Top 40 unter 40Corona und die globale Währungsarchitektur

Katharina Gehra, CEO von Immutable InsightPR

Die Corona-Pandemie ist eine extreme Herausforderung für Medizin, Politik und Wirtschaft, aber auch für das globale Währungssystem. Die unterschiedlichen nationalen, aber doch fast weltumspannenden Shutdowns brachten die globale Wirtschaft in großen Teilen zum Erliegen. Die aktuellen Lockerungen führen zwar dazu, dass Geschäfte wieder öffnen, aber die Kaufbegeisterung der Menschen ist gering. Und so greifen die Staaten wie es der deutsche Finanzminister formulierte „zur Bazooka“ und werfen Geld unters Volk. Das Helikoptergeld mit der Unterschrift des amerikanischen Präsidenten oder die staatlichen Konjunkturhilfen wie in Frankreich oder Deutschland bedeuten enorme Staatsverschuldungen.

John Mainard Keynes, der Vater des geldpolitischen Gedankens von staatlicher Investition in Krisenzeiten, dürfte sich angesichts der geradezu hemmunglosen Geldvermehrung in Covid-19-Staaten im Grab umdrehen. Schließlich hatte er 1944 für eine weltweite Finanzstabilität gekämpft, wie sie in Bretton Woods schließlich von 44 Staaten vereinbart wurde. Zwar hatte Keynes von einer virtuellen Weltwährung geträumt, an der sich alle anderen Währung orientieren sollten; aber der Dollar als Leitwährung auf Basis eines fixierten Goldpreises schien damals genauso sicher. Das ging bekanntlich knapp drei Jahrzehnte gut. Doch dann hatte die expansive US-Geldpolitik den Bogen überspannt, das sprichwörtlich sichere Gold in Fort Knox entsprach nicht mehr den gedruckten Dollarmengen. Es folgte der „Nixon-Schock“, jener legendäre Vertragsbruch des damaligen US-Präsidenten, seit dem florieren die Wechselkurse frei.

Schon nach der Finanzkrise 2009 gab es erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkit der staatlichen Sicherheiten. Der Euro, die gemeinsame Währung von Staaten unterschiedlichster Wirtschaftskraft, geriet unter Druck. Die Diskussion um Corona-Bonds jetzt ist nur eine Neuauflage der damaligen Streitereien und Zerwürfnisse um Euro-Bonds, nur nicht ganz so emotional. irgendwie hat die Geldpolitik der EZB bei allen Zweifeln doch zu einer – für manche überraschenden – Stabilität geführt.

Das verbliebene Fundament der staatlichen Währungen bröckelt

Die realwirtschaftlichen Bedingungen haben sich in den letzten Jahrzehnten wesentlich verändert. Das hält keine Form des Geldes, kein Währungssystem als Abstrahierung der Realwirtschaft auf Dauer aus. Die Lage wird fragiler und fragiler, und irgendwann ist das Ausreizen von „Quantitative Easing, einer expansiven Geldpolitik als Stimulus einer lahmenden Wirtschaft, nicht mehr in der Lage, den Abgrund zwischen dem, was Geld repräsentiert und dem was tatsächlich an Wert existiert, zu überbrücken. Kurz: Das verbliebene Fundament der staatlichen Währungen bröckelt.

Seit 1973 hatte der Dollar als Leitwährung ausgedient, D-Mark und Yen, später der Euro und neuerdings auch der chinesische Yuan etablierten sich als ebenbürtig. Auch darum geht es in den Handelskriegen der letzten Jahre, wo sich unter dem Leitbild nationalstaatlicher Egoismen die USA und China über die Köpfe Europas hinweg, um die Vormachtstellung prügelten.

Covid-19, jener Virus der in China seinen Anfang nahm und in den USA gerade seinen Höhepunkt erlebt, legt nicht nur die Schwächen menschlicher Gesundheit, staatlicher Gesundheitssysteme, sondern eben auch die Schwächen der Finanzmärkte offen. Auf wen ist Verlass? Die beiden Kontrahenten in Ost und West sind ähnlich überschuldet, ähnlich unglaubwürdig in ihrer Kommunikation, ähnlich instabil in ihrer Politik. Wem können, wem wollen wir noch vertrauen?

Nun könnte die Europäische Union mit seinen 500 Millionen Einwohnern und vier der sieben stärksten Industrienationen als lachender Dritter hervorgehen, wenn nicht auch hier nationale Rivalitäten die Währungsunion schleichend von innen zermürben würden. Die nationalen Konjunkturspritzen können nur mühsam die Risse überdecken.