UnstatistikCola-Geschmacksirrläufer

Cola-Fläschchen aus Fruchtgummi
Geschmackssache: Welche Cola ist die leckerste im ganzen Land?

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. 
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de. Jüngst erschienen im Campus Verlag ist das Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet – Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“


„Deutschland kommt auf den Geschmack! 80 Prozent finden Freeway Cola schmeckt wie eine Markencola.“ Mit diesen Worten wirbt der Lebensmitteldiscounter Lidl für seine Eigenmarke Freeway Cola. Das Lidl-Produkt soll also genauso gut schmecken wie etwa Coca Cola oder Pepsi Cola. Die Unstatistik hat die Werbeaussage auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Dabei hilft ein genauer Blick auf die Fußnote zum Werbeplakat. Dort ist zu lesen: „Cola Geschmackstest 2015: Bei einem Blindtest mit 510 Teilnehmern, denken 8 von 10 derjenigen, die Freeway als ihre Favoriten wählen, Coca Cola oder Pepsi Cola getrunken zu haben“. Diese Botschaft sei zwar korrekt, in der Darstellung jedoch irreführend, kritisieren die Unstatistiker.

Mehrheit für Coca Cola und Pepsi

Tatsächlich hätten nur 14 Prozent angegeben, dass Freeway Cola wie ein Markenprodukt schmeckt. Und das errechnet sich so: Betrachte man die Ergebnisse des Geschmackstests, hätten nur 18 Prozent der Teilnehmer beziehungsweise 92 der 510 Personen angegeben, dass ihnen Freeway Cola persönlich am besten schmecke. Der überwiegende Teil habe eine andere Marke vorgezogen. Die große Mehrheit entschied sich für Coca Cola oder Pepsi Cola.

Von den 92 Freeway-Cola-Fans dachten 80 Prozent, Coca oder Pepsi getrunken zu haben. „Bezieht man die Geschmacksirrläufer alternativ auf die gesamte Testgruppe, gaben lediglich 14 Prozent an, dass Freeway Cola wie eine Markencola schmeckt“, schreiben die Unstatistiker. Und ihr Fazit: „Dies ist wieder einmal ein Beispiel dafür, dass man zu Marketingzwecken verwendete Statistiken getrost ignorieren kann.“