ImmobilienSo gelingt der Hauskauf in der Elternzeit

Ein Häuschen im Grünen ist der Wunsch vieler junger Familien
Ein Häuschen im Grünen ist der Wunsch vieler junger FamilienIMAGO / penofoto

Wenn das erste Kind geplant oder bereits unterwegs ist, wollen viele Menschen aus der Mietwohnung in die eigenen vier Wände ziehen. Vor allem in angespannten Wohnungsmärkten kann sich die Suche nach einem Zuhause aber hinziehen. Und so passiert es nicht selten, dass die Zusage fürs Traumhaus erst nach der Entbindung eintrudelt, wenn ein Elternteil oder sogar beide in Elternzeit sind. Wer dann ein Baudarlehen aufnehmen will, erlebt oft eine böse Überraschung.

Zwar greift der Staat berufstätigen Eltern finanziell unter die Arme, damit sie sich nach der Geburt um ihren Nachwuchs kümmern können. So haben sie in den ersten 14 Monaten Anspruch auf Elterngeld, sofern der Vater mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt. Andernfalls gibt es zwölf Monate lang Geld vom Staat. Viele Banken erkennen die staatliche Förderung jedoch nicht als Teil des Haushaltseinkommens an. So kann es passieren, dass sich die Finanzierungskonditionen in der Elternzeit deutlich verschlechtern oder das Geldhaus den Kreditantrag sogar ablehnt.

Aus Sicht der Bank ist das Elterngeld kein verlässliches Einkommen, weil es dem Empfänger – ähnlich wie Arbeitslosengeld – nur für einen befristeten Zeitraum zusteht. Während der Elternzeit gelten zwar strenge Regeln zum Kündigungsschutz. Danach können Arbeitgeber Arbeitsverträge aber unter Einhaltung der gesetzlichen Fristen und Bestimmungen auflösen. In der Praxis kommt das öfters vor als man denkt, etwa, weil der Chef die Stelle der Mutter anderweitig besetzt hat oder weil er befürchtet, dass der frischgebackene Papa nicht mehr die maximale Leistung bringt. „Soll das Baudarlehen allein auf Grundlage des Elterngeldes und der Weiterbeschäftigung nach der Babypause gestemmt werden, ist das für die meisten Darlehensgeber zu ri­sikoreich“, heißt es vom Baufinanzierungsvermittler Dr. Klein.

Alleinverdiener oder Alleinstehende müssen daher in aller Regel nachweisen, dass sie den Kredit auch ohne Elterngeld abzahlen können, weil sie über genügend andere Einkommensquellen verfügen – etwa Mieteinnahmen oder Einkünfte aus Kapitalanlagen. Bei Paaren, die gemeinsam ein Baudarlehen aufnehmen wollen, muss der Vollverdiener in der Lage sein, die monatlichen Raten auch ohne das Elterngeld des Partners zu stemmen. Ausnahmen machen Banken in der Regel nur für Beamte: Die haben als Staatsdiener einen sicheren Arbeitsplatz, denn sie sind unkündbar. Die Bank muss also auch nach der Elternzeit keinen Zahlungsausfall fürchten.

Immerhin: Vereinzelt gibt es Institute, die das Elterngeld als Einkommen anerkennen. Wenn die Hausbank den Kreditantrag ablehnt, sollten junge Eltern also nicht aufgeben, sondern weitersuchen. In jedem Fall sollten sie ihre Kreditraten an jenem Einkommen ausrichten, das während der Elternzeit tatsächlich zur Verfügung steht, und das zweiten Gehalt als Puffer betrachten. Andernfalls riskieren sie, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, falls der Wiedereinstieg in den Job nicht so reibungslos läuft wie gedacht.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte bei der Wahl des Baukredits auf flexible Tilgungsoptionen achten. Zwar erlauben die meisten Banken während der Zinsbindungsfrist mehrere Tilgungssatzwechsel. Kunden können ihre Tilgungsrate dann an ihr zur Verfügung stehendes Einkommen anpassen. Viele Institute lassen sich solche zusätzliche Flexibilität allerdings bezahlen. Bei den Direktbanken DKB und ING ist der Tilgungswechsel zum Beispiel nur zweimal kostenlos. Danach fällt pro Wechsel eine Gebühr von 250 beziehungsweise 100 Euro an.

 


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