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Versicherung Zahnzusatzversicherungen: Worauf Verbraucher achten müssen

Eine Zahnarztbehandlung kann teuer werden
Eine Zahnarztbehandlung kann teuer werden
© IMAGO / Addictive Stock
Immer mehr Deutsche wünschen Zusatzleistungen beim Zahnarzt – und greifen dafür auch mal tiefer in die Tasche. Doch bei besonders kostspieligen Behandlungen ist gut beraten, wer eine Versicherung hat

In puncto Zahngesundheit ist Deutschland weltweiter Spitzenreiter. Erkrankungen wie Karies- und Parodontitis sind in allen Altersgruppen rückläufig. Kinder sind zu 80 Prozent kariesfrei. Karieserkrankungen der Zahnwurzeln bei jüngeren Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren haben sich in den vergangenen Jahren halbiert. Wenn heftiger Zahnschmerz dennoch einmal einsetzt, ist klar: Das kann teuer werden.

Grundsätzlich übernimmt die gesetzliche Krankenkasse einen Teil der Behandlungskosten, aber eben nicht alles. Durchschnittlich zahlt sie die Hälfte der entstandenen Kosten oder bis zu 75 Prozent, wenn der Patient nachweisen kann, dass er regelmäßig die Zahnkontrolle wahrnimmt.

Dabei gibt es allerdings einen Haken: Krankenkassen übernehmen in der Regel nur die preiswerteste Behandlung, die sogenannte Basisversorgung. Das heißt dann beispielsweise Metall- statt Vollkeramikkrone oder Vollprothese statt Zahnimplantat. Zwar basiert die Regelversorgung auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, entspricht aber immer häufiger nicht den ästhetischen Ansprüchen vieler Versicherter. Sie greifen beim Zahnarzt tatsächlich immer öfter auf kostenpflichtige Behandlungen zurück. Am häufigsten entscheiden sie sich für die professionelle Zahnreinigung, hochwertigere Zahnfüllungen oder zusätzliche Leistungen bei der Wurzelkanalbehandlung.

Das Interesse an der Zahnzusatzversicherung wächst

Diese Zusatzleistungen kosten zwei- bis maximal dreistellige Beträge und sind für die meisten noch bezahlbar. Doch wenn es um hochwertigen Zahnersatz geht, kommen viele an ihre finanzielle Grenze. So kostet allein ein Einzelzahn-Implantat im Schnitt zwischen 1500 und 3000 Euro. Sollen mehrere Implantate eingesetzt werden, weist die Rechnung dann schnell einen fünfstelligen Betrag aus. Wer da eine Zahnzusatzversicherung hat, ist klar im Vorteil. Denn diese deckt in der Regel gemeinsam mit der Krankenkasse 80 bis 90 Prozent der Behandlungskosten ab. Kein Wunder also, dass das Interesse an den Policen wächst: Allein vergangenes Jahr schlossen 16 Millionen Deutsche eine Zahnzusatzversicherung ab.

Doch auch hier gibt es einen Haken: Zahnzusatzversicherungen können nur gesetzlich Versicherte abschließen. Privatversicherte sind auf den vertraglich geregelten Umfang der Zahnleistungen ihrer Krankenkasse angewiesen. Außerdem müssen all jene, die die vollen Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen wollen, diese frühzeitig abschließen. Das heißt: bereits einige Jahre vor dem Versicherungsfall und möglichst noch bei bester Zahngesundheit. Denn fehlende Zähne oder Behandlungsempfehlungen bei Vertragsabschluss können die Versicherungsbeiträge verteuern oder gar die Auswahl an Tarifen drastisch verkleinern. So mancher Tarif steht Personen mit Zahnlücken, Prothesen oder Knirscherschienen gar nicht zur Verfügung.

Je zahngesünder und jünger der Versicherte bei Vertragsabschluss, desto größer auch die Auswahl und günstiger der Tarif. Der Vergleich bei Check24 zeigt: Eine 24-jährige Versicherungsnehmerin ohne Zahnbeschwerden kann zwischen 78 verschiedenen Tarifen wählen, die bei monatlichen Kosten in Höhe von 5,70 Euro starten. Mit einer Zahnlücke und Behandlungsempfehlung hingegen bleiben ihr nur drei verschiedene Tarife zur Auswahl. Diese kosten dann zwischen rund 15 und 25 Euro pro Monat.

Gestaffelte Leistungsobergrenzen bei einigen Versicherern

Wichtig bei den günstigen Tarifen: der Blick ins Kleingedruckte. Oftmals steigen die Beiträge altersbedingt alle fünf bis zehn Jahre an. Je nach anfänglicher Beitragshöhe und Staffelungen lohnt sich ein früherer Versicherungsabschluss also nicht immer. Zudem legen manche Versicherer eine Wartezeit fest, in der Kunden keinen Anspruch auf Leistungen haben. Andere Zahnzusatzversicherungen hingegen staffeln ihre jährlichen Leistungsobergrenzen. Das variiert zwischen den einzelnen Anbietern mitunter deutlich, nimmt aber ungefähr die folgende Form an: 1000 Euro in den ersten zwölf Monaten ab Vertragsschluss, danach 2000 Euro bis zum 24. Monat, 3000 Euro zwischen dem zweiten und dritten Jahr und 4000 Euro zwischen dem dritten und vierten. Erst ab dem fünften Jahr zahlen Versicherungen dann die volle Leistung.

Vorsicht vor allem bei Versicherern, die den Versicherungsabschluss auch nach Eintritt des Versicherungsfalles anbieten. Erstens widerspricht dies dem wesentlichen Prinzip der Assekuranz – der Absicherung vor künftigen Risiken. Zweitens zahlt der Versicherungsnehmer genau deshalb ordentlich drauf und das meist über eine vertraglich vereinbarte Mindestlaufzeit. Lohnend ist dann die Frage: Kosten mich die Beiträge über die vereinbarte Laufzeit hinweg insgesamt mehr als die Behandlung selbst? Wenn ja, dann lieber die Rücklagen plündern.

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