AktienKrisenstimmung bei Türkei-Fonds

Es gab einmal eine Zeit, da galt Recep Tayyip Erdogan als Vater des türkischen Wirtschaftswunders. Seine liberale Wirtschaftspolitik kam einheimischen Unternehmen zugute und lockte internationale Investoren ins Land. Analysten sagten der Türkei eine glänzende wirtschaftliche Zukunft voraus. Nun hat sich die Lage gedreht. Erdogans immer vehementeres Vorgehen gegen Oppositionelle und Journalisten verschreckt Anleger und lässt nichts Gutes für die Zukunft erwarten.

Die Wirtschaft in der Türkei schwächelt indes nicht erst seit dem missglückten Militärputsch. Das Wirtschaftswachstum bleibt bereits seit Jahren hinter den Erwartungen zurück. Fonds, die in türkische Aktien investieren, machten in den vergangenen drei Jahren im Schnitt rund sechs Prozent Minus pro Jahr. In den vergangenen zwölf Monaten verloren sie im Schnitt 2,2 Prozent an Wert.

In den kommenden Monaten könnten die Verluste noch höher ausfallen. Im Aktienindex MSCI Turkey, den viele Türkei-Fonds als Benchmark nutzen, haben Banken und Finanzdienstleister mit rund 44 Prozent das mit Abstand größte Gewicht. Analysten warnen: Geht es mit der türkischen Wirtschaft bergab, könnten Banken besonders stark unter Druck geraten, ihre Aktienkurse fallen.

Finanztitel haben großes Gewicht

Die meisten Türkei-Fonds haben Finanztitel gegenüber dem Vergleichsindex deutlich untergewichtet. Trotzdem sind die Papiere in der Regel ein großer Posten im Portfolio – und damit derzeit ein erhebliches Risiko. So machen Finanztitel beim Drei-Jahres-Sieger, dem UBAM Turkish Equity, aufgelegt vom französischen Anbieter Union Bancaire Privée, rund 38 Prozent des Portfolios aus.

Und noch ein Faktor dürfte Türkei-Fonds in der kommenden Zeit belasten, falls das türkische Wirtschaftswachstum wie befürchtet weiter ins Stocken gerät: Nicht nur Finanztitel haben in den Portfolios ein vergleichsweise großes Gewicht, sondern auch andere Papiere, die bei Konjunktureinbrüchen besonders stark leiden – darunter Aktien aus den Branchen zyklische Konsumgüter, Baustoffe und Immobilien. Das hängt mit der Zusammensetzung der Benchmark zusammen, und damit letztlich mit der Struktur der türkischen Wirtschaft.

Ein Investment in ein einzelnes Land ist immer mit vergleichsweise großen Risiken verbunden. Darüber hinaus ist die Türkei für viele deutsche Anleger kein besonders interessantes Investmentterrain. Das zeigt sich darin, dass es auf dem deutschen Markt überhaupt nur eine Handvoll Fonds gibt, die sich auf türkische Aktien spezialisiert haben. Im laufenden Jahr spricht angesichts der gestiegenen Risiken kaum etwas dafür, einen speziellen Türkei-Fonds zu kaufen.