Grüne ImmobilienWarum Investoren bei Immobilien auf Nachhaltigkeit setzen

„Green Buildings“ sind bei Immobilieninvestoren gefragt
„Green Buildings“ sind bei Immobilieninvestoren gefragtStockSnap auf Pixabay

Grün ist die Modefarbe der Finanzindustrie. Egal ob Aktien, Anleihen oder Fonds: Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass Fondsgesellschaft neue Produkte mit dem Label „nachhaltig“ auf den Markt bringen. Der Trend macht auch vor der Immobilienbranche nicht Halt. Die Zahl der sogenannten „Green Buildings“ steigt seit vielen Jahren, auch getrieben von der Politik, die den Bau umweltfreundlicher Immobilien gezielt fördert. Im August 2018 verpflichteten sich 19 Metropolen, ab 2030 ausschließlich klimaneutrale Neubauten in ihren Stadtgrenzen zu genehmigen. Zu den Unterzeichnern dieser „Net Zero Carbon Buildings Declaration“ zählen Städte wie Stockholm, New York, Toronto oder Tokio – aus Deutschland ist nur die 156.000-Einwohner-Stadt Heidelberg dabei.

Dabei wird das umweltfreundliche Bauen auch in Deutschland seit geraumer Zeit immer populärer. Die Energiewende im Immobiliensektor gilt als Schlüssel zum Erreichen der Pariser Klimaziele, entsprechend ehrgeizig fördert die Bundesregierung den Um- und Neubau von Immobilien. Der Blick in die Portfolios offener Immobilienfonds zeigt zudem: Grüne Gebäude sind bei Investoren gefragt. Seit dem Jahr 2013 ist die Zahl der Objekte mit einem der gängigen Green-Building-Zertifikate signifikant gestiegen, zeigt eine Analyse der Fondsratingagentur Scope für 14 offene Immobilienfonds. Auch das Investitionsvolumen nachhaltiger Immobilen-Investments hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. War 2013 gerade einmal 20 Prozent der Fonds als nachhaltig deklariert, sind es mittlerweile mit 53 Prozent mehr als die Hälfte.

Nachhaltige Immobilien gelten als zukunftssicher

Immobilieninvestoren erhoffen sich von der Investition in nachhaltige Gebäude mehr als nur ein ruhiges Gewissen. Wer bei der Auswahl der Objekte auf Nachhaltigkeit achtet, kann die Rendite seines Portfolios steigern, zeigt eine Studie des Immobiliendienstleisters Catella aus dem Jahr 2017. Demnach lassen sich für nachhaltige Gebäude höhere Mieten durchsetzen, weil die Immobilien vor allem Mieter mit guter Bonität anziehen. Außerdem können Investoren die Gebäude meist zu einem höheren Preis verkaufen als Immobilien mit größerem ökologischen Fußabdruck. Einer der Gründe laut Studie: Käufer müssen damit rechnen, dass sich die energetischen Vorgaben für den Gebäudebestand in Zukunft deutschlandweit verschärfen werden. Nachhaltige Immobilien gelten deshalb als zukunftssicherer als konventionelle Gebäude.

Welche Kriterien Gebäude erfüllen müssen, damit sie mit dem Zusatz „nachhaltig“ werben dürfen, ist bislang nicht einheitlich geregelt. Manche Projektentwickler verstehen darunter nur die Energieeffizienz, andere schließen soziale Kriterien mit ein. Orientierung bieten Gütesiegel wie zum Beispiel das US-amerikanische Siegel LEED (Leadership in Energy and Environmental Design). Es bewertet die Nachhaltigkeit von Immobilien mithilfe eines Punktesystems in den Stufen Basis, Silber, Gold und Platin. Die Experten schauen sich zum Beispiel an, wie umweltfreundlich das Gebäude errichtet wurde und wie effizient die Ressource Wasser innerhalb der Immobilie genutzt wird. Auch der Wohnkomfort fließt in die Bewertung mit ein.

Auch Akustik und Luftqualität spielen eine Rolle

In Deutschland ist das Siegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) am weitesten verbreitet. Die Organisation bewertet die Nachhaltigkeit von Gebäuden anhand von sechs verschiedenen Bewertungsfeldern. Neben der Ökobilanz und der Ressourcennutzung beim Bau schauen sich die Prüfer unter anderen auch die Akustik und Luftqualität in den Räumen an, bewerten, wie gut die Verkehrsanbindung ist und wie kinderfreundlich die Anlage konzipiert wurde.

Wer das Direktinvestment scheut oder nicht das nötige Kapital für einen Kauf mitbringt, kann in Aktien von Unternehmen investieren, die nachhaltige Gebäude unterhalten. Einen guten Überblick bieten Indizes wie der „New Sustainable Global Real Estate Index“ des Vermögensverwalters La Française Group und des Immobiliendienstleisters Global Property Research (GPR). Der Index zeigt die Wertentwicklung von 150 Aktien nachhaltiger Immobilienunternehmen aus aller Welt.