 40. Ehemaliger Leiter des Google-Projekts für selbstfahrende Autos, Architekt des Zukunftslabors Google X, Mitentwickler des Dienstes Street View, mit dem Nutzer online durch die Straßen der Welt wandern können. Heute bastelt er mit einer seiner Firmen an Flugtaxis, mit einer anderen an einer Online-Universität für die ganze Welt. Thrun ist ein Mensch, für den sich mit Technik im Grunde alle Probleme lösen lassen.

Er ist auch: ein Deutscher, geboren im bergischen Solingen.

Sehnsucht und Furcht

Das Silicon Valley, dieses im Grunde kleine Gebiet südlich von San Francisco, ist für die Deutschen gleichermaßen ein Ort der Sehnsucht wie der Furcht. Hier sitzen Apple, Google, Facebook, einige der wertvollsten Unternehmen der Welt. Ortsnamen wie Palo Alto, Cupertino oder Mountain View kennt jeder, der einmal die Nutzungsbedingungen einer Software gelesen hat. Delegationen von Daimler, Siemens oder der Deutschen Bahn reisen hierher, um die Zukunft zu besichtigen. Mit gespielter Lässigkeit wird in Deutschland vom „Valley“ gesprochen, wo alles leichter, fortschrittlicher, schneller gehen soll, wo neue Ideen bessere Chancen haben als irgendwo sonst auf der Welt.

Zugleich löst vieles, was aus dem Valley kommt, Angst aus: vor Überwachung am Bildschirm, vor süchtig machenden Online-Netzwerken, vor Technik, die Arbeitsplätze vernichten könnte. Und Angst ist etwas, was in Deutschland immer gut funktioniert.

Und dann sind da noch die Deutschen, die im Silicon Valley leben. Die es mit aufgebaut haben und Teil seines Ruhms sind. Von etwa 60.000 Deutschen geht der Autor Mario Herger aus, der ein Buch über „Das Silicon Valley Mindset“ geschrieben hat. 60.000 von etwa 3,5 Millionen Valley-Bewohnern, das entspricht einem größeren Ortsteil von Berlin. Nicht wahnsinnig viel, aber auch nicht wenig. Deutsche sitzen in Führungspositionen bei Facebook oder Apple, sie haben eigene Start-ups hochgezogen oder finanzieren mit ihrem Geld andere. Es gibt den Großinvestor Peter Thiel, der den Bezahldienst Paypal mitgegründet hat. Den Informatiker Andreas von Bechtolsheim, der als einer der Ersten Geld in Google steckte. Oder Konstantin Guericke, den Mitgründer von LinkedIn.

Die Berufschancen im Norden Kaliforniens, das versammelte Know-how, natürlich auch das Geld ziehen Talente aus der ganzen Welt an. „Das ist hier nicht das Durchschnittsamerika“, sagt Caroline Raynaud, Geschäftsführerin der German American Business Association California (GABA), eines Netzwerks für deutsche Unternehmer. „Kaum jemand ist selbst hier aufgewachsen.“ Genau diese Atmosphäre ist es, die auch viele Deutsche anlockt. „Das Silicon Valley symbolisiert für viele hier Freiheit“, sagt Raynaud. Weniger Regulierung, weniger Skepsis gegenüber Neuem als in Europa. Mehr Geld. Und fast alle loben die Leichtigkeit, mit der sich hier Kontakte knüpfen lassen.

Wer aber sind die Deutschen im Valley? Und warum sind sie hier und nicht in ihrer Heimat?