VG-Wort Pixel

Interview Das Leben der Vielflieger

"Internet an Bord will wirklich Keiner"
"Internet an Bord will wirklich Keiner"
© Thomas Pirot
Fliegen ist auch nicht mehr das, was es mal war. Aber was ist es dann? Capital hat vier Vielflieger zum Gespräch getroffen.

Vier Vielflieger an einem Tag an einen Tisch zu bekommen ist gar nicht so einfach. Ganz anders dagegen der Ort, der ergibt sich ja quasi von selbst: Flughafen Frankfurt , im Businesscenter „The Squaire“. Wir haben knappe zwei Stunden, dann müssen die Ersten schon wieder los.

Capital: Wer von Ihnen weiß eigentlich, wie viel Zeit seines Lebens er schon im Flugzeug verbracht hat?

Capital hat vier Vielflieger zum Gespräch getroffen.
Capital hat vier Vielflieger zum Gespräch getroffen.
© Thomas Pirot

Christine Theodorovics: Gute Frage …

Oliver Neumann: Noch besser wäre die Frage, wie viel sinnvolle Zeit wir auf Flugreisen verbracht haben.

Was ist für Sie sinnvolle Zeit?

Neumann: Wenn mein Meeting am Zielort erfolgreich war, würde ich sagen: Es hat sich gelohnt, das auf mich zu nehmen.

Theodorovics: Man kann ja die Meilen in Zeit umrechnen. Ich hatte seit 1999 fast immer Senatorstatus, vielleicht war ich drei oder vier Jahre Frequent Traveler. Im Schnitt bin ich also 80.000 oder 90.000 Meilen im Jahr geflogen, multipliziert mit 20 Jahren macht das 1,7 Millionen Meilen. Wenn man dann noch weiß, wie viele Meilen so ein Flieger in der Stunde schafft, dann wird man sagen: Oh, das ist wirklich viel. (lacht)

Oliver Neumann, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Deininger, fliegt täglich und gehört zum Hon Circle der Lufthansa.
Oliver Neumann, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Deininger, fliegt täglich und gehört zum Hon Circle der Lufthansa.
© Thomas Pirot

Herr Neumann, Sie haben den höchsten Vielfliegergrad der Lufthansa, den Hon-Status.

Neumann: Ja, ich fliege fast täglich.

Fast jeden Tag? Wie geht das denn?

Neumann: Indem alles sehr gut organisiert ist. Mein Büro ist in Frankfurt an der Messe, da fahre ich eine halbe Stunde vor Boarding los. Mein Zeitplan ist so dicht, das ist alles bis auf die Minute optimiert. Früher habe ich mich lustig gemacht über die Menschen, die bis zum Abflug vor dem Gate rumlaufen und telefonieren. Heute bin ich selbst so einer. Meine Telefonate enden oft genau eine Minute vor dem Abflug.

"Sicherheitschecks sind eine Belastung geworden"

Klingt anstrengend. Nervt Sie nicht dieses Geschiebe im Flughafen?

Neumann: Wenn Sie so viel fliegen wie ich, dann ist der Hon-Status schon eine enorme Hilfe. In Frankfurt und München kann ich in einem separaten First-Class-Terminal einchecken und werde direkt zum Flieger gefahren. Das ganze Schlangestehen wird mir erleichtert.

Theodorovics: Den Service habe ich leider nicht. Manches nervt schon. Ich bin seit Mitte der 90er-Jahre viel unterwegs. Die Sicherheitschecks sind nötig, das ist mir klar, aber sie sind zum Teil eine Belastung geworden. Speziell hier in Frankfurt sind sie vor langen
Wochenenden wirklich eine Zumutung, selbst in der Express-Schlange stehe ich manchmal 40 Minuten.

Hon-Kunden sind besonders privilegiert. Ist das nicht manchmal auch unangenehm, Herr Neumann?

Neumann: Manches möchte ich nicht – etwa an der Schlange vorbei ins Flugzeug geleitet werden, das mache ich nicht. Ich definiere mich nicht über meinen Status, sondern er hilft mir, meinen Job effizient machen zu können.

Theodorovics: Wenn ich ein-, zweimal im Jahr in den Urlaub fliege, ist es mir auch egal, ob ich in der Schlange stehe. Aber wir fliegen jede Woche, manche von uns sogar täglich. Das ist kein Spaß mehr. Wenn dann der Fast Track, wie hier in Frankfurt, manchmal eher ein Slow Track ist, geht das nicht.

Timo Mauter, Geschäftsführer Rautemusik, ist auf seinen Reisen zwangsläufig vor allem auf Billigflieger angewiesen.
Timo Mauter, Geschäftsführer Rautemusik, ist auf seinen Reisen zwangsläufig vor allem auf Billigflieger angewiesen.
© Thomas Pirot

Herr Mauter, müssen wir uns ­Sorgen um Sie machen? Sie sind viel mit Billigfliegern unterwegs, die kaum Privilegien gewähren.

Timo Mauter: Billigflieger wie Ryan­air bieten auch Extras an, aber gegen saftigen Aufpreis. Dafür würde ich niemals Geld ausgeben. Ich versuche, Fast Track oder Loungezugänge zu nutzen, die bei meinen Kreditkarten als Zusatzleistung dabei sind – zumindest da, wo es Sinn macht. In Köln und Düsseldorf ist der Fast Track meist irrelevant, weil das ­Personal gar nicht darauf achtet. Da stelle ich mich dann auch nicht am roten Teppich an, sondern dort, wo die Schlange am kürzesten ist. Danach gehe ich fast lieber in die normalen Flughafenlounges. Denn bei der Lufthansa ist zu Stoßzeiten ja selbst die Senator Lounge übervoll.

Tobias Eggendorfer: Das stimmt. In Deutschland müssen Sie sich fast um Stehplätze in den Lounges streiten. Die Zustände etwa in Berlin sind eine Katastrophe. Da sitzen alle dicht an dicht, jeder hört beim ­anderen mit. Ich arbeite in der IT-Sicherheit, da wird man in solchen Lounges geradezu paranoid.

Herr Eggendorfer, Sie haben es zu einiger Berühmtheit gebracht, weil Sie sich vor

Tobias Eggendorfer, Professor für IT-Sicherheit und Datenschutzbeauftragter, versucht, Lufthansa zu vermeiden, seit er gegen den Konzern geklagt hat.
Tobias Eggendorfer, Professor für IT-Sicherheit und Datenschutzbeauftragter, versucht, Lufthansa zu vermeiden, seit er gegen den Konzern geklagt hat.
© Thomas Pirot

einigen Jahren mit der Lufthansa angelegt haben.­ Mit einer Klage bis vor den Bundes­gerichtshof haben Sie sich gegen die Entwertung Ihrer Meilen ­gewehrt. Haben Sie das je bereut?

Eggendorfer: Nein, warum?

Weil Sie danach vielleicht an Bord schlechter behandelt wurden?

Eggendorfer: Im Gegenteil, es war ein Augenöffner. Ich habe endlich gesehen, was andere Airlines besser können. Bis zum Ende von Air Berlin im vergangenen Herbst bin ich nicht mehr Lufthansa geflogen – das geht nun leider nicht mehr.

Die Bahn als echte Alternative zum Vielfliegen

Fliegen Sie eigentlich alle hauptsächlich in Deutschland oder auch international?

Mauter: Geschäftlich bin ich vor allem in Deutschland unterwegs, manchmal auch in Europa. Interkontinental eher privat.

Theodorovics: Früher bin ich mehr interkontinental geflogen, heute pendele ich jede Woche zwischen Zürich, Frankfurt und Bonn. Und ich muss sagen, dass auf diesen Strecken die Bahn eine echte Alternative geworden ist – keine Schlangen, da hat man seine Ruhe und kann ohne Unterbrechung arbeiten.

Neumann: Ich fliege sehr viel innerdeutsch, aber auch nach Asien und in die USA.

Wie schafft man das?

Neumann: Ach, das geht schon. Wenn ich nach Asien muss, sieht das zum Beispiel so aus: Ich fliege Freitagabend um 17.15 Uhr von Frankfurt nach Schanghai, komme ­Samstagmorgen um 10 Uhr an, habe Meetings von 11 bis 20 Uhr, fahre zurück zum Flughafen und fliege mit der letzten Maschine wieder zurück. Ich lande Sonntagmorgen um 5 Uhr in München, fliege nach Frankfurt, bin um 8 Uhr zu Hause und bringe Brötchen mit.

Klingt ziemlich anstrengend.

Neumann: Ich habe zwei kleine­ Kinder, zu Hause bekomme ich ­keine zwölf Stunden Schlaf wie bei einem Flug nach Schanghai. Wenn ich bei diesen Trips zwei Tage im Flieger gelebt habe, komme ich oft fitter raus, als wenn ich morgens mit dem Zug nach Stuttgart fahre und abends wieder zurück. Aber klar ist es anstrengend.

Theodorovics: Interkontinentalflüge sehe ich auch nicht als Last. Ich bin sogar froh, wenn ich in der Zeit nicht erreichbar bin.

WLAN an Bord macht nervös

Interessant, denn die Airlines bieten ja nun extra Internet an Bord an, damit Sie auch dort erreichbar sind und arbeiten können. Braucht das denn niemand?

Theodorovics: Um Gottes willen! Es gibt drei Dinge, bei denen ich optimal relaxen kann: beim Bergsteigen, beim Tauchen und beim Langstreckenflug. Da gibt es nirgends Handyempfang. Wenn die Airlines alle WLAN an Bord anbieten, macht mich das ganz nervös.

Eggendorfer: Ja, um Himmels willen. Ich glaube, Internet an Bord will wirklich keiner.

Neumann: Die Vorstellung, dass ich an Bord telefonieren kann,
finde ich auch entsetzlich. Niemand erwartet, dass ich da erreichbar
bin, das ist ja auch mal eine enorme Entlastung.

Herr Mauter, Sie halten sich ­zurück: Chatten oder schlafen – was bevorzugen Sie an Bord?

Mauter: Ich bin da entspannter, wahrscheinlich weil ich eh 24 Stunden am Tag online bin. Ich möchte zwar auch nicht skypen während­ des Flugs. Aber ich möchte mal ­etwas recherchieren können und mit anderen Leuten über Nachrichten in Kontakt bleiben. Zumal mich ­gerade auf Langstrecken das Film­angebot langweilt.

Ja, was machen Sie eigentlich an Bord, wenn Sie so viel fliegen, aber nicht erreichbar sein wollen?

Mauter: 85 Prozent der Filme will ich mir nicht anschauen. Ich lese und arbeite.

Eggendorfer: Das Filmangebot kann mir auch gestohlen bleiben. Wer will schon „Ratatouille“ zum 20. Mal anschauen? Das ist zu blöd. Als Informatiker sitze ich immer vor dem Bildschirm. Da finde ich es klasse, wenn ich im Flieger mal für drei, vier Stunden offline bin und ein Buch lesen kann.

Theodorovics: Ich ziehe mir viele Dokumente vor dem Flug auf mein iPad, das reicht mir für die Arbeit.

Christine Theodorovics, Vorstand bei der Zurich Gruppe Deutschland, pendelt ständig zwischen Frankfurt und Zürich und weiß mittlerweile die Bahn zu schätzen.
Christine Theodorovics, Vorstand bei der Zurich Gruppe Deutschland, pendelt ständig zwischen Frankfurt und Zürich und weiß mittlerweile die Bahn zu schätzen.
© Thomas Pirot

Neumann: Ich setze mir Kopfhörer auf und höre Musik. Das bringt mich in eine andere Welt, so blende ich alles um mich herum aus.

Wie wichtig sind Ihnen die exklusiven Services an Bord, der Champagner oder der Pyjama für die Nacht?

Mauter: Also, der Champagner ist nicht mehr so gut, wie er mal war.

Theodorovics: Doch, ich trinke gern ein Glas Champagner, in der Lounge oder im Flugzeug. Nur nicht in der Früh. (lacht)

Eggendorfer: Ich bin eher neugierig und probiere am liebsten die Weinliste einmal durch. Da sind manchmal ganz tolle Weine dabei. Ein Bekannter erzählte mir mal von einem sehr guten Wein, den er an Bord von Cathay Pacific getrunken hatte. Da ich zufällig in der Nähe des Weinguts war, habe ich es besucht und den Wein probiert. Ehrlich gesagt, fand ich ihn okay, aber langweilig. Als ich kurz darauf mit Cathay geflogen bin, habe ich den Wein noch mal bestellt – und wirklich: Da oben schmeckte er vorzüglich.

Theodorovics: Mir ist mal was ganz Nettes bei Mongolian Airlines passiert. Auf dem Rückflug aus dem Urlaub hatte mein Partner Geburtstag. Also habe ich die Stewards gefragt, ob sie eisgekühlten Cham­pa­gner haben. Und tatsächlich, wenige Minuten später servierten sie einen hervorragenden Cham­pa­gner mit allem Zinnober. Als ich später heimlich zahlen wollte, sagte der Steward: „Das geht auf unsere Rechnung.“ Das ist ein Service! Da könnten sich andere Airlines noch einiges abschauen.

Neumann: Ich achte immer da­rauf, welchen Schlafanzug mir die Flugbegleiter geben. Den gibt es bei Lufthansa in den Größen L und XL. Wenn es mir nicht gelungen ist, meinen Weihnachtsspeck abzutrainieren, und die kommen mit XL, dann bin ich schon mal empört. Die Reaktion ist ganz lustig.

Theodorovics: Ich muss immer die Herrenpyjamas nehmen. Für so große Frauen wie mich haben sie ja nichts Passendes. Aber okay, ist ja keine Modenschau.

Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass der Frauenanteil in der Vielfliegerwelt so gering ist wie im Vatikan. Stört Sie das?

Theodorovics: Dann müsste mich mein ganzes Leben stören. Nein, ich kenne das gar nicht anders.

Neben allen möglichen Extras und Privilegien, die Ihnen die Fluglinien bieten, stehen Airlines unter enormem Kostendruck. So wird es ja auch immer schwieriger, einen Vielfliegerstatus zu erlangen. Bekommen Sie das zu spüren?

Theodorovics: Ja, als ich Mitte der 90er zu arbeiten angefangen habe, sind wir in Europa Business geflogen, und es gab pro Flug 2500 Meilen. Heute fliegen wir in Europa nur noch Economy, es gibt 125 Meilen pro Flug, und ich bin froh, wenn ich gar nicht mehr fliegen muss.

Eggendorfer: Für den Normalkunden sind die ganzen Buchungsklassen, flexiblen Tarife und Upgrades nicht durchschaubar. Da wird man an so vielen Stellen übers Ohr gehauen. Ich buche mittlerweile grundsätzlich über das Reisebüro.

Fliegen ist auch nicht mehr das, was es mal war. Aber was ist es dann?
Fliegen ist auch nicht mehr das, was es mal war. Aber was ist es dann?
© Thomas Pirot

Na ja, dahinter steht natürlich eine sehr ausgeklügelte Preispolitik, die Gewinne maximiert.

Eggendorfer: Ja, klar, aber mich als Kunden frustriert das. ­Früher war das System mal simpel, heute ist es undurchschaubar.

Theodorovics: Das stimmt, die Preispolitik und das Meilensystem sind völlig intransparent. Ich kenne mich da nicht mehr aus, und das mag ich nicht. Seit ich in Frankfurt arbeite, wurden mir die fast monopolartigen Preise erst bewusst: Ein Flug für 500 Euro nach Zürich? So viel kostet ein Ticket nach New York! Wenn ich dann noch Gutscheine bekomme, die ich wegen der vielen Ausnahmen nicht für Upgrades einsetzen kann, können die sich das auch gleich schenken. Da fühle ich mich über den Tisch gezogen.

Aber haben Sie eine Alternative?

Theodorovics: Klar, ich kann mit Eurowings für 80 Franken von Köln-Bonn nach Zürich fliegen und ab Frankfurt mit der Bahn reisen. Von Tür zu Tür brauche ich so auch nur knapp vier Stunden. Und bei der Bahn ist die Preisstrategie berechenbar.

Bei Billigfliegern ist es doch einfach. Warum nutzen Sie die nicht?

Theodorovics: Vor 30 Jahren wäre ich sicher damit geflogen, aber ich bin keine Studentin mehr. Ich fliege die extremen Low-Cost-Carrier nicht. Das stresst mich. Ich nutze auch einige klassische Linien­carrier nicht mehr. Die haben dauernd mein Gepäck verloren oder mich meine Anschlussflüge verpassen lassen.

Aus dem Alltag eines Vielfliegers: "Ich setze mir Kopfhörer auf und höre Musik, so blende ich alles um mich herum aus"
Aus dem Alltag eines Vielfliegers: "Ich setze mir Kopfhörer auf und höre Musik, so blende ich alles um mich herum aus"
© Thomas Pirot

Eggendorfer: Im Automarkt gibt es auch zwei Produktsegmente: Lada und Mercedes. Lada-Kunden sind angeblich die zufriedensten Autofahrer, weil die keine Erwartungen haben. Mercedes-Kunden sollen extrem pingelig sein. Warum wollen Airlines immer gleichzeitig­ den Lada und den Rolls-Royce ­anbieten? Ich will wissen, was mich erwartet.

Ein schier unerträgliches Leistungsspektrum

Sie sind vergangenen Herbst das erste Mal wieder Lufthansa geflogen. Was fällt Ihnen auf?

Eggendorfer: Es ist so grauenvoll wie eh und je. In der Economyclass stehen immer noch Stühle, die aus dem Campinghandel kommen könnten. Und im Europaverkehr kommen die Sitze der Busi­ness­class mittlerweile genauso sparsam ­daher. Was mich aber am meisten aufregt, ist dieses penetrante Code-Geshare.

Aus dem Alltag eines Vielfliegers: "Man stumpft mit der Zeit auch ab"
Aus dem Alltag eines Vielfliegers: "Man stumpft mit der Zeit auch ab"
© Thomas Pirot

Sie meinen die Vermarktung eines­ Flugs unter vielen unterschied­lichen Flugnummern?

Eggendorfer: Ja. Sie buchen bei Lufthansa einen Businessflug nach Stockholm und sitzen in einem Flieger von Scandinavian. Dort wird auch in der Businessclass die Dreierreihe mit drei Leuten vollgestopft, und Sie bekommen dann ein Bier und ein Salatblatt.

Immerhin.

Eggendorfer: Ja, vielen Dank. Das ist wirklich ein Problem bei Lufthansa und Star Alliance. In dieser Allianz erleben Sie in der Businessclass ein schier unerträgliches Leistungsspektrum: Es gibt Businessclasses, die sind eine Zumutung wie eben bei Scandinavian, und ­andere, die in Ordnung sind. Aber wenn Sie über Lufthansa buchen, zahlen Sie immer Lufthansa – etwa für einen leeren Mittelplatz in der Businessclass, den Sie dann aber gar nicht bekommen. Das frustriert­ mich. Und ich glaube denen nicht, dass Codeshares nötig sind, um ­Anschlussflüge effizienter zu organisieren. Das ist Buzzword-Bingo.

Herr Mauter, was regt Sie auf?

Mauter: Mich ärgern eigentlich wenige Dinge so richtig, was vielleicht auch daran liegt, dass ich wirklich gern fliege. Das ist so ein Kindheitsding bei mir. Aber man stumpft mit der Zeit auch ab. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind ja gar keine Kriterien mehr. Früher bin ich nach Hause gefahren, wenn ich auf dem Weg zum Flughafen in den Stau geraten bin. Heute weiß ich: Kein Problem, das Ding fliegt eh zwei Stunden später. Da kann man sich darauf verlassen. Köln wartet auf mich. Hamburg auch.

vielflieger_6_thomas pirot

Herr Neumann, wenn man so viel reist wie Sie, stolpert man wahrscheinlich täglich über Dinge …

Neumann: Vieles lässt sich ja nicht ändern, zum Beispiel wenn ein Flug gestrichen wird. Würde ich das alles immer an mich heranlassen, würde ich meinen Job nicht mehr schaffen. Ich kann mich doch nicht die ganze Zeit an den Dingen, die schlecht sind, abarbeiten und Beschwerdebriefe schreiben. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Gibt es gar nichts, was Sie verbessern würden?

Neumann: Das habe ich nicht ­gesagt. Bis auf Frankfurt und München erlebe ich die Flughäfen ja so wie jeder andere auch. Da gibt es viel zu verbessern: Die Rückzugsmöglichkeiten für Telefonate sollten dringend verbessert werden. Es gibt zwar Telefonkabinen, aber wenn man da zwei Stunden drinsitzt, wird es sehr unangenehm warm und ­stickig. Und gesünderes Essen wäre auch gut.

Theodorovics: Stimmt, die Lounges sind für mich auch der einzige Ort, wo ich zum Essen komme. Meine Tage sind auf Kante genäht. Ich esse in der Lounge immer Suppe und Salat, das ist relativ gesund.

Aber es gibt doch oft Kartoffelsalat, Frikadellen oder Currywurst.

Mauter: Ich würde auch sagen: Wenn man sich in Lounges ernährt, lebt man nicht gerade gesund.

"Ein Wunsch: Ruhe, Ruhe, Ruhe"

Und sonst?

Neumann: Die Toiletten sind manchmal sehr kritisch, gerade wenn es voll ist. Hamburg ist so ein schlimmes Beispiel.

Selbst bei den Hons?

Neumann: An vielen Flughäfen gibt es einen Toilettenraum für alle Lounges. Lieber werde ich an Bord nicht mit dem Namen begrüßt, habe dafür aber eine saubere Toilette.

Theodorovics: Ich habe einen Wunsch: Ruhe, Ruhe, Ruhe.

Was würde da helfen?

vielflieger_3_thomas pirot

Theodorovics: Ein Spielzimmer für Kinder. Nichts gegen Kinder, aber haben Sie schon mal versucht, neben einer Familie mit zwei oder drei Kindern zu arbeiten? Das können Sie vergessen. Und eigene Zonen für Telefonate wären hilfreich. Man bespricht ja oft vertrauliche Themen und will auch nicht die Businesspläne der verschiedenen Leute dort hören.

Eggendorfer: Ich würde mir wünschen, dass mir in den Lounges nicht jeder auf den Bildschirm gucken kann. Ich brauche mehr und bessere Rückzugsräume.

Mauter: Ich wundere mich, dass es nicht mehr Schlafräume an Flughäfen gibt und dass in den Wellnessbereichen nur Entspannung angeboten wird, aber kein Sport.

Theodorovics: Oh ja, das wäre auch mein Wunsch. Ich hatte letztens acht Stunden Aufenthalt in São Paulo, da hätte ich gern trainiert. Eine Stunde Work-out, dann eine Dusche, vielleicht noch eine Massage. Das wäre noch besser als die üblichen Kompressionsstrümpfe.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel