SerieWie der ETF-Handel funktioniert

Drei Bildschirme für einen Blackrock-Mitarbeiter sind Standard, manche sitzen vor sechsDavid Vintiner

Kein Geschrei. Keine Hektik. Kein wildes Gefuchtel. Der Handelsraum von Blackrock in Londons Finanzdistrikt, einen Steinwurf nördlich der Bank of England, ist die europäische Herzkammer des größten Vermögensverwalters der Welt. Und doch herrscht hier im vierten Stock in der Throgmorton Avenue eine gewisse Lockerheit. Kaum jemand ist über 50. Viele Männer tragen Jeans statt Stoffhosen, viele Frauen T-Shirts. Krawatten? Eher selten. Das ganze Gebäude: ein sandsteinfarbener Zweckbau. Niedrige Decken schon im Empfang. Der Ausblick aus dem Fenster? Ein schmuckloser Innenhof.

Wären da nicht die obligatorische Weltzeituhr, die zeigt, wie spät es gerade in New York, Tokio und Hongkong ist, oder die Schilder, die in Versalien dazu auffordern, NIE MIT UNBEKANNTEN ANRUFERN ZU SPRECHEN – man könnte sich auch in der Kundenbetreuung der Stadtwerke Offenbach wähnen.

Was hier passiert, ist allerdings deutlich spannender.

Europazentrale von Blackrock in London

Ich bin für Capital hierhergekommen, um den Weg eines ETF-Anteils von der Order des Kunden – in diesem Fall: mir – über die Börsen bis ins Depot zu verfolgen. Wer kauft dabei anteilig wie viele Aktien? Wer ist wo beteiligt? Und wie kann es sein, dass ich am Ende dank des ETFs quasi den ganzen Dax im Depot habe?

Glaubt man den Zahlen der Direktbroker, haben ihre deutschen Kunden gerade einmal rund 11 Mrd. Euro direkt in ETFs investiert. Das ist weniger, als Kleinanleger in die Telekom-Aktie gesteckt haben. Ein typischer Grund: die Angst, etwas falsch zu machen. Denn weil ETFs – wie der Name Exchange-Traded Fund schon sagt – an der Börse gehandelt und etwa nur ungern von Banken vertrieben werden, gibt es keinen Berater, der beim Kauf hilft. Also herrscht Verunsicherung. Kriegt man am Ende wirklich die Dividende? Erwischt man nicht aus Versehen einen ETF, der statt der eigentlichen Aktien japanische Nebenwerte und Derivate enthält? Greift man schlicht zum falschen unter den über 1300 verschiedenen ETFs in Deutschland?

Für mich gilt daher für den ersten Schritt dieses Experiments: keine Experimente. Ich habe einfach den größten börsengehandelten ETF auf den Deutschen Aktienindex (Dax) ausgeguckt – und der stammt von Blackrock. Der Vermögensverwalter besitzt als ETF-Marktführer in Deutschland inzwischen bei fast allen großen börsennotierten Unternehmen zwischen drei und zehn Prozent der Anteile. Eben weil seine ETFs so groß sind: Mit fast 17 Jahren ist Blackrocks Core Dax schon ein Senior, er war einer der ersten ETFs in Deutschland überhaupt. Sein verwaltetes Volumen beträgt 8 Mrd. Euro. Darum hat mich meine Reise hierher nach London geführt, in die Europazentrale Blackrocks. Hier im Handelsraum laufen die Fäden zusammen, hier sitzen viele Mitarbeiter von Blackrocks ETF-Sparte.