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Hausbau Wie der Einbruch am Immobilienmarkt Baufinanzierer und Banken trifft

Eine Baustelle eines Einfamilienhauses in Pforzen im Unterallgäu
Die Baufinanzierung wird für Vermittler und Banken zur Baustelle, denn immer weniger Menschen schließen Hauskredite ab
© IMAGO / MiS
Die Geschäfte mit der Baufinanzierung laufen schlechter, weil die Menschen vorsichtiger werden und weniger Hauskredite abschließen. Den Finanzierungsvermittlern brechen deshalb Umsätze weg. Auch Banken und Sparkassen klagen

Wegen der schlechten Wirtschaftsaussichten werden potentielle Häuslebauerinnen und -bauer in Deutschland vorsichtiger. Zu spüren bekommen das nun Baufinanzierer und Banken, die wegen der geringeren Nachfrage auf ihren Krediten sitzen bleiben.

Besonders betroffen vom Einbruch am Immobilienmarkt ist der Finanzdienstleister Hypoport. Dessen Neukundengeschäft brach zuletzt massiv ein: Bei der Kreditplattform Europace, die zu Hypoport gehört, ging das Transaktionsvolumen im dritten Quartal um 18 Prozent auf knapp 20 Mrd. Euro zurück. Als Hauptgrund nennt Hypoport die gesunkene Zahl an Neuabschlüssen von Immobilienfinanzierungen.

Hypoport ist im SDax gelistet und hat seinen Sitz in Lübeck. Zu dem Konzern gehört auch die Dr. Klein Privatkunden AG, die ebenfalls Immobilienfinanzierungen und Konsumentenkredite für Verbraucherinnen und Verbraucher anbietet. Auch dort läuft das Geschäft schlechter: Im Sommerquartal vermittelte Dr. Klein noch Kredite mit einem Volumen von insgesamt 7,8 Mrd. Euro, was einem Rückgang um 23 Prozent entspricht.

Hypoport-Aktie: Einbruch um 82 Prozent

Die Nachfrage nach Immobilien-Krediten sei sowohl bei Privatkunden als auch bei Profis sehr schwach, hieß es von Hypoport. Der Konzern hatte seine Prognose für das laufende Jahr wegen des Abwärtstrends bereits im September korrigieren müssen – und seine Jahresziele ausgesetzt. Anvisiert war ursprünglich ein Umsatz zwischen 500 und 540 Mio. Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 51 bis 58 Mio. Euro.

Nachdem Hypoport die Zahlen kassiert hatte, brach die Aktie zeitweise um 39 Prozent ein. Noch krasser zeigt sich jedoch der Absturz auf Jahressicht: Um ganze 82 Prozent ging es seit Mitte Oktober 2021 abwärts. Damals kostete ein Anteilsschein von Hypoport 479,20 Euro, inzwischen sind es nur noch 87,90 Euro pro Aktie.

„Eine derartige Entschleunigung hat der deutsche Wohnimmobilienmarkt in den letzten 25 Jahren noch nicht erlebt“, sagte Hypoport-Chef Ronald Slabke der Nachrichtenagentur Reuters. Die Preisvorstellungen zwischen Käuferinnen und Verkäufern unterscheiden sich seit den vergangenen Wochen derart stark, dass es häufig nicht zum Vertragsabschluss kommt. Immobilien sind deshalb teilweise wieder deutlich länger am Markt als zu Hochzeiten des Immobilienbooms.

Als Gründe für die Vorsicht potentieller Käufer nennt Slabke die hohe Inflation, steigende Zinsen, Rezessionsängste und die Hoffnung auf fallende Häuser- und Bodenpreise. Analysten prognostizierten zuletzt auch bei anderen Baufinanzierern und -vermittlern einen Rückgang.

Sorgen macht diese Entwicklung nicht nur den Baufinanzierierungsvermittlern selbst, sondern vor allem den Banken und Sparkassen. Sie stellen die Immobilienkredite und bleiben nun auf ihnen sitzen. „Die Nachfrage ist von einem Tag auf den anderen eingebrochen, viele Projekte im Planungsstadium werden storniert“, sagte Sparkassen-Chef Helmut Schleweis dem Handelsblatt. Die Sparkassen sind in Deutschland Marktführer bei Baufinanzierungen.

Und die Aussichten werden nicht besser: Schleweis geht davon aus, dass die Zahlen im September und Oktober bei der klassischen Baufinanzierung noch schlechter sein werden. Dafür könnte zwar das Geschäft mit Krediten für energetische Sanierungen künftig besser laufen, aber die Sache hat einen Haken. „Das durchschnittliche Darlehensvolumen dabei beträgt allerdings rund 40.000 Euro – und ist damit deutlich geringer als beim Immobilienkauf, wo es im Schnitt zuletzt um rund 400.000 Euro ging“, so Schleweis.

Im Gegensatz zu den Sparkassen stand das Finanzierungsgeschäft der Direktbanken wie ING und Commerzbank zuletzt besser da. Das könnte laut Schleweis auch daran liegen, dass Sparkassen oftmals auch Kunden mit niedrigerem Einkommen haben, die von Krisen früher betroffen sind als Menschen mit mittlerem und hohem Vermögen.

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