InterviewVonovia-CEO Rolf Buch: „Wir nehmen unsere Mieter nicht aus“

Vonovia-Chef Rolf Buch
Vonovia-Chef Rolf BuchFrederike Wetzels


Rolf Buch, 54, ist seit sechs Jahren Vorstandschef des Wohnungskonzerns Vonovia. Er hat Maschinenbau und BWL in Aachen studiert und betont seinen Ingenieurshintergrund gerne. Karriere hat er beim Medienkonzern Bertelsmann gemacht, wo er als Chef der Dienstleistungstochter Arvato auch im Vorstand saß.


Capital: Herr Buch, einige Politiker diskutieren gerade eifrig die Enteignung großer Wohnungskonzerne. Müssten Sie nicht froh sein, wenn Ihnen der Staat die 400.000 Vonovia-Wohnungen zu den aktuellen Preisen abnehmen würde?

ROLF BUCH: Nein, über einen Zwangsverkauf wäre ich nicht froh. Wir sind mit unseren Wohnungen ganz zufrieden und möchten sie langfristig behalten.

Aber einen besseren Preis bekommen Sie kaum.

Unser gesamtes Portfolio ist 44 Mrd. Euro wert. Abzüglich der Schulden müsste eine Kommune oder ein Land immer noch einige Milliarden aufbringen, um unseren Marktpreis zu zahlen. Das ist doch absurd. Im Übrigen sind wir ein öffentliches Unternehmen, man kann unsere Aktien an der Börse kaufen und mit einer Mehrheit unsere Geschäftspolitik bestimmen. Dafür braucht es keine Enteignung. Ich glaube zudem nicht, dass damit die aktuellen Probleme gelöst werden.

Wie konnte es so weit kommen, dass wir wieder über Enteignung und Verstaatlichung diskutieren?

Wenn wir ehrlich sind, haben wir alle die Entwicklung in Deutschland falsch eingeschätzt. Vor 15 Jahren haben wir gedacht: Ab jetzt werden wir schrumpfen, die Städte werden irgendwann leer sein, wir brauchen weniger Wohnraum. Diesen langen Wirtschaftsaufschwung, den Zustrom in die Städte und aus anderen EU-Staaten, dann die Flüchtlinge – all das hat niemand für möglich gehalten. Und dann brauchen wir auch noch viel zu lange, um zu reagieren. Es ist schlimm, aber wir alle haben die Entwicklung verpennt.

Umsatz, Gewinn, Dividende – jedes Jahr legen Sie für Vonovia neue Rekordzahlen vor. Kann es sein, dass ein börsennotierter Konzern doch nicht der richtige Anbieter für bezahlbaren Wohnraum ist?

Ja, wir haben gute Zahlen. Aber bei den Problemen, vor denen wir stehen, sollten alle froh sein, wenn wir gesunde Unternehmen haben, die helfen können.

Das sehen Politiker wie Kevin Kühnert und Robert Habeck anders.

Die beiden könnten sich auch freuen, dass große Investoren aus dem Ausland bereit sind, mit ihrem Geld Wohnungen – nicht nur luxuriöse, sondern auch bezahlbare – in Deutschland zu bauen. Wir müssen in den nächsten zehn Jahren 800 Mrd. Euro investieren, um alle Ziele für den Wohnungsmarkt – energetische Sanierung, altersgerechte Bauten und Integration – zu erreichen. Woher soll dieses Geld kommen? Zusätzliche 80 Mrd. Euro pro Jahr gibt kein Staatshaushalt her. Wir brauchen auch andere Geldquellen.

Was kann Vonovia denn besser als andere Anbieter?

Wir sind mit einer durchschnittlichen Miete von 6,56 Euro pro Quadratmeter günstiger als viele andere Vermieter. Wir akzeptieren den Mietspiegel und halten uns an die Mietpreisbremse. Wenn unsere Zahlen besser werden, liegt das vor allem an unserer Größe: Je größer wir sind, desto günstiger können wie jede unserer Wohnungen bewirtschaften. Zum Beispiel bei Sanierungen: Kaum jemand in Deutschland kann so billig Fenster einkaufen wie wir.