BörsengangWarum in We Work viel heiße Luft steckt

Ein Schild weist auf einen We-Work-Co-Working-Space in New York hin
Ein Schild weist auf einen We-Work-Co-Working-Space in New York hindpa

We Work verfügt über eine perfekte Mischung aus aggressivem Ehrgeiz und glitschiger Aufrichtigkeit, die erforderlich ist, um sich die Krone bei den Börsengängen von Tech-Start-ups in diesem Jahr aufsetzen zu können. Wie zuvor Uber und Lyft ist der Bürovermieter in weniger als einem Jahrzehnt zu einer globalen Marke aufgestiegen. Von einer einzelnen vermieteten Büroetage in New York hat sich We Work in ein mit 47 Mrd. Dollar bewertetes globales Unternehmen verwandelt, das für helle und schöne Büroräume steht. Wie bei Uber und Lyft vermag aber niemand mit Sicherheit zu sagen, ob das Geschäftsmodell tatsächlich funktioniert.

Tatsächlich handelt es sich bei We Work um eine konventionelle Immobiliengesellschaft, die schick gewandet als Tech-Unternehmen daherkommt. Zum Beweis schaue man sich den Börsenprospekt an, der etwa doppelt so lang ist, wie er sein müsste – mit Fotos von fröhlich aussehenden Menschen und We Works Postulat, das Bewusstsein der Welt auf eine neue Stufe zu heben. Oder man nehme die Behauptung des Unternehmens, sein Markt verfüge über ein Potenzial von 3 Billionen Dollar.

Das ist genau die Art von überspanntem Selbstbewusstsein, die Lyft zu der Behauptung veranlasste, dass es Teil einer der größten gesellschaftlichen Veränderungen seit der Erfindung des Autos sei. Und Uber wagte die Aussage, dass es bald fliegende Taxis geben werde und deutete an, der Markt sei 12 Billionen Dollar schwer – einschließlich des Geldes, dass Kunden in Restaurants ausgeben.

We Work schreibt hohe Verluste

Hype gehört zu den magischen Eigenschaften der Tech-Industrie. Warum wenig versprechen, wenn der finanzielle Erfolg der besten Wetten so außergewöhnlich hoch war? Teslas Vorhersagen über Robotertaxis haben den zusätzlichen Vorteil, dass die Prognosen für fahrerlose Autos realisierbar erscheinen. Der gewaltige von Uber ins Visier genommene Markt lässt die Bewertung des Unternehmens vernünftiger erscheinen. Vieles hängt mit dem Umstand zusammen, dass die Aktien von Lyft und Uber unter dem Preis ihrer Erstnotiz gehandelt werden. Und weniger damit, dass zwei verlustreiche Unternehmen ohne klaren Weg zum Erreichen der Gewinnschwelle immer noch mit 16 Mrd. bzw. 59 Mrd. Dollar bewertet werden.

Wahre Gläubige gibt es aber nicht nur bei Start-ups. Auf einer Amazon-Konferenz Anfang des Jahres saß ich neben einem Mann, dessen Visitenkarte mir sagte, dass er Chefevangelist von Amazon Web Services sei. Großartigkeit ist sinnvoll in einer Branche, die schon vor einer Produkteinführung um Aufmerksamkeit und Geld buhlen muss.

Das Problem von We Work ist, dass die auffälligeren Teile der Unternehmensgeschichte kaum von den alarmierenden Aspekten des Geschäfts ablenken können. Dazu zählen ein Nettoverlust von fast 2 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr und sinkende Einnahmen pro Mitgliedschaft.

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Gründer Adam Neumann und seine Frau Rebekah haben erklärt, dass sie sich in zehn Jahren von 1 Mrd. Dollar trennen werden. Wenn sie das nicht machen, riskieren sie, dass Neumanns Aktien mit besonderen Stimmrechten gegen Anteilsscheine mit weniger Stimmrechten eingetauscht werden. Das Versprechen wurde in den Börsenprospekt aufgenommen, als ob es den Betrieb der Gesellschaft beeinträchtigen würde. Tatsächlich hat es nichts damit zu tun, wie We Work – oder die Muttergesellschaft The We Company – operieren wird. Die offenherzige Großzügigkeit steht im Widerspruch zu dem festen Griff des Gründers, der sein Stimmrecht im Unternehmen unbedingt behalten will.