InterviewSparschweine endgültig schlachten

Der Weltspartag ist ein Synonym für die deutsche Sparkultur.
Der Weltspartag ist ein Synonym für die deutsche Sparkultur.
© Getty Images

Finanzexperte Christian W. Röhl plädiert dafür, den Weltspartag abzuschaffenChristian W. Röhl ist Gründer der unabhängigen Research-Plattform DividendenAdel.


Capital: Herr Röhl, heute ist mal wieder Weltspartag. Sie halten nichts von dieser Tradition und würden den Tag am liebsten abschaffen. Was stört Sie daran?

Der Weltspartag, vor 92 Jahren auf dem 1. Internationalen Sparkassenkongress in Mailand aus der Taufe gehoben, ist mittlerweile schon fast so etwas wie ein Synonym für die deutsche Sparkultur. Mit Blick auf die niedrigen Zinsen wäre es an der Zeit, diesen alten Zopf endlich abzuschneiden und durch einen Weltanlagetag zu ersetzen.

Viele Kinder freuen sich, wenn sie am Weltspartag ihre Sparschweine schlachten und das Geld aufs Sparkonto legen, denn von den Banken werden sie dafür meist mit kleinen Geschenken belohnt.

Und wenn sie dann älter geworden sind, ärgern sie sich. Mal angenommen, ein acht Jahre altes Kind hat es geschafft, in einem Jahr 500 Euro zu sparen. Wird dieses Geld heute aufs Sparbuch eingezahlt, würde das Guthaben – einen Zinssatz von 0,5 Prozent pro Jahr vorausgesetzt – zum 18. Geburtstag bei gut 525 Euro liegen. Das reicht dann wahrscheinlich nicht einmal für eine halbe Tankfüllung.

Am Aktienmarkt ist deutlich mehr zu holen – gerade mit Deutschlands Top-Konzernen wie Siemens, Daimler, Bayer oder Allianz, die im Deutschen Aktienindex Dax zusammengefasst sind. Trotz aller Krisen hat ein zehnjähriges Investment in den Dax seit 1960 im Schnitt jährlich 6,2 Prozent abgeworfen. Aus den 500 Euro des Achtjährigen wären damit bis zur Volljährigkeit knapp 900 Euro geworden. Damit lässt sich schon eine schöne Party feiern.

Also sollten Kinder heute besser Aktien kaufen?

Ein Grund, warum Aktien für Kinder besonders attraktiv sind, ist der Faktor Zeit. Je länger der Anlagehorizont bemessen ist, umso weniger fallen zwischenzeitliche Kursrückgänge und Krisen ins Gewicht. So hätte ein fünfjähriges Dax-Investment historisch in immerhin 25 Prozent der Fälle einen Verlust eingebracht. Bei zehn Jahren Anlagedauer sinkt die Verlustwahrscheinlichkeit hingegen auf 15 Prozent. Und wer mehr als 23 Jahre in den Dax investiert war, hat seit 1960 nie Geld verloren.

Weiter reduzieren lässt sich das Verlustrisiko, wenn das Geld nicht auf einen Schlag, sondern in regelmäßigen Tranchen investiert wird. Wer den Kindern von heute wirklich etwas Gutes tun will, sollte das Sparschwein schlachten und mit dem Geld einen kostengünstigen Sparplan für Aktienfonds abschließen oder ein Potpourri aus sorgfältig ausgewählter Einzelaktien zusammenstellen. Nur so gibt es wirklich eine Chance auf Rendite – und eine angemessene Belohnung dafür, die Spargroschen nicht gleich ausgegeben zu haben.