HauskaufOst-West-Gefälle auf dem Immobilienmarkt

Baustelle eines Einfamilienhauses
Baustelle eines Einfamilienhauses: Bei der Finanzierung gibt es regionale Unterschiededpa

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Berliner Mauer sind die Unterschiede zwischen Ost und West noch immer spürbar – auch auf dem Immobilienmarkt. Das geht aus einer Untersuchung des Finanzierungsvermittlers Dr. Klein hervor, der mehr als 74.000 Erstfinanzierungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 19 Mrd. Euro analysiert hat. Demnach zeigt sich das Ost-West-Gefälle besonders bei der Höhe der Kredite, die Immobilienkäufer und Hausbauer aufnehmen: Westdeutsche verschulden sich wesentlich stärker, um ihre Immobilie zu finanzieren. Im Osten Deutschlands liegt die Kreditsumme im Schnitt bei 228.000 Euro, im Westen sind es 266.000 Euro. Auffällig: Auch wenn die Finanzierungssumme geringer ist, ist der Anteil der Hausbauer im Osten deutlich höher als im Westen. Im Osten liegt die Bauherren-Quote flächendeckend bei über 25 Prozent, in allen westlichen Bundesländern deutlich darunter.

Die Unterschiede zwischen Ost und West lassen sich mit einem Blick in die Geschichte erklären. Zu DDR-Zeiten war es für die Bewohner extrem schwierig, eine Finanzierung für den Hausbau zu erhalten. Noch immer gibt es im Osten deshalb deutlich weniger Bestandsimmobilien als in den alten Bundesländern. „Wer sich dort heute für Wohneigentum interessiert, muss deshalb mangels Alternativen oft selbst bauen“, sagt Gerda-Maria Kliche, Expertin für Baufinanzierung bei Dr. Klein.

Immobilienpreise im Osten sinken teilweise

Die unterschiedlichen Finanzierungssummen dagegen haben weniger mit einem Ost-West- als vielmehr mit einem Stadt-Land-Gefälle zu tun. Während die Immobilienpreise in und um Metropolen wie München, Hamburg oder Frankfurt am Main in den vergangenen zehn Jahren drastisch gestiegen sind, stagnieren sie in vielen ländlichen Regionen. In Ostdeutschland, wo die Bevölkerungsdichte deutlich geringer ist als im Westen, sind sie teilweise sogar gefallen. Entsprechend brauchen Käufer oder Hausbauer dort auch weniger Geld, um sich ihren Traum vom Eigenheim zu erfüllen.

Beim Alter der Käufer und Hausbauer zeigt die Studie ebenfalls deutliche regionale Unterschiede. Waren die Immobilienerwerber in Berlin und Hamburg 2017 im Schnitt 42 Jahre alt, sind sie in Sachsen-Anhalt fast vier Jahre jünger. Diese Diskrepanz dürfte sich ebenfalls mit dem Stadt-Land-Gefälle erklären lassen: Weil Immobilien in Großstädten deutlich teurer sind, müssen Hausbauer oder Käufer tendenziell mehr Eigenkapital aufbringen, um ihr Haus zu finanzieren. Bis das zusätzliche Geld angespart ist, können leicht ein paar Jahre vergehen.

Einig sind sich die Deutschen bei der Nutzung ihrer Immobilie. Die Daten von Dr. Klein zeigen, dass Hausbesitzer in allen Bundesländern ihre eigenen vier Wände überwiegend selbst nutzen. Nur eine von fünf Immobilien ist voll vermietet. Auch bei Art und Dauer der Finanzierung stimmen die Deutschen weitgehend überein. Sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern wählen Immobilienkäufer im Schnitt Zinsbindungen von 13 Jahren, wie aus einer aktuellen Interhyp-Analyse hervorgeht. In Ost wie West wird dabei im Schnitt mit anfänglich drei Prozent getilgt. Der Wunsch nach einer Immobilie ist ebenfalls in allen Regionen gleichermaßen groß: 74 Prozent der Deutschen träumen vom Eigenheim.