ExklusivWirecard-Chef rechnet mit Kritikern ab

Wirecard-Chef Markus Braun
Wirecard-Chef Markus BraunSebastian Arlt

Der Chef des Dax-Aufsteigers Wirecard, Markus Braun, hat Zweifel an der Werthaltigkeit des Unternehmens und am Erfolg des Bezahldienstleisters im Kernmarkt Deutschland zurückgewiesen. „Im vergangenen Jahr nutzten in Deutschland 18. 000 Händler unsere Plattform mit einem Transaktionsvolumen von 18,9 Mrd. Euro. Und unsere Aktie wird von 29 Analysten beobachtet, 23 empfehlen uns zum Kauf“, sagte Braun im Capital-Interview (Ausgabe 12/2018; EVT 22. November). Zweifel etwa an der Anzahl der Wirecard-Kunden in Deutschland könne er „nicht nachvollziehen“.

Die neue Capital erscheint am 22. November
Die neue Capital erscheint am 22. November

Die US-Investmentbank Merrill Lynch hatte Anfang November erklärt, sie habe die Marktstellung von Wirecard in Deutschland überprüft. Demnach nutzten von den 100 größten Handelsunternehmen in Deutschland lediglich fünf die Dienste von Wirecard. Daher sei fraglich, wie stark Wirecards Marktstellung und wie lange das überproportionale Wachstum mit hohen Margen tatsächlich haltbar sei. Die Aktie des Unternehmens, das erst Ende September in den Dax aufgestiegen war und dafür symbolträchtig die Commerzbank aus dem deutschen Leitindex verdrängt hatte, geriet daraufhin unter Druck. Insgesamt verlor sie seit der Dax-Aufnahme rund 26 Prozent an Wert.

„Die Analyse hatte ein bestimmtes Kriterium: Wer von den Top 100-Händlern nutzt unsere Dienste – und das Ergebnis lautete fünf. In Wirklichkeit sind es 18. Ich kann andere Zahlen nicht nachvollziehen. Außerdem bieten wir eine Fülle von Mehrwertdiensten wie etwa Kundenbindung oder die Herausgabe digitaler Karten an, die diese Analyse gar nicht berücksichtigt“, so Braun. Die turbulente Kursentwicklung sorge ihn nicht. „Sie haben immer Psychologie im Markt, gerade bei Tech-Werten. Ich habe nie etwas auf kurzfristige Börsenbewegungen gegeben, sondern glaube an langfristige Strategien“, so Braun.

Die eigenen Ziele, Umsatz und Börsenwert des Unternehmens auch in den kommenden Jahren zu verfielfachen, hält Braun nicht für überambitioniert. „Der Markt ist noch embryonal, es ist Raum für Wachstum für noch viel mehr Akteure. Gerade mal 20 Prozent aller Bezahlvorgänge laufen weltweit elektronisch, vielleicht zwei Prozent voll digital. Unser Gewinn vor Zinsen und Steuern ist im ersten Halbjahr um fast 40 Prozent gewachsen, wir haben Neugeschäft mit einem potenziellen Volumen von 30 Mrd. Euro abgeschlossen. Das sind rund 180 Prozent Zuwachs. Unsere Umsatzziele sind keine Hybris, wir sind eher konservativ in den Zielen“, so Braun.