FondsIn 7 einfachen Schritten zur ETF-Anlage

Ein Broker telefoniert
Die Vielfalt kann verwirren, doch eigentlch ist die ETF-Anlage nicht so schwerGetty Images

Mitte Juni war wieder so ein Tag: Der 44-jährige SAP-Berater Norbert Fluck hat eine Woche Urlaub vor sich. Und Vorsätze. Den Garten auf Vordermann bringen zum Beispiel. Und: endlich einen Teil seiner Ersparnisse, immerhin 85.000 Euro, in einen Dax-ETF -investieren. Jene Fonds, mit denen Geldanlage simpel und vor allem günstig sein soll, wie Fluck laufend liest und hört.

Der Tag endet freilich wie die meisten in all den Jahren zuvor: Fluck surft im Internet, liest Ratgeber, loggt sich auch bei seiner Onlinebank ein. Am Ende macht er aber: nichts. Zu groß ist die Angst, bei deutschen Aktien zu teuer einzusteigen. Und vor allem: das falsche Produkt zu wählen. Nicht weniger als 41 ETFs tauchen auf, wenn er in die Suchmaske seiner Bank „Dax“ eingibt. Davon beziehen sich neun auf den bekannten Standardwerteindex, weitere 29 bilden ihn mittels Hebel oder gar invers ab: Steigt der Dax, fällt der Short-Dax-ETF.

Flucks Verhalten ist typisch: Nehmen Menschen ihre Geldanlage selbst in die Hand, klappt das meist nicht ohne langes Zaudern und Zögern. Dutzende Male surfen sie auf Internetseiten, wälzen Ratgeber, ehe sie ihr Geld anlegen. Die sogenannte Konversionsrate – also die Quote von „Besuch des Bankdepots“ zu echtem Anlagegeschäft – liegt bei unter einem Prozent. Obwohl ETFs einen tadellosen Ruf als einfach, transparent und günstig genießen, sind sie in Europa noch ein Nischenmarkt. Allenfalls zwei bis drei Prozent des Vermögens von Privatanlegern ist direkt in ETFs investiert, schätzen Experten.

Flucks Sorge ist aber auch berechtigt. ETFs genießen zwar einen guten Ruf. Aber sie sind kein Allheilmittel. Denn entscheidend ist, was ein Anleger daraus macht. „Wenn Privatanleger zu passiven ETFs greifen, verbessern sie ihre Portfolioperformance nicht“, lautet das harte Urteil von Andreas Hackethal, Professor an der Goethe-Universität Frankfurt. Hackethal hat im Jahr 2016 das Anlageverhalten Tausender Kunden eines Onlinebrokers unter die Lupe genommen. Die Gründe für seinen tristen Befund: schlechtes Timing und eine schlechte Auswahl an ETFs, so Hackethal. Statt sich an die einfachen Produkte zu halten, griffen Anleger zu oft zu komplexen ETFs etwa auf Aktien- oder Portfoliostrategien.

Angst vor Fehlern

In diesem dritten und letzten Teil der ETF-Serie gibt Capital daher konkrete Hilfe beim Suchen und Finden – und will zugleich vor überzogenen Erwartungen und unbestrittenen Risiken warnen, die mit dem globalen Boom der ETFs einhergehen. „Eine simple ‚Kaufen und Halten‘-Strategie zu adaptieren ist wichtiger, als die richtigen unter den vielen ETFs zu suchen“, sagt Hackethal. Ironischerweise verführten die niedrigen Kosten und Liquidität der Fonds aber genau zum Gegenteil von „Kaufen und Halten“: nämlich kaufen und verkaufen.

Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den ETFs auf gängige Indizes eher marginal und für die langfristige Entwicklung einer Geldanlage unwichtig. Das zeigen die ETFs auf den deutschen Aktienindex Dax, die auch Leute wie Fluck immer wieder verwirren: Es gibt insgesamt neun Dax-ETFs von fünf verschiedenen Anbietern. Die Unterschiede bei den Gebühren sind vernachlässigbar, der günstigste ETF der Commerzbank-Tochter Comstage weist eine Gesamtkostenquote von 0,08 Prozent pro Jahr auf, der teuerste von Blackrock kostet 0,16 Prozent.

Die Liquidität an den Börsen ist ebenfalls vernachlässigbar: Der Kauf und Verkauf des am wenigsten gehandelten ETFs für 10.000 Euro verursacht gerade mal 70 Cent Mehrkosten gegenüber dem Kauf und Verkauf des liquidesten Dax-ETFs. Ablesbar ist das an der Kennziffer „XLM“ (Xetra Liquiditätsmaß), die die Deutsche Börse für alle ETFs im Internet veröffentlicht: Sie gibt an, welche Kosten beim Kauf und Verkauf von ETF-Anteilen im Wert von 100.000 Euro entstehen.

Höher ins Gewicht fällt die Kursentwicklung: Der schlechteste Dax-ETF legte innerhalb von fünf Jahren 86,3 Prozent zu, der beste 89,9 Prozent. Hintergrund: Die ETF-Anbieter schneiden unterschiedlich gut darin ab, ihrem Index zu folgen. Wie gut oder schlecht sie das schaffen, sagt die Tracking Difference. Der Begriff schreckt viele Privatanleger ab, die Kennziffer ist aber wichtig, weil sie die relative Differenz zwischen ETF und dem Index, dem er folgt, angibt. Klettert etwa der Dax um zwölf Prozent und ein Dax-ETF nur um elf Prozent in einem Jahr, beträgt die Tracking Difference ein Prozentpunkt. Den Wert findet man in den Jahresberichten der Fonds.