KolumneHoffentlich kommt der Crash

Aktienhändler in New York: Profiinvestoren trauen dem Aufschwung an den Märkten nicht
Aktienhändler in New York: Profiinvestoren trauen dem Aufschwung an den Märkten nichtimago images / Xinhua

Stellen Sie sich vor, Sie gehen als Trainer in eine Bundesligasaison und prognostizieren ihrem Team in jedem Spiel einen 5:0-Sieg. Bloß vergessen Sie dabei, dass die Gegner einen Torwart im Tor haben. Ungefähr so agierten viele Crash-Propheten im März 2020. Als die Corona-Krise an den Märkten auf dem Höhepunkt war, sagten sie zwischen 8000 und 9000 Punkten im Dax noch einen Absturz auf 5000 oder 6000 Punkte voraus. Wohlgemerkt nachdem der Markt schon von 13.800 auf 8200 Zähler korrigiert bzw. gecrasht hatte.

Dummerweise fanden genau zu diesem Zeitpunkt prozyklisch viele Anleger den Weg zu Aktienfonds, die nach dem Vorhersagesystem eines Crash-Propheten wie Dirk Müller funktionierten. Dessen Fonds, der Dirk Müller Aktien Premium, liegt im Monatsvergleich, auf sechs Monate, auf ein Jahr und auf fünf Jahre gerechnet im Minus. Im März jedoch sah der Fonds ausgesprochen gut aus, weil er den Dax-Crash vollkommen unbeschadet überstanden hatte. Danach jedoch lief die Performance zum Dax und zu unserem Portfolio wieder extrem auseinander. Denn der Torwart kam ins Spiel und schickte die Investoren in einen frustrierenden Hoffnungslauf auf einen zweiten Dax-Crash.

Dirk Müller Premium Aktien R Fonds

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Kursanbieter: L&S RT

Denn die Short-Spekulanten – auch Crash-Prognostiker genannt – wollten ihr Weltbild durchdrücken, das wahlweise auf dem Zusammenbruch des Euro, der Wirtschaft im Allgemeinen oder ganzer Systeme beruht. Der Torwart jedoch parierte die Angriffe der Crash-Spekulanten perfekt und leitete sogar eigene Angriffe ein, um im Bild zu bleiben. Der Torwart kommt und kam in Form der US-Notenbank daher. Sie pumpt soviel Geld in den Markt, dass der Dax seit dem Tief im März knapp 60 Prozent in der Spitze klettern konnte während der Dirk Müller Aktien Premium – ausgesprochen beliebt unter privaten Anlegern  – 15 Prozent einbüßte. Ein Unterschied von rund 70 Prozent in der Performance zum Dax-ETF LYX0AC von Lyxor.

Dabei ist die Analyse vieler Crash-Prognostiker nicht einmal falsch. Sie zeigen Charts, die ihre Berechtigung haben, sie verweisen auf Missstände und beklagen Bewertungen an den Märkten, die aus dem Ruder laufen. Der wesentliche Unterschied zu unserem Ansatz im Börsendienst ist aber – wir berücksichtigen den Torwart, sprich die Notenbanken. Man muss nicht gut finden was sie tun, doch in der Vermögensanlage die Notenbanken zu bekämpfen oder zu ignorieren ist einfach verdammt teuer. Deshalb raten wir zu Augenmaß ohne dogmatisch zu sein. Übrigens finden wir gegenwärtig, dass man wirklich Haltenetze im Depot einziehen sollte und die Cash-Quote merklich erhöhen muss.

Bei 8500 Punkten im Dax waren wir jedoch voll investiert, da für uns das Chance-Risiko-Verhältnis so gut aussah wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das kann man jetzt bei knapp 13.000 im Dax nicht mehr behaupten und das unterstreicht auch die Behavioral Finance, einer unserer Leitfäden für einen vernünftigen Vermögensaufbau. Damit man analog zum Fußball mit seinem Depot das Spielfeld vor sich hat und nicht aus der Defensive agieren muss nach dem Motto: Hoffentlich kommt der Crash Part II.

 


Daniel Saurenz betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus