GeldanlageWas eine Cannabis-Legalisierung in Deutschland für Anleger bedeutet

Cannabis-Anlage des kanadischen Unternehmens Aurora Cannabis
Cannabis-Anlage des kanadischen Unternehmens Aurora CannabisAurora Cannabis

Es gibt sicherlich Millionen Deutsche, die nur für den Genuss kiffen. Mindestens 1,5 Millionen zwischen 18 und 64 Jahren konsumieren Cannabis nach Zahlen des statistischen Bundesamtes schließlich mindestens einmal pro Monat. Legal gab es den Stoff aber bisher nur für wenige Schwerkranke auf Rezept. Die Genusskiffer müssen zum Dealer auf den Schwarzmarkt. Ein Zustand, den FDP und Grüne schon seit langem beklagen und dem sie nach den Koalitionsverhandlungen ein Ende setzen wollen.

„Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein“, heißt es in einem Koalitionspapier der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege. Die Koalitionspartner wollen damit die bisherige, misslungene  Anti-Drogenpolitik beenden. Gleichzeitig könnte es aber auch der Startschuss sein für einen neuen Cannabismarkt. Anbau, Transport und Handel wollen organisiert sein und bieten Chancen für bestehende Cannabis-Unternehmen aus anderen Ländern und deutsche Unternehmen, die sich bisher auf Produktion und Vertrieb von medizinischem Cannabis konzentriert haben. Doch können auch Anleger davon profitieren?

„Natürlich“ sagt Daniel Stehr von Cansoul. Er startete im Dezember 2018 den Cansoul Fonds Hanf Aktien Global (ISIN: LI0443398271), der in Cannabis-Unternehmen investiert auf. Der Fonds beinhaltet Titel aus den USA, Kanada, Australien, Israel, aber auch ein deutsches Unternehmen sei dabei, sagt Stehr. „Die Legalisierung hier in Deutschland könnte den Weltmarkt umschmeißen.“

Kanadische Firmen dominieren den Markt

Das liegt vor allem an der Größe des Marktes. Deutschland würde den weltweiten Markt für legales Cannabis stark erweitern. Der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap schätzte in einem Report Anfang der Woche, dass der Cannabis-Bedarf 2021 bei rund 400 Tonnen Cannabis liegt. Bei Produktionskosten von etwa vier Euro pro Gramm und 10 Euro pro Gramm im Verkauf ergäben sich Umsätze von etwa 4 Mrd. Euro. Das entspricht etwa der Marktgröße Kaliforniens. Dort betrug der Umsatz mit Cannabis-produkten laut der Branchenberatung Prohibition Partners im vergangenen Jahr 3,9 Mrd. Euro.

Stehr schätzt, dass sich eine Legalisierung vor allem für Unternehmen auszahlt, die schon auf dem deutschen Markt aktiv sind. Die gibt es, schließlich ist hierzulande der Verkauf von medizinischem Cannabis seit 2017 legal. „Vor allem kanadische Firmen werden davon profitieren“, sagt Stehr. Dort gibt es schon seit 2001 einen Markt für medizinisches Cannabis, seit 2018 ist Cannabis komplett legalisiert. Als der Markt für medizinisches Cannabis in Deutschland 2017 legalisiert wurde, waren von den drei Firmen, die einen Zuschlag für den Anbau in Deutschland bekamen, die zwei kanadischen Unternehmen Tilray und Aurora aus Kanada. Das dritte war Demecan, ein deutsches Unternehmen, das nicht an der Börse gehandelt wird, und mittlerweile in Sachsen anbaut.

Ob der Verkauf von legalem Cannabis erfolgreich sein wird, hängt auch davon ab, wie der Markt ausgestaltet wird. Der Preis inklusive Steuern darf nicht höher sein als auf dem Schwarzmarkt. Darauf weist auch Haucap in seiner Studie hin. Klar ist, dass auch die Produktion unter preisgünstigen Bedingungen und der Verkauf in eigenen Geschäften und nicht in der Apotheke neben geringen Steuern dazu beitragen kann.

„Tilray hat in Neumünster ihre Produktionsanlage unter Bedingungen wie Fort Knox“, sagt Stehr. In Portugal baut das Unternehmen im Gewächshaus an. Es sind auch solche Faktoren, die dazu beitragen könnten, welche Unternehmen wo langfristig erfolgreich sind. Vor allem aber sind die Unternehmen davon abhängig, dass immer mehr Länder das Kraut legalisieren. Auch das ist eine Hemmschwelle für das Marktwachstum. Anleger sollten ihre Investitionen also möglichst diversifizieren, um das Risiko zu minimieren.

Wenn die Legalisierung in Deutschland kommt, glaubt Stehr, werden vor allem Tilray und eventuell auch Aurora profitieren, denen bisher noch der strategische Partner fehle. Für andere Märkte empfiehlt er derzeit das Unternehmen Trulieve aus den USA und IM Cannabis aus Israel. Die deutschen Unternehmen Demecan und Bavaria Weed könnten nach einem möglichen IPO ebenfalls interessant werden. Doch Stehr warnt Privatanleger auch vor den vielen Risiken der Branche: „Wir bewegen uns hier im Wagniskapitalbereich. Investitionen in Cannabis-Unternehmen sind unbedingt langfristig zu sehen.“


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden