Arbeitsrecht8 Fragen und Antworten rund um den Urlaubsantrag

Damit bei der Urlaubsplanung alles klappt gibt es rund um den Urlaubsantrag einiges zu beachten
Damit bei der Urlaubsplanung alles klappt gibt es einiges zu beachtenIMAGO / CHROMORANGE

# 1 Wie viele Urlaubstage habe ich?

Ihr Urlaubsanspruch ist mutmaßlich geringer als Sie denken: Gesetzlich vorgeschrieben sind nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bei einer Fünf-Tage-Woche mindestens 20 Tage, also vier Arbeitswochen. Hat der Beschäftigte eine Sechs-Tage-Woche, sind es mindestens 24 Urlaubstage im Kalenderjahr. Mindestens zwei Wochen davon müssen am Stück genehmigt werden, damit die freie Zeit dem Namen Erholungsurlaub gerecht wird. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben – etwa durch Tarifverträge – aber mehr Urlaubstage als gesetzlich festgelegt.

# 2 Wann muss ich meinen Urlaub anmelden?

Dazu gibt es keine verbindliche gesetzliche Regelung – weder wann der Arbeitnehmer den Urlaub anmelden noch bis wann der Arbeitgeber darauf reagieren muss. Manchmal gibt es in Betrieben aber eine konkrete Regelung zur Urlaubsplanung. Grundsätzlich sollten Mitarbeiter ihren Urlaub natürlich nicht auf den letzten Drücker ankündigen, damit eine Vertretung für den Zeitraum organisiert werden kann. Ebenso sollten Chefs Rücksicht darauf nehmen, dass Angestellte ihren Urlaub irgendwann verbindlich buchen möchten.

# 3 Kann der Chef den Urlaubsantrag ablehnen?

Die Antwort lautet leider: Ja. Allerdings kann der Arbeitgeber nicht verlangen, dass Mitarbeiter grundsätzlich auf ihren Urlaub verzichten. Er kann lediglich bestimmen, in welcher Zeit Beschäftigte keinen Urlaub nehmen dürfen. Grund dafür können dringende betriebliche Interessen sein – etwa die Erntezeit in der Landwirtschaft oder die Reisehauptsaison im Tourismus. Auch können Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern in den Ferien Vorrang bekommen. Gibt es in einem Unternehmen Betriebsferien, kann der Arbeitgeber ferner anordnen, dass Beschäftigte ihren Urlaub in dieser Zeit nehmen müssen. Umgekehrt sind aber etwa auch die Urlaubsmöglichkeiten der berufstätigen Partnerinnen und Partner ein Faktor, den der Arbeitgeber zu berücksichtigen hat.

# 4 Bis wann muss ich meinen Urlaub nehmen?

Nicht selten fürchten Beschäftigte, zu wenige Urlaubstage zu haben und gehen mit diesen sehr sparsam um – so dass am Ende des Jahres noch zwei Urlaubswochen übrig sind. Zwar gehen viele Unternehmen kulant mit der Übertragung des Resturlaubs ins neue Jahr um, eigentlich gilt jedoch: Beschäftigte sollen den Urlaub zu ihrer regelmäßigen Erholung im laufenden Kalenderjahr nehmen. Ein „Ansparen“ von Urlaub für das nächste Jahr lässt das Gesetz nicht zu. Nur aus dringenden betrieblichen Gründen oder aufgrund von Krankheit soll der Resturlaub ins erste Quartal des kommenden Kalenderjahres übertragen werden. Allerdings ist es nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs nicht mehr so, dass Urlaubstage verfallen, wenn sie nicht bis spätestens zum Ende des ersten Quartals des Folgejahres genommen werden.

# 5 Ab wann darf ich im neuen Job Urlaub nehmen?

Vielfach kursiert die Ansicht, während der Probezeit, also während der ersten drei oder sechs Monate, dürften Beschäftigte keinen Urlaub machen. Das stimmt so nicht: Arbeitnehmern steht von Beginn an für jeden vollen Monat ihrer Tätigkeit ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu. Nur der volle Jahresurlaub kann erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten genommen werden.

# 6 Was darf ich im Urlaub machen?

Ihren Urlaub dürfen sie nicht dazu nutzen, sich woanders noch ein bisschen Geld dazu zu verdienen. Der Erholungsurlaub muss der Erholung dienen. Das bedeutet aber auch, dass Sie in dieser Zeit nicht für den Chef oder die Kollegen erreichbar sein müssen.

# 7 Kann mein bewilligter Urlaub noch gestrichen werden?

Die Rücknahme dieser Entscheidung ist nicht so einfach, die Genehmigung des Urlaubs ist bindend. Ohne Zustimmung des Beschäftigten ist die Streichung eines bewilligten Urlaubs nur im absoluten Notfall möglich, etwa wenn es für die Firma plötzlich um die die Existenz geht. Personalmangel rechtfertigt diese Maßnahme dagegen nicht. Kommt es im Ausnahmefall aber dazu, dass Sie ihren Urlaub tatsächlich stornieren müssen, hat der Arbeitgeber die entstehenden Kosten zu zahlen. Anders ist es, wenn Sie schon im Urlaub sind: Ihr Chef darf Sie dann nicht zurück in den Betrieb kommandieren, egal was dort möglicherweise gerade los ist.

# 8 Was kann ich tun, wenn ich keinen Urlaub bekomme?

Bei Entscheidungen rund um Urlaub hat der Betriebsrat beziehungsweise der Personalrat ein Mitspracherecht. Sollte es in Ihrem Unternehmen ein solches Gremium geben, ist dies der erste Ansprechpartner, um das weitere Vorgehen zu beraten. Auch wenn Sie Mitglied in einer Gewerkschaft sind, gibt es dort Unterstützung.

 


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