ImmobilienWarum Firmen auf Coworking setzen

Coworking-Space und Begegnungsräume im Gemeinschaftsbürohaus
Coworking-Space und Begegnungsräume im Gemeinschaftsbürohaus "Smartvillage" in Münchendpa

Wer die Räume des Coworking-Anbieters Mindspace am Münchner Viktualienmarkt betritt, kann nicht anders, als sich ein bisschen wie Zuhause zu fühlen. Parkettboden mit Teppichläufern, Malereien an den Wänden, Sessel und Sofas überall: Die Einrichtung des Münchner Gemeinschaftsbüros erinnert mehr an das heimische Wohnzimmer als an ein Großraumbüro. Hier arbeiten Menschen hochkonzentriert an ihren Laptops, verteilt auf vier Etagen und 2200 Quadratmeter. „Werde Teil einer kosmopolitischen Gemeinschaft von Firmen und Jungunternehmern, die Großes erreichen wollen“, wirbt Mindspace auf seiner Homepage.

Das Unternehmen vermietet Schreibtische und ganze Büros auf Zeit, in der Regel für vier Wochen. Bürogemeinschaften – neudeutsch: Coworking Spaces – gibt es mittlerweile überall in der Republik. Der Markt wächst rasant: Allein in den sieben größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf haben Coworking-Anbieter im vergangenen Jahr mehr als 200.000 Quadratmeter angemietet, zeigt eine Auswertung des Immobiliendienstleisters Colliers International. Das ist fünfmal so viel wie im Vorjahr.

Folgt man der Analyse der Immobilienexperten, dürfte der Trend zum Gemeinschaftsbüro anhalten. In der Untersuchung befragte Colliers International je 20 Nutzer und Anbieter von Coworking-Diensten zur Zukunft des Marktes. Ergebnis: 79 Prozent der Teilnehmer gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Cowor­king Spaces in den kommenden zwei bis fünf Jahren weiter steigt. „Nicht nur Nutzer, auch Eigentümer und Investoren sehen Coworking Spaces als zukunftsweisende Büroumgebung“, sagt Wolfgang Speer, Head of Office & Occupier Services bei Colliers International Deutschland.

Längst sind es nicht mehr nur Gründer und Freiberufler, die Räume in Coworking Spaces mieten. Mittlerweile haben auch große Unternehmen die Vorzüge der Gemeinschaftsbüros für sich entdeckt. So sitzt die Beteiligungstochter DB Ventures im Berliner Coworking Space von Wework, weil man sich davon „eine Einbettung in das Startup-Ökosystem“ verspricht. In den USA hat sich das IT-Unternehmen IBM sogar ein ganzes Hochhaus von Wework einrichten lassen. Rund 30 Prozent aller Wework-Kunden sind nach Angaben des Coworking-Anbieters etablierte Unternehmen. In der Umfrage von Colliers International gab ein Drittel der Anbieter an, regelmäßig Flächen an Teams mit 20 bis 50 Mitgliedern zu vermieten.

Während der Vorteil für Freiberufler auf der Hand liegt – Gemeinschaft statt Homeoffice –, erschließt sich der Nutzen für Unternehmen nicht immer direkt. Nutzer von Gemeinschaftsbüros mieten Coworking-Flächen vor allem aus Kostengründen, zeigt die Untersuchung von Colliers International. 44 Prozent gaben an, dass geringere Kosten für sie das ausschlaggebende Argument bei der Entscheidung für einen Schreibtisch im Coworking Space waren.

Mieter zahlen weniger

Tatsächlich zahlen Mieter bei Coworking-Anbietern meist deutlich weniger, als wenn sie vergleichbare Büros in Eigenregie anmieten würden. Bei Mindspace in München beispielsweise kostet ein Platz im hippen Großraumbüro 450 Euro im Monat. Ein eigenes Büro für zwei und mehr Mitarbeiter gibt es ab monatlich 1420 Euro. Im Mietpreis inklusive: Möbel, schnelles Internet, 24-Stunden-Zugang, Drucker, Wasser und frisch gerösteter Kaffee.

Der Immobiliendienstleister JLL hat im November 2017 für Hamburg untersucht, wann sich der Umzug in ein Gemeinschaftsbüro für Unternehmen wirtschaftlich lohnt. Wer für zehn Mitarbeiter ein Büro sucht, fährt demnach in den ersten drei Jahren bei einem Coworking-Anbieter günstiger, als wenn er die Mitarbeiter im eigenen Büro unterbringt. Danach dreht sich die Rechnung um. Ein Plus hat die Arbeit im Coworking Space in jedem Fall: Die Verträge sind überaus flexibel, lassen sich schnell abschließen und wieder kündigen. Unternehmen können so unkompliziert Räume für Projekt-Teams anmieten, ohne langfristige Verpflichtungen einzugehen.

Viele Coworking-Anbieter wittern ihr Alleinstellungsmerkmal aber nicht im günstigen Preis, sondern in der „Community“, die während der Arbeit entstehen soll. Mindspace etwa veranstaltet für seine Nutzer regelmäßig Events, von Kochabenden bis hin zu Java-Schulungen. Das Ziel: Aus Arbeitskollegen sollen Freunde werden. Arbeit soll keine Last, sondern Leidenschaft sein. „We love what we do“, heißt dementsprechend der Slogan von Wework.

Für Anbieter, die dieses Motto leben, dürfte das Ergebnis der Colliers-Umfrage ernüchternd sein. Zumindest in Deutschland ist die Zahlungsbereitschaft für Community-Extras, wie sie Mindspace und andere Coworking-Dienstleister anbieten, nämlich nicht sonderlich hoch. 34 Prozent der Befragten gaben an, für einen Coworking-Arbeitsplatz nicht mehr zahlen zu wollen als für ein herkömmliches Büro. Weitere 42 Prozent sind lediglich bereit, einen Aufschlag von bis zu zehn Prozent zu zahlen. Das Netzwerk scheint für die Mehrheit also keinen Mehrwert darzustellen.