Versicherungen Private Krankenzusatzversicherungen: Eine sinnvolle Ergänzung?

Symbolbild Krankenzusatzversicherung
Symbolbild Krankenzusatzversicherung
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Kassenpatienten können ihre medizinische Versorgung mit privaten Krankenzusatzversicherungen verbessern. Welche Policen sich für wen lohnen.

Einzelzimmer und Behandlung durch den Chefarzt: Diesen Luxus genießen in der Regel nur Privatpatienten. Wollen gesetzlich Krankenversicherte ihre medizinische Versorgung aufbessern, gelingt das mithilfe privater Zusatzversicherungen. Der Bedarf ist da: Laut dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) stieg die Zahl privater Zusatzversicherungen im Jahr 2020 um 2,9 Prozent auf 27,5 Millionen Policen. Und auch bei den Verbraucherzentralen registriert man ein steigendes Interesse, sagt die Patientenberaterin Daniela Hubloher: „Unsere Beratungserfahrung zeigt, dass immer mehr Menschen ihren GKV-Schutz mit privaten Zusatzversicherungen erweitern.“ Zwingend notwendig sei keine dieser Policen, sagt Hubloher, einige können aber durchaus sinnvoll sein.

Auslandskrankenversicherung

Eine besonders beliebte Zusatzpolice ist die Auslandskrankenversicherung. Zwar sind die medizinischen Behandlungskosten für gesetzlich Versicherte in Europa über ihre Krankenkasse abgedeckt. Der teure Rücktransport ist allerdings meistens davon ausgenommen. Zudem genießen Versicherte mit einer eigenen Auslandskrankenversicherung einen weltweiten medizinischen Versicherungsschutz – und das für kleines Geld: „Oftmals kostet die Police jährlich genauso viel, wie einmal frühstücken gehen“, sagt Hubloher. Wer im Ausland gerne in den Bergen wandert oder regelmäßig Ski fährt, sollte darauf achten, dass die Police auch Kosten nach einem Unfall für Suche, Rettung und Bergung übernimmt.

Zahnzusatzversicherung

Mit 17 Millionen Kunden erfreut sich auch die private Zahnzusatzversicherung sehr großer Beliebtheit. Sie übernimmt anfallende Kosten der zahnärztlichen Behandlung, die bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) unter den Eigenanteil fallen. Besonders interessant ist sie für all jene, die sich eine höherwertige Versorgung beim Zahnersatz wünschen. Von Policen, die weniger als 80 bis 90 Prozent des Rechnungsbetrages übernehmen, rät Expertin Hubloher jedoch ab. Gerade bei höherwertiger Versorgung, beispielsweise teure Implantate, ästhetische Keramikoptiken oder maßgeschneiderte Inlays ist der Eigenanteil sonst immer noch hoch.

Krankentagegeldversicherung

Wer sichergehen möchte, im Falle einer längerfristigen Krankheit auch weiterhin das volle Einkommen beziehen zu können, erwägt den Abschluss einer Krankentagegeldversicherung. Zwar bezahlt die GKV im Krankheitsfall 70 Prozent des Bruttoeinkommens, aber nur bis zum Höchstsatz von 4837,50 Euro. Die private Police gleicht die Differenz zwischen dem Krankengeld und dem Nettogehalt aus. „Grade für Topverdiener oder Selbstständige ist daher die Krankentagegeldversicherung sinnvoll“, sagt Hubloher. Übrigens: Die sehr ähnlich klingende Krankenhaustagegeldversicherung zahlt Tagessätze während eines Klinikaufenthaltes. Damit deckt sie beispielsweise Kosten für WLAN- oder Fernsehgebühren ab.

Krankenhauszusatzversicherung

Für gesetzlich Versicherte, die besonderen Wert auf eine Behandlung durch den Chefarzt legen, lohnt sich zudem eine Krankenhauszusatzversicherung. Denn der Chefarzt lässt sich seine langjährige Erfahrung und Kompetenz teuer entlohnen. Er darf entsprechend der Gebührenordnung für Ärzte den 3,5-fachen Satz des Grundpreises für seine Leistung berechnen. Auch alle weiteren an der Behandlung beteiligten Ärzte wie der Anästhesist oder der Radiologe rechnen in diesem Fall höhere Leistungssätze ab. Ohne entsprechende Versicherung ist das nur schwer leistbar.

Ambulante Zusatzversicherung

Die ambulante Zusatzversicherung erlaubt es wiederum, auch in der ambulanten medizinischen Versorgung wie ein Privatpatient behandelt zu werden. Das funktioniert so: Patienten bezahlen ihre ambulanten Behandlungskosten zunächst selbst. Daraufhin übernimmt die GKV die kassenüblichen Leistungen und Sätze und die darüber hinaus gehenden Beträge fängt die Zusatzversicherung auf. Die Policen sind aber in der Regel so teuer, dass sie sich finanziell kaum rechnen, sagt Hubloher: „Wer unbedingt einen Spezialisten aufsuchen möchte, der nur Privatpatienten behandelt, bezahlt die Untersuchung gegebenenfalls besser aus eigener Tasche.“

Wer sich für eine der Zusatzversicherungen interessiert, muss zunächst einige Gesundheitschecks über sich ergehen lassen. Diese gilt es unbedingt wahrheitsgemäß zu beantworten: „Bei nachweisbar falsch beantworteten Fragen zahlen die Versicherer nicht und kündigen gegebenenfalls die Verträge“, erklärt die Verbraucherschützerin. Und da viele Versicherer die Daten erst im Versicherungsfall prüfen, kann das zu bösen Überraschungen führen. Außerdem lehnen Versicherer Neukunden ab, wenn bestimmte Vorerkrankungen vorliegen, oder verlangen hohe Risikozuschläge. Dadurch steigen mit zunehmendem Alter auch die Beiträge für einen Neuabschluss. Es zahlt sich also in mehrfacher Hinsicht aus, sich frühzeitig mit dem Thema private Krankenzusatzversicherung zu beschäftigen.

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