Vorsorge Private Zusatzversicherungen: Wann sich Krankentagegeld lohnt

Rückenschmerzen haben schon viele Arbeitnehmer außer Gefecht gesetzt
Rückenschmerzen haben schon viele Arbeitnehmer außer Gefecht gesetzt
© IMAGO / Shotshop
Mit einem Krankentagegeld-Tarif sichern sich Verbraucher gegen einen längeren Verdienstausfall ab. Doch wirklich profitieren können von der Zusatzversicherung derzeit nur Selbstständige und Besserverdiener

Meistens geschieht es unerwartet: plötzliche Rückenbeschwerden, ein Unfall, Burn-out. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland melden sich immer länger krank, hat das Institut der deutschen Wirtschaft herausgefunden. Während Angestellte vor zehn Jahren im Schnitt nur 13 Tage jährlich fehlten, blieben sie im Jahr 2019 rund 18 Tage krankheitsbedingt zu Hause. Wie lange ein Arbeitnehmer fehlt, ist nicht nur für Unternehmer entscheidend, sondern auch für die Angestellten selbst. Sie erhalten ihren Lohn vom Arbeitgeber bis zu sechs Wochen lang, danach gibt es das sogenannte Krankengeld der gesetzlichen Krankenkassen. Dieses beträgt allerdings nur 70 Prozent des letzten Bruttogehalts und ist damit deutlich niedriger als der normale Monatslohn.

Wer auf sein volles Gehalt angewiesen oder privat versichert ist, kann zusätzlich eine sogenannte Krankentagegeld-Versicherung abschließen. Die übernimmt je nach Tarif die Differenz zum monatlichen Lohn und schließt die finanzielle Lücke. Für Selbstständige ist eine Krankentagegeld-Versicherung nahezu unverzichtbar. Doch auch für Angestellte, besonders für die Besserverdiener unter ihnen, kann sich die Zusatzversicherung rechnen.

Wann lohnt eine Krankentagegeld-Versicherung?

Um zu klären, wann und für wen sich eine Krankentagegeld-Versicherung lohnt, muss man zunächst zwischen gesetzlich und privat Versicherten unterscheiden. Da privat Versicherte – in der Regel Freiberufler und Selbstständige – nach sechs Wochen Krankheit kein gesetzliches Krankengeld erhalten, müssen sie sich selbst für den längeren Krankheitsfall absichern. Das geht zum einen über eigene Rücklagen oder über eine private Krankentagegeld-Versicherung. „Diese Versicherung ist insbesondere Selbstständigen angeraten, die anderenfalls eine ungenügende finanzielle Absicherung im Krankheitsfall hätten“, raten die Experten der Finanzkanzlei Adamietz und Kollegen. Eine Ausnahme sind die oft privat versicherten Beamten, die auch bei längerer Krankheit ihre Bezüge erhalten.

Auch gesetzlich Versicherte können im Krankheitsfall ihr Versorgungsniveau heben, wenn nach sechs Wochen die Krankenkasse die Lohnzahlung übernimmt. Das gilt insbesondere, je mehr sie verdienen. Denn gesetzliche Kassen zahlen bei längerer Krankheit immer 70 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Allerdings nur bis zu einer Obergrenze – der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze in Höhe von 4.837,50 Euro brutto monatlich. Alles, was Arbeitnehmer darüber hinaus verdienen, vernachlässigen die Krankenkassen bei der Berechnung des Krankengeldes.

Ein Rechenbeispiel: Wer genau 4837,50 Euro brutto im Monat verdient, erhält 3386,25 Euro Krankengeld – genau 70 Prozent vom Bruttolohn. Wer hingegen ein Gehalt von 6000 brutto hat, kann ebenfalls nur mit 3386,25 Euro Krankengeld rechnen – nicht mal 60 Prozent des monatlichen Gehalts. Wer über der Beitragsbemessungsgrenze verdient, muss also mit höheren Einbußen rechnen. „In diesen Fällen ist eine private Absicherung besonders empfehlenswert“, betonen Versicherungsexperten von der HanseMerkur.

Wie hoch sollte der Ausgleich sein?

Krankentagegeld-Anbieter zahlen nicht automatisch die Lücke zwischen gesetzlicher Leistung und Monatslohn, sondern immer nur einen festen, vereinbarten Betrag. Dieser darf zusammen mit dem Krankengeld der Krankenkasse und anderen Lohnersatzleistungen nicht höher als das vorherige Nettoeinkommen sein. Wer über ausreichend Rücklagen verfügt oder geringe monatliche Fixkosten hat, muss jedoch nicht zwingend das gesamte Nettoeinkommen versichern.

Grundsätzlich sollten Angestellte vor Abschluss alle fixen Kosten und andere Einkünfte wie zum Beispiel Mieteinnahmen auflisten, die auch bei Krankheit anfallen. Diese Kosten sollte die Police auf jeden Fall abdecken. Verbraucher können sich bei Krankenkassen wie der DKV ihr mögliches Krankentagegeld errechnen lassen. Dazu müssen sie lediglich Daten wir ihr monatliches Bruttoeinkommen, das Alter und ihre Erwerbsart – also ob angestellt, selbstständig oder freiberuflich – angeben.

Was kostet der zusätzliche Schutz?

Wie hoch der Beitrag ist, hängt vom Nettoeinkommen, Alter und Gesundheitszustand des Versicherten ab. Aktuell sind die Tarife moderat, wie das Analysehaus Morgen & Morgen in einem Rating zeigt. Wer im Alter von 30 Jahren 300 Euro Krankentagegeld im Monat bekommen möchte, zahlt im Schnitt monatlich fünf Euro. Ab einem Alter von 50 Jahren ist die Prämie mit durchschnittlich neun Euro knapp doppelt so teuer.

Was die Leistung angeht, unterscheiden sich die verschiedenen Krankentagegeld-Anbieter deutlich. Von insgesamt 89 Tarifen bewerten die Experten von Morgen & Morgen insgesamt 14 als ausgezeichnet, darunter zum Beispiel die Tarife der Barmenia oder der Inter Versicherungsgruppe. Viele Tarife der Krankentagegeldanbieter haben aber noch „Potenzial“, kommentiert Thomas Bohrmann, Versicherungsanalyst beim Analysehaus Morgen & Morgen, die Ergebnisse. Fünf Versicherungen, darunter eine der Mecklenburgischen, fallen laut Experten eher schwach aus.

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