GeldanlageMedizintechnik-Aktien: mehr als nur Corona

Eine Besucherin schaut sich einen MRT-Scanner am Stand von Siemens Healthineers auf der 3. China International Import Expo (CIIE) in Schanghai an
Eine Besucherin schaut sich einen MRT-Scanner am Stand von Siemens Healthineers auf der 3. China International Import Expo (CIIE) in Schanghai anIMAGO / VCG

Die Corona-Krise hat die Medizintechnik-Branche in Bewegung versetzt: Impferfolge, neue technologische Errungenschaften, Übernahmen, erhöhte Umsatzprognosen – die Zeitungen überschlagen sich geradezu. Zuletzt hatte vor allem Siemens Healthineers die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen. Dem deutschen Medizintechnikkonzern gelang die milliardenschwere Übernahme des US-amerikanischen Strahlentherapie-Spezialisten Varian. Damit hat die Siemens-Tochter ihr Portfolio maßgeblich erweitert und ihren Stellenwert in der Branche gestärkt. Der Konzern kann künftig das gesamte Spektrum der Krebsbehandlung anbieten – ein Thema, das die Menschheit wohl so schnell nicht loslassen wird.

Das Corona-Jahr 2020 hat gezeigt: Anleger sollten Medizintechnik auf dem Schirm haben. Nicht umsonst hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gerade erst 20 Mio. Euro in Vorhaben zum Thema Medizintechnik und Diagnostik investiert. Die geförderten Unternehmen decken eine große Bandbreite an Technologien ab, von digitaler Pandemiekontrolle über Beatmungsgeräte bis hin zu Luftentkeimungssystemen. Das zeigt, wie vielfältig der Markt ist.

Auch wenn Medizintechnik-Aktien schon seit Monaten gut laufen, ist der Zeitpunkt für einen Einstieg noch nicht vorbei. „Als Anleger sitzt man in diesem Sektor strategisch günstig. Zumal die Bewertungen noch verhältnismäßig moderat erscheinen“, sagt Michael Thaler, Vorstand beim Vermögensverwalter Top Vermögen aus München. Die Branche bietet nach wie vor gute Einstiegskonditionen mit der Aussicht auf langfristiges Wachstum.

Siemens Healthineers: Aktie mit Luft nach oben

Bei Siemens Healthineers haben Anleger die Varian-Übernahme offenbar noch nicht eingepreist. Zumindest blieb der Höhenflug beim Kurs der Aktie bislang aus. Was die Siemens-Tochter zusätzlich interessant macht, sind innovative Problemlösungen, die bereits in der Pipeline stecken. Noch in diesem Frühjahr bringt das Unternehmen das Analysesystem Atellica VTLi2 auf den Markt, das Herzinfarktdiagnosen beschleunigen soll. Auch die Antigen-Schnelltests in der Corona-Pandemie sind dem Geschäft des Unternehmens zuträglich, denn Siemens Healthineers hat einen eigenen Schnelltest auf dem Markt und erwartet daraus 300 bis 350 Mio. Euro Umsatz für das laufende Geschäftsjahr. Derzeit notiert die Aktie des Konzerns bei rund 47 Euro. Marktexperten raten zum Kauf: Die Commerzbank hat das Kursziel auf 54 Euro gesetzt, die US-Bank JP Morgan sogar auf 55,30 Euro.

Siemens Healthineers Aktie

Siemens Healthineers Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Fresenius: zuverlässiger Dividendenzahler

Ein weiterer Titel mit Aussicht auf steigenden Kurs ist Fresenius. Der Medizintechnikkonzern ist breit aufgestellt: Zum Unternehmen gehören OP-Robotertechnik-Hersteller Helios, Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) sowie Infusionsspezialist Kabi und Klinikdienstleister Vamed. So kann Fresenius schwache Wachstumsentwicklungen in einem Bereich idealerweise mit einem anderen Segment ausgleichen. Auch die Anstellung des ehemaligen Siemens-Healthineers-Managers Michael Sen als Vorstand von Kabi bewerten Experten dank Sens Erfahrung positiv.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 ist die Fresenius-Aktie günstig. Das hat Gründe: Vor allem FMC erwartet in diesem Jahr aufgrund der Pandemie Gewinneinbußen von bis zu 25 Prozent. Insgesamt raten Analysten dennoch zum Kauf. Die britische Investmentbank Barclays hat das Zwölf-Monats-Kursziel zwar gerade von 50 auf 52 Euro korrigiert. Angesichts des aktuellen Preises von 39,90 Euro wären das aber noch immer gute Aussichten. Auch in Sachen Dividende ist Fresenius zuverlässig. Diesen Mai werden die Aktionäre 88 Cent je Aktie erhalten und dürfen sich damit über die 28. Erhöhung in Folge freuen.

Fresenius Aktie

Fresenius Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Qiagen: gute Geschäfte in der Pandemie

Ebenfalls einen Blick wert ist Qiagen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hilden bei Düsseldorf bietet Probenvorbereitungs- und Testtechnologien für Molekularbiologieanwendungen an. Es profitierte nach einer Schwächephase zuletzt von der Pandemie. Dank der hohen Nachfrage nach Labormaterialien, Tests und Reagenzgläsern konnte Qiagen seine Umsatzerlöse im Jahr 2020 von zuvor rund 1,5 Mrd. Euro auf 1,8 Mrd. Euro steigern.

Der Kurs der Qiagen-Aktie schwankt seit einem Jahr zwischen knapp unter 40 und 46 Euro. Derzeit notiert der Titel bei 40,70 Euro, doch das dürfte noch nicht Ende der Fahnenstande sein, erwarten Marktbeobachter. Die Deutsche Bank und die Commerzbank geben eine Kaufempfehlung. Das Kursziel setzte die Commerzbank dabei zuletzt auf rund 60 Euro.

Qiagen Aktie

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