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Immobilien Vorrang für Altbauten: Neue Förderregeln für die Gebäudesanierung

Ein älteres Mehrfamilienhaus ist eingerüstet, es bekommt eine Wärmedämmung und neue Fenster
Energetische Sanierung von Wohnhäusern: Die neuen Förderrichtlinien zielen vor allem auf ältere Gebäude ab
© IMAGO / Jochen Tack
Die Regierung ändert erneut die Zuschüsse für die Energiesanierung: Künftig sollen vermehrt Bestandsgebäude bezuschusst werden. Für Neubauten gibt es kaum noch Geld. Insgesamt steigt das Fördervolumen deutlich - dafür sinken aber die Zuschüsse für jeden einzelnen Umrüster
Im Wortlaut des Regierungsentwurfs spielt der Gebäudebereich zwar nur die zweite Geige. Aber unterm Strich gibt er beim neuen Klima- und Transformationsfonds (KTF) klar den Ton an – noch vor dem Wegfall der EEG-Umlage, der dort an erster Stelle steht: Insgesamt rund 35 Mrd. Euro macht die Bundesregierung mit dem Klimafonds locker, um „auch die Sanierung von Gebäuden“ zu fördern, wie sie selber sagt. Dabei soll über die Hälfte der Gesamtsumme künftig in die Verbesserung des Immobilienbestands fließen. Insgesamt 16,7 Mrd. Euro nämlich in 2023, bis 2026 werden es sogar rund 56 Mrd. Euro sein.
Mit einer viel größeren Summe als bisher also soll das Dämmen, Fensteraustauschen und der Heizungskauf künftig bezuschusst werden. 2021 flossen nur rund 8 Milliarden Fördergelder in die energetische Haussanierung, bis Ende Juli diesen Jahres waren es immerhin schon 9,6 Mrd. Euro. Das Wirtschaftsministerium veröffentlichte den Regierungsentwurf zum Klimafonds am Mittwoch und ab sofort, also ab dem 28. Juli, treten die Neuregelungen in Kraft.

Weniger Geld für den Neubau

Die größte Veränderung zu vorhergehenden Plänen ist dabei: Der Neubau erhält künftig deutlich weniger Zuschüsse für den Einsatz energiesparender Maßnahmen oder Heizungstechniken. Hier ist nur noch eine Fördersumme von 1 Mrd. Euro vorgesehen. Sie soll auch vorrangig über zinsgünstige KfW-Kredite fließen und weniger über üppige Tilgungsszuschüsse. Das dürfte für den Staat auch besser finanzierbar sein, denn die „günstigen Kredite“ kosten die Hausbauer aktuell immerhin rund 2,34 Prozent Sollzinsen bei 20 Jahren Laufzeit. Ganz so preiswert sind die KfW-Darlehen also nicht.
Dafür ist es recht einleuchtend, wenn künftig weniger Förderung in den Neubau fließt. Denn durch neue Baumaterialien und Techniken sind neu errichtete Immobilien ohnehin bereits auf einem energetisch sehr guten Level. Hier erreichte der Staat zuletzt mit hohem Förderaufwand lediglich eine weitere Verbesserung im kaum messbaren Bereich.

Aber üppigere Zuschüsse für ältere Häuser

Dagegen steckt das viel größere Potenzial im Bestand, so sagen Effizienzexperten schon seit Langem: Werden also vorzugsweise ältere Immobilien energetisch umgerüstet, ließe sich mit der gleichen Fördersumme eine Energieeinsparung erreichen, die rund 4,5 mal so hoch ist wie bei Neubauten, bei denen sich die Verbesserung zwischen den jüngsten Baujahren kaum noch bemerkbar machen. Es geht also vorrangig darum, die vielen Häuser aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren so auf Vordermann zu bringen, dass weniger Wärme durch Wände und Dächer entweicht – und dass Millionen alte Öl- und Gasheizungen endlich ausgetauscht werden.
In rund jedem zweiten Haushalt stehen längst veraltete Verbrennerkessel, die laut Statistik älter als 15 Jahre alt sind und damit technisch als überholt gelten. Weil sie schlechte Wirkungsgrade haben und dadurch viel mehr Energie nutzlos verpulvern als sie sinnvoll zu nutzen. Insgesamt fällt jedes vierte Einfamilienhaus hierzulande in eine der beiden schlechtesten Energieklassen G oder H. Weitere knapp 40 Prozent zählen zur Klasse F, die ebenfalls sehr mau ist. Von daher pumpt die Bundesregierung ihre Fördergelder nun folgerichtig besonders in diese älteren Gebäude, und sagt selbst: „Zum Beispiel konzentrieren wir uns auf die Sanierung von Gebäuden und setzen Mittel so ein, dass mit ihnen mehr erreicht werden kann.“

Die Einzelbeträge sinken

Dafür allerdings sinken auch die Fördersummen, die demnächst für Einzelmaßnahmen oder Komplettsanierungen fließen. So soll jeder Energiesanierer künftig etwas weniger üppige Zuschüsse erhalten – dafür aber sollen insgesamt mehr Umbauwillige in den Genuss von Fördergeldern kommen, so der Plan. Im Detail beziffert das Ministerium: Wer sich eine Wärmepumpe anschafft, kann nicht mehr mit bis zu 30.000 Euro staatlichen Zuschüssen rechnen wie bisher, sondern nur noch mit rund 24.000 Euro. Für den Fensteraustausch werden dann nicht mehr rund 15.000 Euro fließen, sondern nur noch 12.000 Euro. Für Gasheizungen wird es gar keine Förderung mehr geben.
Das ist natürlich eine schlechte Nachricht für all jene, die sich erst jetzt zum Energiesanieren durchringen und noch keine Förderanträge gestellt haben. (Für bereits eingereichte Anträge müssten nach bisherigen Gepflogenheiten noch die alten Regelungen gelten.) Denn die Preise am Bau sind in den vergangenen Monaten geradezu explodiert. Und angesichts der Lieferengpässe, des Fachkräftemangels und der hohen Inflation steigen sie unaufhörlich weiter. Von daher werden Sanierer künftig prozentual und absolut weitaus weniger dafür entschädigt, dass sie ihre Immobilien zu Energiesparhäusern machen.
Man muss allerdings auch sagen: Zuletzt nutzten die Hersteller die hohen staatlichen Fördergelder auch weidlich aus, um ihre Preise anzuheben. So zumindest berichten es Fachleute aus dem Heizungs- und Wärmepumpenhandwerk selbst, nach dem Motto: Wenn es 30.000 Euro Zuschuss für eine Wärmepumpe gibt, dann können wir ja statt 35.000 Euro auch 45.000 Euro dafür verlangen, der Kunde zahlt ja trotzdem fast nichts dafür. Oder zumindest nicht mehr als bisher für seinen Gas-Brennwertkessel. Wie sich die Preise bei den besonders gefragten Technologien demnächst entwickeln werden – bei denen die Nachfrage aktuell das Angebot um ein Vielfaches übersteigt – wird angesichts der neuen Förderprogramme jetzt die nächste spannende Frage sein.

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