WochenrückblickApple wird zum Finanzdienstleister

Apples Gerüchteküche

Am 9. September stellt der Technologiekonzern neue Geräte vor. Wie immer vor diesen heiligen Messen der Apple-Gemeinde kocht die Gerüchteküche hoch. Und wie immer hüllt sich das Unternehmen in Schweigen. Beobachter, Fans und Blogger rechnen jedenfalls fest mit einem iPhone-Modell, das mit einer digitalen Bezahlfunktion ausgestattet sein soll. Apple, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg, habe Deals mit den Kreditkartenanbietern Visa, Mastercard und American Express abgeschlossen. Zahlungen sollen per Fingerabdruck auf dem Display bestätigt werden.

Apple ist hier freilich nicht Vorreiter sondern Nachzügler. Einige Smartphones mit dem Android-Betriebssystem sind bereits mit dem NFC-Nahfunk ausgerüstet, der das kontaktlose Bezahlen erst ermöglicht. Als digitale Geldbörse konnte sich das Smartphone bisher aber nicht durchsetzen. Allerdings ist es ja die Stärke Apples, neuen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen. Und mit der Multimediaplattform und der weiten Verbreitung des iPhone hat der Konzern gute Startvoraussetzungen.

Uber geht vor Gericht unter

Einen Rückschlag vor Gericht musste der Taxi-Konkurrent Uber vor Gericht hinnehmen. Das Frankfurter Landgericht untersagte dem App-Anbieter in Deutschland weiter Fahrer über das Angebot Uber-Pop Fahrer zu vermitteln. Doch das Unternehmen schert sich nicht an die einstweilige Verfügung. Es erklärte seine Dienste weiterhin anzubieten mit der merkwürdigen Begründung, Fortschritt lasse sich nicht ausbremsen.

Man darf wohl annehmen, dass es Uber auch ums Geld geht. Denn die Auseinandersetzung beschert dem Unternehmen Aufmerksamkeit und Zulauf. In den fünf Städten, in denen Uber hierzulande aktiv sei, hätten sich die Nutzerzahlen verdoppelt, teilte Uber mit. Da kann man drohende Ordnungsgelder offenbar verkraften.

Draghi gibt (fast) alles

Er hat es schon wieder getan – diesmal überraschend. Der EZB-Rat senkt den Leitzins auf historisch niedrige 0,05 Prozent und erhöht den Strafzins, den Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Außerdem kündigte EZB-Chef Mario Draghi an, dass die Zentralbank ab Oktober damit beginnen werde, den Banken Kreditverbriefungen und Pfandbriefe abzukaufen. Das auf drei Jahre angelegte Programm soll laut verschiedenen Medienberichten einen Umfang von 500 Mrd. Euro haben.

Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi
© Getty Images

Über die neuerliche Zinssenkung habe im Rat keine Einigkeit geherrscht, räumte Draghi ein. Für die anderen Maßnahmen habe es eine komfortable Mehrheit gegeben. Die Schritte zeigen, dass die Mehrheit im EZB-Rat die Lage der Wirtschaft in der Eurozone als sehr kritisch einschätzt. Draghi will ein Abrutschen in die Rezession unbedingt verhindern. Ein Rückfall in die Krise könnte radikalen Kräften in Europa in die Hände spielen.

Allerdings sind die Möglichkeiten der Zentralbank bald ausgereizt. An der Zinsschraube lässt sich kaum noch drehen und der jetzige Minischritt wird wohl auch keinen Investitionsboom auslösen.

Draghi sieht ohnehin die Politik in der Pflicht – das hat er bereits beim Treffen der Zentralbanker im amerikanischen Jackson Hole deutlich gemacht. Ohne eine Lockerung des Sparkurses, staatlichen Investitionen und Steuersenkungen werde Europa nicht auf den Wachstumspfad zurückfinden. Die Bundesregierung hört so etwas freilich nicht gern, sondern verweist auf die Notwendigkeit von Strukturreformen, um die Grundlage für neues Wachstum zu legen.

Die Reaktionen in Deutschland fielen erwartbar aus: DIW-Präsident Marcel Fratzscher etwa verwies auf die niedrige Inflation. Es sei Aufgabe der EZB Preisstabilität zu gewährleisten. Dieses Ziel verfehle sie derzeit deutlich. Kritiker wie Ifo-Chef Hans-Werner Sinn warnen  dagegen vor dem Ankauf von Anleihen. Ein Schritt der sich jetzt andeute. Die EZB sei dazu aber nicht befugt, weil es sich nicht um eine geldpolitische Maßnahme handele.

Hoffnungsschimmer für die Wirtschaft

Über die Wirtschaftsentwicklung gab es zuletzt keine guten Nachrichten. Im vergangenen Quartal ist die Wirtschaftsleistung geschrumpft und auch die Aussichten für die nahe Zukunft sehen nicht rosig aus. Aber in dieser Woche gab es wieder einen Stimmungsaufheller: Die Auftragseingänge der deutschen Industrie sind im Juli um 4,6 Prozent gestiegen, so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Das teilte das Wirtschaftsministerium mit. Zudem fiel das Minus im Juni nicht ganz so stark aus wie ursprünglich angegeben.

Da auch der Produktionsanstieg im Juli so kräftig ausfiel, wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr, sieht das Ministerium wieder mit mehr Zuversicht in die Zukunft. Die Daten bestärkten die  Einschätzung, „dass sich die positive Grundtendenz fortsetzt, soweit es die geopolitischen Entwicklungen zulassen“. Und es wächst die Hoffnung, dass sich der Aufschwung hierzuland trotz der vielen Krisen weltweit fortsetzt.