HeizkostenDas bedeutet die neue CO2-Abgabe für Mieter und Vermieter

Wer mit konventionellen Rohstoffen heizt, muss ab dem Jahreswechsel mit höheren Heizkosten rechnen. Grund ist die CO2-Abgabe
Wer mit konventionellen Rohstoffen heizt, muss ab dem Jahreswechsel mit höheren Heizkosten rechnenimago images / Panthermedia

Um ihre Klimaziele zu erreichen, hat die Bundesregierung eine neue Abgabe ins Leben gerufen. Seit Januar müssen Unternehmen pro verursachter Tonne CO2 eine Steuer in Höhe von 25 Euro zahlen. Das soll fossile Brennstoffe weniger attraktiv machen und den Umstieg auf klimafreundliche Technologien fördern. Klimaschützer freut’s. Die Steuer trifft allerdings auch Mieter und Hauseigentümer, die mit konventionellen Rohstoffen heizen.

Laut Berechnungen der deutschen Emissionshandelsstelle verteuert sich Heizöl im ersten Jahr nach Einführung der neuen Steuer um 8 Cent pro Liter. Wer seine Heizung mit Erdgas betreibt, muss mit einem Aufschlag von 0,6 Cent pro Kilowattstunde rechnen – und das ist erst der Anfang. In den kommenden Jahren soll die CO2-Abgabe nämlich schrittweise steigen, bis sie 2025 einen Wert von 55 Euro pro Tonne erreicht. Damit dürften auch die Heizkosten kräftig anziehen.

Mieter haben in aller Regel keinen Einfluss auf die Wahl der Heizung. Ob der Ölbrenner ausgetauscht wird, entscheidet der Eigentümer. Nach aktueller Rechtsprechung dürfen Vermieter die Zusatzkosten aus der CO2-Abgabe trotzdem komplett auf die Mieter abwälzen.

Die Mehrbelastung kann beachtlich ausfallen: Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung in einem schlecht sanierten Mehrfamilienhaus mit Ölheizung zahlen Mieter nach Berechnungen des Beratungsunternehmens CO2-Online durch die Abgabe im Schnitt etwa 125 Euro mehr pro Jahr. Für Bewohner einer gleichgroßen Wohnung in einem gut sanierten Haus mit Fernwärme steigen die Kosten nur um rund 25 Euro.

Kritik vom Mieterbund

Diesem Betrag muss man noch sinkende Strompreise entgegenrechnen. Denn ein Teil der Erlöse aus der CO2-Abgabe soll laut Bundesregierung in die EEG-Umlage fließen. Diese dient der Förderung erneuerbarer Energien und lag im vergangenen Jahr bei 6,76 Cent je Kilowattstunde. Mit dem Jahreswechsel ist die Umlage auf 6,40 Cent pro Kilowattstunde gesunken, Strom dürfte also tendenziell günstiger werden.

Experten weisen allerdings darauf hin, dass der Energieaufwand für das Heizen einer Wohnung den Stromverbrauch um ein Vielfaches übersteigt – die Nebenkosten also unterm Strich trotzdem steigen dürften. „Der CO2-Preis droht einkommensschwache Mieterhaushalte überproportional zu belasten“, warnt die Bundesdirektorin des Deutschen Mieterbunds, Melanie Weber-Moritz.

Diese wohnten öfter in energetisch schlechteren Gebäuden und litten schon jetzt unter hohen Heizkosten. „Sie haben keinen Spielraum, durch Verhaltensänderungen den CO2-Preis auszugleichen“, sagt Weber-Moritz. Die Regierung unterstützt einkommensschwache Bürger zwar seit diesem Jahr mit einem Zuschlag zum Wohngeld in Höhe von durchschnittlich 15 Euro pro Monat. Doch wer keinen Anspruch auf die Förderung hat, muss die Mehrkosten aus eigener Tasche zahlen.

Wer soll zahlen?

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht noch ein weiteres Problem: Weil Mieter und nicht Vermieter den CO2-Aufschlag zahlen müssen, werde keine Lenkungswirkung erzielt, kritisiert der Verband. Das konterkariere die Klimaziele im Gebäudesektor. Die Umwelthilfe fordert, Vermieter in die Pflicht zu nehmen. Nur wenn Eigentümer den vollen CO2-Preis trügen, hätten sie einen Anreiz für Investitionen in energetische Sanierungen und CO2-arme Heizsysteme.

Auch Grüne und Linke fordern, dass Vermieter die Kosten komplett übernehmen. „Bei den Mieterinnen und Mietern ist der CO2-Preis völlig falsch adressiert“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Caren Lay. Union und SPD sind sich uneins. Während die Sozialdemokraten im Herbst 2020 in einem Eckpunktepapier eine 50/50-Lösung vorschlugen, sehen CDU und CSU eine Teilung des CO2-Preises kritisch. Vermieter hätten keinen Einfluss auf das Verbraucherverhalten von Mietern argumentiert der rechts- und verbraucherpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jan-Marco Luczak. „Das ist weder fair noch gerecht“, sagt er gegenüber der dpa.

 


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