KolumneDer mutlose Lufthansa-Kranich

Eine Lufthansa-Maschine im neuen Design
So sieht das Design der Lufthansa-Maschinen künftig ausLufthansa/dpa

Ist Ihnen das in letzter Zeit auch schon einmal passiert? Ich wette: Ja. Sie buchen Lufthansa, bekommen eine Bordkarte von Eurowings, fliegen Germanwings und vor Ihnen im Airbus steht eine Stewardess in Air-Berlin-Uniform. Durch eine Kette von Umstrukturierungen, Neupositionierungen und Übernahmen ist das Markenbild des Lufthansa-Konzerns in den letzten Jahren ein wenig durcheinandergeraten, um es ganz vorsichtig zu sagen. Und um dem Ganzen auch noch die Krone aufzusetzen, ändert die Lufthansa jetzt auch noch ihr gesamtes Design. Verschwinden soll dabei ausgerechnet das, was die Airline seit Jahrzehnten von der Konkurrenz abhebt: die Markenfarbe Gelb. Warum? Das sei das „i-Tüpfelchen“ einer großen Modernisierung des Konzerns, sagt der Vorstandschef Carsten Spohr. Nun ja.

Wenn das neue Design wenigstens auf einen Schlag käme und damit endlich wieder ein eindeutiges Erscheinungsbild, könnte man darüber vielleicht reden. Aber nach den Plänen des Konzerns soll es sieben Jahre dauern, meldete Spiegel-Online, bis alle Flugzeuge im neuen Kleid erstrahlen. Das ohnehin vorhandene Markenchaos verschlimmert sich also zunächst bevor es vielleicht irgendwann besser wird. Das ist Management by Irrsinn.

Es gibt für eine Marke nichts stärkeres als eine Farbe, die jedermann mit ihr verbindet. Bei der Deutschen Telekom ist das Magenta, beim Handelsblatt Orange und bei der Lufthansa eben Gelb. Zeigen Sie irgendjemandem das Lufthansa-Gelb, selbst ohne Kranich und Schrift, und er wird Ihnen sagen: das ist die Lufthansa. Wer ohne Not und ohne jede vernünftige Begründung auf einen so hohen Wert in der Wiedererkennung verzichtet, versteht von Marketing offenbar sehr wenig.

Blau statt gelb

Nun kann man einwenden: Marken müssen sich ständig erneuern und alle paar Jahre ihr Erscheinungsbild neuen Sehgewohnheiten und Moden anpassen. Selbst auf der Packung von Brandt prangt inzwischen ein anderes Lausbubengesicht als früher. Und auch das hochheilige Logo von BMW hat sich über die Jahre immer wieder ein wenig verändert. Ein großer Schnitt aber will wohl überlegt sein. Die Lufthansa hat ihr Corporate Design in den letzten Jahrzehnen bereits mehrfach angepasst. Mal flog der Kranich etwas schlanker durch die Lüfte, mal wieder etwas fetter. So weit, so gut. Aber auf die Idee, ein weltweit eingeführtes Design radikal zu verändern kam in früheren Jahren glücklicherweise niemand bei der Lufthansa.

Was man bisher vom neuen Design sehen kann, überzeugt außerdem nicht. Die Lufthansa will sich künftig in einem Allerweltsblau präsentieren wie viele andere Airlines auch. Blau gilt als edel, weshalb alle mutlosen Markenführer im Zweifel darauf verfallen. Vom alten Gelb soll bei der Lufthansa nur eine kleine Kachel an der Eingangstür der Flugzeuge bleiben – auch das ein typisches Zeichen von Mutlosigkeit. Eigentlich will man die Farbe ganz los sein, traut sich aber nicht ganz auf sie zu verzichten. Was im Design aber am wenigsten Bestand hat, ist Mutlosigkeit. Ich biete deshalb hier jedem bei der Lufthansa die Wette an: Beim nächsten großen Designsprung in einigen Jahren kommt das Gelb wieder groß zurück.

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