Capital erklärtWe Work: Aufstieg und Fall des Büroraumriesens

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We Work: Der Ruf des Unternehmens hat stark gelittenBild von SnoockyCookie auf Pixabay


In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: We Work – mit Caspar Tobias Schlenk, der sich bei Capital mit Start-ups befasst. Er ist außerdem Redakteur von Finance Forward, dem Magazin für die neue Finanzwelt


Kannst du zu Beginn einmal das Prinzip von We Work erklären und etwas zur Geschichte des Start-ups erzählen?

Gegründet wurde We Work bereits 2010 in New York. Beachtlich ist das schnelle Wachstum des Start-ups, denn schon vier Jahre später war das Unternehmen laut Forbes-Berichten einer der größten Mieter von Bürogebäuden in New York. Das Grundprinzip von We Work ist es, Büroflächen in Metropolen langfristig anzumieten und dann kurzfristig an Unternehmen zu vermieten.

Im Grunde handelt es sich um einen Anbieter von Coworking Spaces?

Schon – aber We Work verkauft sich als hipper Bürovermieter mit kostenlosem Kaffee, Bierflatrate und einem globalen Netzwerk. Viele Beobachter sagen allerdings, dass dieses Netzwerk kaum jemand nutzt. Vor allem große Firmen wie Microsoft mieten sich bei We Work ein. Sie müssen sich dabei nicht um die Möbel, Putzservice und Internet kümmern – dafür zahlen sie auch einen hohen Preis.

Geplatzter Börsengang als Wendepunkt

Nun gab es in der letzten Zeit viel Trubel um We Work. Ohne die Finanzspritze des japanischen Softbank-Konzern von Masayoshi Son wäre We Work laut Medienberichten schon das Geld ausgegangen. 4000 Stellen sollen gestrichen werden. Was ist da los?

Der große Wendepunkt war der anstehende Börsengang. We Work musste dafür einen Börsenprospekt veröffentlichen, der zeigte, wie viel Geld das Start-up mit seiner schnellen Expansion verbrannt hat und wie hoch die Verluste sind. Den Börsengang musste das Unternehmen daraufhin absagen, der Wert stürzte von 47 Mrd. Dollar auf knapp 8 Mrd. Dollar ab.

Infographic: WeWork Delays IPO After Steep Losses | Statista You will find more infographics at Statista

We-Work-CEO Adam Neumann wurde entmachtet. Der exzentrische Gründer soll Drogen konsumiert und Frauen diskriminiert haben. Fällt der Crash des Unternehmens auch auf ihn zurück?

Neumann hat sich einige Fehltritte geleistet. Abgesehen von den erwähnten Vorwürfen verkaufte er beispielsweise die Marke We, die im selber gehörte, für mehrere Millionen an seine eigene Firma. Nach viel Kritik zahlte er das Geld zurück. Die Investoren müssen viel von dem mitbekommen haben, was jetzt bekannt wird. Vor allem der große Investor Softbank, der einige Milliarden in das Unternehmen gesteckt hat. Aber die Geldgeber haben offenbar ein Auge zugedrückt. Auch weil es so einen großen Hype um die Firma gab.

Warnschuss für Geldgeber

Ist eine Pleite von We Work Deiner Einschätzung nach realistisch?

Erst einmal nicht. Softbank hat noch einmal Geld nachgeschossen und hält jetzt die Mehrheit an dem Unternehmen. In den kommenden Monaten muss die neue Führung den Laden umkrempeln und zeigen, dass sich mit We Work Gewinne machen lassen.

Welche Auswirkungen auf die Start-up/Tech-Branche können wir insgesamt erwarten?

In erster Linie war das We-Work-Desaster ein Warnschuss für viele Geldgeber. Sie schauen jetzt bei den Unternehmen genauer hin und hinterfragen, ob die hohen Unternehmensbewertungen gerechtfertigt sind.  Momentan gibt es viele Investoren mit großen Geldtöpfen. Und das Geld muss investiert werden. Gleichzeitig gibt es nicht genügend vielversprechende Start-ups, das führt zu einer guten Verhandlungsposition für die Gründer – und manchmal zu unüberlegten Investments. Eine grundlegende Veränderung beobachten Szenekenner aber nicht. Das Geld ist ja weiterhin vorhanden. Auch Softbank arbeitet gerade an seinem nächsten Mega-Fonds mit etwa 100 Mrd. Dollar.