Ukraine-Krise Putin versetzt die Märkte in Angst: Aktien rutschen ab, Rohstoffpreise steigen

Ein Händler an der New Yorker Börse
Ein Händler an der New Yorker Börse
© IMAGO / UPI Photo
Die Ankündigung Russlands, die Unabhängigkeit der Separatistengebiete Donezk und Luhansk anzuerkennen, lässt die Aktienkurse weltweit einbrechen. Auch der Dax startet mit Verlusten. Die Preise für Öl und Gold schnellen dagegen in die Höhe

Gestern noch vorsichtiger Optimismus, heute Kursrutsch: Die Verschärfung im Ukraine-Konflikt hat in der Nacht zu Dienstag die Börsen weltweit einbrechen lassen. Grund war die Ankündigung von Russlands Präsident Wladimir Putin, die ukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten anzuerkennen. Am späten Abend verkündete er außerdem, Truppen in die Ostukraine entsenden zu wollen. Die Vereinten Nationen beriefen eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates ein. Der Westen kündigte Sanktionen an.

Besonders an den Rohstoff- und Devisenmärkte kam es daraufhin zu Turbulenzen: Die Preise für Öl, Nickel und Aluminium schnellten sprunghaft in die Höhe. Viele Händler befürchten Lieferunterbrechungen, wenn der Westen wie angekündigt mit Sanktionen auf Russlands Manöver reagiert. Europäisches Gas verteuerte sich um mehr als zehn Prozent. Der Preis für ein Barrel Brent-Öl stieg um mehr als 2 Dollar auf 97,63 US-Dollar. Zeitweise erreichte der Preis sogar den höchsten Stand seit 2014. Ein Fass der amerikanischen Sorte WTI verteuerte sich um 3,60 Dollar auf 94,67 Dollar.

Ölpreis pro Barrel in Dollar der Nordseesorte Brent


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Sollte Putin als Antwort auf westliche Sanktionen den Gashahn zudrehen, könnte Europa zwar bis zum Herbst über die Runden kommen, so Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Aber während des Sommers müßten die Gasvorräte eigentlich aufgefüllt werden, um für den nächsten Winter gewappnet zu sein.“

Aktien rutschen ab

Während es bei den Rohstoffpreisen nach oben ging, rutschten die Akien an den Börsen ab. Anleger suchten stattdessen Zuflucht in sichereren Staatsanleihen und Edelmetallen.

Russische Aktien fielen um etwa neun Prozent. Damit sackte der Moskauer RTS-Index den vierten Tag in Folge ab und dürfte in diesem Zeitraum insgesamt mehr als ein Viertel einbüßen. Am Devisenmarkt war der russische Rubel zu Wochenbeginn stark unter Druck geraten, berappelte sich gegenüber Dollar und Euro wieder leicht.

Europäische Aktienfutures gaben um mehr als 1,5 Prozent nach. US-Kontrakte deuten außerdem auf eine gedämpfte Eröffnung der Wall Street hin. Die New Yorker Börse konnte wegen eines Feiertages am Montag nicht reagieren. Staatsanleihen stiegen und brachten die 10-jährige US-Rendite unter 1,90 Prozent.

In Asien fielen die Börsen ebenfalls. Der Leitindex Nikkei 225 verabschiedete sich in Tokio mit einem Minus von 1,71 Prozent und 26.449,61 Punkten aus dem Handel. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland verlor 1,3 Prozent auf 4574,15 Punkte. Der Hang-Seng-Index in Hongkong drehte um 2,92 Prozent auf 23.464,71 Punkte nach unten.

Dax deutlich im Minus

Schon vergangene Woche hatte die Sorge vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine den Dax um zweieinhalb Prozent gedrückt. Das am Montag angekündigte Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Joe Biden und Kremlchef Wladimir Putin sorgte für Hoffnung. Doch die ist erst einmal zunichte. Der Dax fiel so tief wie seit März 2021 nicht mehr. Kurz nach dem Handelsstart ging es um 2,23 Prozent runter auf 14.402,96 Punkte. Der MDax verlor 2,56 Prozent auf 31.503,59 Punkte. In mehreren Ländern Europas starteten die Börsen mit deutlichen Verlusten. Der EuroStoxx 50 sackte um 2,12 Prozent auf 3901,10 Punkte ab.

Der Dax40 verliert deutlich


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Wegen der verschärften Lage rechnen Marktbeobachter damit, dass die Europäische Zentralbank ihren vorsichtigen Ausblick auf Zinserhöhungen bald kassieren könnte. Deutsche-Bank-Analyst Jim Reid verwies auf die Overnight-Index-Swaps, die nur noch mit 36 Basispunkten für EZB-Zinserhöhungen bis zur Dezember-Sitzung rechnen. „Man bedenke, dass nach der letzten Sitzung und dem US-VPI-Bericht bis zum Jahresende Erhöhungen im Wert von über 50 Basispunkten eingepreist waren, was angesichts des Einlagensatzes von minus 0,5 Prozent ein mögliches Ende der negativen Zinsen implizierte“, so Reid.

Auch ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski rechnet mit weitreichenden Folgen für die Finanzmärkte im Falle einer weiteren Zuspitzung. „Wir wollen nicht über die nächsten Schritte in der Russland-Ukraine-Krise spekulieren, aber es ist klar, dass die neue Unsicherheit die Stimmung in der Wirtschaft belastet und es die Kaufkraft dämpft, wenn die Energiepreise weiter steigen“, so Brzeski. Die Unternehmensinvestitionen könnten wegen der angespannten Lage vorübergehend sinken.

Krypto runter, Gold rauf

Die Verunsicherung ist auch in der Kryptowelt zu spüren. Der Bitcoin reagierte auf die russischen Ankündigungen mit dem tiefsten Stand seit mehr als zwei Wochen. Die Kryptowährung fiel den sechsten Tag in Folge und erreichte nur noch 36.372 Dollar. Andere Kryptowährungen wie Ether gaben um bis zu 2,9 Prozent und XRP um bis zu 6,7 Prozent nach.

Die Entwicklung dürfte das Argument untergraben, dass Kryptowährungen in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten einen Zufluchtsort darstellen. Das ist für die Anleger nämlich nach wie vor Gold. Das Edelmetall hat den höchsten Stand seit vergangenem Juni erreicht. Eine Feinunze Gold kostete am Dienstag mehr als 1900 Dollar.


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