Geldanlage Mit Essen spekuliert man nicht

Dürre in Deutschland
Dürre in Deutschland
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Extreme Wetterlagen wie die derzeitige Dürre und Hitzewelle nehmen zu und sorgen für Ernteausfälle. Wer ohne schlechtes Gewissen in den Agrarsektor investieren will, sollte sich abseits von Weizen und Co. umschauen

In der kommenden Woche soll es weiter heiß bleiben in Deutschland. Temperaturen um die dreißig Grad, kein Regen außer einiger lokaler Gewitter – was Freibad-Fans freut, wird für Landwirte immer mehr zum Problem. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat es in Deutschland so wenig geregnet wie lange nicht mehr. Auf den Feldern verdorrt das Getreide, die Futterreserven für Nutztiere werden knapp. Der Deutsche Bauernverband warnt vor der womöglich schlechtesten Ernte des Jahrhunderts. In vielen anderen Ländern Europas sieht es kaum besser aus. Agrarexperten rechnen EU-weit mit Ernteeinbußen bei fast allen wichtigen Feldfrüchten.

Europas Bauern leiden unter der Dürre, US-Landwirte unter dem von Präsident Donald Trump angezettelten Handelskrieg mit China. Als Vergeltung für Trumps Strafzölle auf diverse chinesische Importgüter hat Peking seinerseits höhere Abgaben auf ausgewählte US-Agrarprodukte verhängt, darunter Sojabohnen, Hirse und Schweinefleisch. Die US-Regierung hat angekündigt, die betroffenen Landwirte mit Milliardensubventionen zu unterstützen.

Anlegern eröffnen Ernteeinbußen und Handelsstreitigkeiten Chancen – zumindest auf kurze Sicht. So hat beispielsweise der Weizenpreis in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt. Auch die Preise für Mais und andere Agrarrohstoffe sind im Aufwind. Auf lange Sicht sind Agrar-Investments allerdings problematisch.

Zwei Dinge sprechen dafür, dass sich die Zeiten klassischer Agrar-Anlagen dem Ende zuneigen: Erstens dürften die Kurse in Zukunft heftiger schwanken, weil das Wetter und damit die Ernte immer unsteter wird. Zweitens gilt die die elterliche Weisheit „Mit Essen spielt man nicht“ mehr denn je. Das Investitionsgut ist hier nämlich für andere ein Abendessen. Spekulationen treiben die Preise für Agrarrohstoffe in Phasen der Knappheit zusätzlich in die Höhe. Investments in den Weizen- oder Maispreis passen nicht in eine Zeit, in der immer mehr Menschen bei der Geldanlage ökologische und ethische Kriterien berücksichtigen.

Wachstumsmarkt für neue Lebensmittel

Sollten Anleger also gar nicht mehr in Agrarrohstoffe investieren? Nein. Sie müssen nur genauer hinschauen. Wie ethisch vertretbare Agrar-Investments aussehen können, zeigt etwa ein Blick auf den Fonds DJE Agrar & Ernährung. Der Fonds von DJE Kapital feierte im Juni sein zehnjähriges Bestehen. Manager Jörg Dehning kauft Aktien von Unternehmen, die direkt oder indirekt in der Agrar- oder Nahrungsmittelbranche tätig sind. Aus ethischen Gründen verzichtet er auf den Kauf physischer Rohstoffe und Derivate.

Ein Wachstumsmarkt seien vielmehr gesundheitsfördernde und biologisch erzeugte Lebensmittel, sagt Dehning. Als Beispiel nennt er glutenfreie Snacks. Auch Aromen, Süß- und Farbstoffe gewännen an Bedeutung. „Die großen Nahrungsmittelkonzerne kommen nicht umhin, ihr Sortiment entsprechend anzupassen“, ist der Fondsmanager überzeugt. Zugleich müssten Landwirte effizienter arbeiten. „Entsprechend betrachten wir Aktien von Unternehmen als aussichtsreich, deren Landtechnikangebote mit Hilfe sogenannter Precision-Farming-Optimierungen Anbaufortschritte versprechen.“

Auch Star-Fondsmanager Hendrik Leber findet Agrarunternehmen interessant, die auf höhere Effizienz setzen und auf neue Wege, den Welthunger zu stillen. Der Chef der Value-Investing-Boutique Acatis denkt dabei etwa an Fleisch aus der Retorte, an innerstädtische Gewächshäuser, smarte Ackergeräte und genmanipulierte Lachse, die besonders schnell wachsen und besonders groß werden. Gentechnisch veränderte Fische mögen nicht jedem Investor behagen. Aber: Wer in derlei Innovationen investiert statt in Weizen und Mais, spielt zumindest nicht mit dem Essen der Ärmsten.



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