AltersvorsorgeWer das Sparen fürs Alter aufschiebt, bereut es später

Rentner in DeutschlandJohannes Mink

Viele von uns leben nach dem Prinzip des strukturellen Optimismus, so nennen Soziologen das. Nach der Devise: „Es ist noch immer gut gegangen.“ Und das ist eigentlich gar nicht so schlecht. Zumindest erweist es sich auf lange Sicht als recht gesund, weil wir uns dadurch nicht dauernd übergroße Sorgen machen oder uns fragen, was wohl morgen alles sein wird. Über manche Dinge sollte man aber doch mal nachdenken. Zum Beispiel über die Frage, ob wir schon genug fürs Alter vorsorgen. Klar, das ist eine lästige Frage und sie ist umso schwerer zu beantworten, weil niemand weiß, wie viel Geld er in 20 oder gar 30 Jahren haben wird und was diese Summe dann eigentlich mal wert sein wird. Jegliche Schätzung, die wir dazu heute vornehmen ist also nur eine vage Prognose. Dennoch sollten einige aktuelle Daten uns dazu animieren, solche Schätzungen trotz der Unsicherheit zu wagen.

Daten wie diese hier: Jeder Dritte von uns ist sich ziemlich sicher, dass seine gesetzliche Rente einmal nicht reichen wird, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Gleichzeitig bekennt sich aber die Mehrheit der Deutschen laut einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage dazu, trotzdem nichts dagegen zu unternehmen und Finanzdinge auf die lange Bank zu schieben. Es ist ihnen zwar mehrheitlich klar, dass das negative Konsequenzen haben wird, sagen die Befragten selbst. Aber das allein taugt offenbar noch nicht als Anreiz.

Nichtstun ist die schlechteste Option

Nun alarmiert auch die Aussage, dass viele Befragte angeben, ihnen fehle das nötige Geld zum Sparen. Das ist bei sehr vielen der Hauptgrund für die finanzielle Aufschieberitis. Aber fast jeder Zweite sagt auch, er könne sich „einfach nicht aufraffen“, mal mit dem Vorsorgen anzufangen. Immerhin 45 Prozent bejahen das. Knapp 40 Prozent antworten, „ich bezweifle, dass mir das etwas bringt“, und ebenso viele sagen, „es ist mir zu anstrengend“ über Geld nachzudenken.

Infografik: Altersvorsorge: Jeder Fünfte sorgt gar nicht vor | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Natürlich ist es nicht ganz leicht – aber so anstrengend nun auch wieder nicht, wenn man sich dabei dem Gedanken hingibt: Irgendetwas zu tun ist schon mal besser, als alles zu lassen. Und es muss ja nicht zwingend die optimalste aller Anlageformen sein, die man dazu wählt, zur Not tut es auch erst einmal ein regelmäßiger Banksparplan oder ein Abbuchungsauftrag, der monatlich 100 Euro oder mehr aufs Tagesgeldkonto schichtet. Maue Zinsen, aber besser als nichts. Und wer weiß, vielleicht steigen sie bald wieder.