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Immobilien Ist da Skonto drin? So handeln Bauherren einen Preisnachlass heraus

Zimmermänner auf einem Dachstock
Wohnhaus im Rohbau: Nach der Zinswende ist der Bau eines Hauses noch teurer geworden
© IMAGO / Sven Simon
Skonto-Vereinbarungen sind besonders im B2B-Geschäft üblich. Viele Unternehmen gewähren aber auch privaten Bauherren den zeitbedingten Preisnachlass – wenn diese geschickt verhandeln.

Ein Hausbau ist wahrlich ein teures Unterfangen – das gilt seit der Zinswende mehr denn je. Das macht gutes Kostenmanagement unabdinglich. Gleichzeitig sollten Bauherren nicht an den falschen Stellen sparen. Ein risikoloses Verfahren, um die finanzielle Belastung zu senken, ist der sogenannte Skonto. Das ist ein prozentualer Preisnachlass auf den Kaufpreis. Im Gegensatz zu einem Rabatt ist ein Skonto nicht mengen-, sondern zeitgebunden: Nur wenn Verbraucher innerhalb eines bestimmten Zeitraums zahlen, sinkt der Rechnungsbetrag. Für Kunden sind Skonti eine attraktive Option, um Geld zu sparen. Für Unternehmen sind sie ein gutes Mittel, die eigene Liquidität zu stärken.

Skonti sind normalerweise besonders im Business-to-Business-Bereich (B2B) beliebt. Aber auch Privatkunden können von den Preisnachlassen profitieren. Die Voraussetzung dafür: gutes Verhandlungsgeschick. „Bei Skonti handelt es sich um reine Verhandlungserfolge“, sagt Rechtsanwalt Holger Freitag, Vertrauensanwalt des Verbands Privater Bauherren (VPB). „Ihre Verbreitung hängt von der Marktlage und dem Zinsumfeld ab.“ Ein Überangebot an Bauleistungen und hohe Zinsen seien typische Treiber solcher Abreden. Zumindest Letzteres ist aktuell der Fall, ein guter Anlass also, um mal beim eigenen Bauunternehmer nachzuhaken, ob ein Nachlass drin ist.

Normalerweise müssen Bauherren den Werklohn ihrer Handwerker zahlen, wenn sie deren Leistung abgenommen haben und eine prüffähige Schlussrechnung vorliegt, erklärt Freitag. Liegen keine Mängel vor, ist der Werklohn – wenn nicht anders vereinbart – ohne Abzug zu zahlen. Auf Rechnungen ohne Skonto findet sich dementsprechend häufig ein Passus wie „Zahlbar innerhalb von vierzehn Tagen ohne Abzug“. Wird ein Skonto gewährt, steht stattdessen: „Zahlbar binnen 14 Tagen netto ohne Abzug. Bei einer Zahlung innerhalb von fünf Tagen gewähren wir 2 Prozent Skonto.“

Beispielrechnung für implizite Kosten

Grundsätzlich gilt: Es gibt keine gesetzliche Skonto-Regelung und dementsprechend auch kein Recht auf den Preisnachlass. Verkäufer können selbst entscheiden, ob und wenn ja, wie viel Skonto sie für welchen Zeitraum gewähren. Üblich sei laut Freitag ein Abschlag zwischen zwei und fünf Prozent vom Rechnungsbetrag. Der Nachlass kann auch gestaffelt werden: Dann gibt es beispielsweise fünf Prozent für Sofortzahler und drei Prozent auf Zahlungen innerhalb der ersten zehn Tage. Die Frist beginnt in der Regel mit Rechnungseingang – falls nicht anders vereinbart.

Eine Skontofrist ungenutzt verstreichen zu lassen, kann ganz schön teuer werden. Zwar fallen keine tatsächlichen Kosten an, doch den entgangenen Nutzen bezeichnet man in der Betriebswirtschaftslehre als Opportunitätskosten. Das verdeutlicht eine Beispielrechnung: Das Zahlungsziel, das Lieferanten ihren Kunden einräumen – etwa 30 Tage – entspricht streng genommen einem Lieferantenkredit. Ein vereinbarter Skonto von drei Prozent bei Zahlung innerhalb von zehn Tagen kann als Zinssatz für diesen Kredit interpretiert werden. Wer nun das eingeräumte Zahlungsziel voll ausnutzt und für 20 Tage weiteren Lieferantenkredit auf drei Prozent Skonto verzichtet, bezahlt seinem Lieferanten implizit einen Zins. Aufs Jahr hochgerechnet bedeutet das für unser Beispiel einen jährlichen Zinssatz von rund 55 Prozent ((Skontosatz = 3 Prozent × 365 Tage) / (30 Tage – 10 Tage)).

Skontovereinbarung schriftlich festhalten

Wer seinen Vertragspartner auf einen Skonto festnageln konnte, sollte das unbedingt schriftlich festhalten. Zwar unterliegen Handwerkerverträge keinem Formzwang, wie Anwalt Freitag erklärt. Allerdings besteht mangels Fixierung die Gefahr, dass man sich später über entscheidende Details wie die Skontofrist nicht mehr einig ist. Andere Verträge wie ein Verbraucherbauvertrag, der beim Bau eines neuen Gebäudes oder bei größeren Umbauten geschlossen wird, unterliegen sowieso mindestens der Textform.

Im Vertrag selbst sollten dann alle Detailfragen geklärt sein: Auf welchem Konto soll das Geld landen, ab wann läuft die Zahlungsfrist et cetera. Außerdem sollten die Vertragsparteien vereinbaren, wann die Zahlung als geleistet gilt, rät Freitag. Sonst kann es strittig werden, wenn ein Bauherr die Zahlung zur Skontofälligkeit begleicht, diese aber wegen der Bearbeitungszeit der Bank erst am Tag danach auf dem Konto des Bauunternehmers landet.

Ein Sonderfall sind Teilzahlungen. Hier ist der Rechnungsbetrag in mehrere Zahlungsziele aufgeteilt. Sofern nicht anders vereinbart, müssen Kunden jede Teilrechnung innerhalb der jeweiligen Zahlungsfrist begleichen. Geraten sie bei einer einzigen Teilzahlung in Verzug, heißt das aber nicht, dass der gesamte Skontoabzug erlischt. Er besteht für jede Teilrechnung weiter, erklärt Rechtsanwalt Freitag. Allerdings können Vertragspartner Klauseln einbauen, wodurch der Skontoabzug verfällt, sollten Verbraucher eine Teilrechnung zu spät begleichen. In jedem Fall gilt: Die Konditionen müssen schriftlich festgehalten werden.

Abwiegen beim Sonderfall Mängel

Spannend wird es beim Thema Mängel. Bauherren haben nämlich das Recht, den Werklohn des Bauunternehmers einzubehalten – und zwar in zweifacher Höhe der Beseitigungskosten durch ein Drittunternehmen. Der Vertrag sollte deshalb beinhalten, ob der Skonto auch dann greift, wenn ein Teil der Rechnung wegen Mängeln unbezahlt bleibt. „Ohne solche Klarstellungen ist eine vollständige Zahlung grundsätzlich Voraussetzung für eine Skontoberechtigung“, sagt Anwalt Freitag. Das kann für Kunden Nachteile haben: Wer die volle Rechnung bezahlt hat, verliert sein Druckmittel gegenüber dem Betrieb. Dann kann es schwieriger sein, Nachbesserungen erfolgreich einzufordern.

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