AktienHandelsstreit erfasst Luxusgüteraktien

US-Präsident Donald Trump (R), flankiert vom CEO von LVMH (Louis Vuitton Moet Hennessy) Bernard Arnault, spricht am 17. Oktober 2019 während eines Besuchs der neuen Louis Vuitton Fabrik in Alvarado (40 Meilen südlich von Fort Worth), Johnson County, Texas.
Das war die Welt noch in Ordnung: Im Oktober eröffneten LVMH-Chef Arnault (l.) und US-Präsident Trump ein Werk des Luxusgüterkonzerns in TexasGetty Images

Es ist noch nicht lange her, da zeigten sich Donald Trump und Bernard Arnault, Chef des französischen Luxusgüterherstellers LVMH, in trautem Einvernehmen. Im Oktober eröffneten die beiden Männer gemeinsam ein neues Werk für Louis-Vuitton-Handtaschen im US-Bundesstaat Texas. In den vergangenen Tagen dürfte ihre Beziehung indes abgekühlt sein: Zoll-Drohungen des US-Präsidenten gegenüber Frankreich haben die Aktienkurse von LVMH und anderen französischen Luxusgüterkonzernen absacken lassen.

Der Hintergrund: Frankreich verlangt seit Sommer dieses Jahres eine Digitalsteuer von großen Internetkonzernen. Die Steuer in Höhe von drei Prozent pro Jahr trifft vor allem US-Konzerne wie Google, Amazon und Facebook. Washington wirft der französischen Regierung deshalb vor, gezielt US-amerikanische Unternehmen zu diskriminieren. Nun hat die US-Regierung zum Gegenschlag ausgeholt. Am Montag kündigte Trump an, Strafzölle in Höhe von bis zu 100 Prozent auf französische Importe im Wert von 2,4 Mrd. US-Dollar prüfen zu lassen. Laut einer Liste des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer gehören zu den betroffenen Gütern neben Erzeugnissen wie Roquefort-Käse und Champagner auch Kosmetika und Luxusgüter wie Handtaschen.

Luxusgüterkonzerne unter Druck

Nach den Drohungen aus dem Weißen Haus fiel der Aktienkurs der Louis-Vuitton-Mutter LVMH Anfang laufender Woche um knapp zwei Prozent. Um etwa ebenso viel gaben die Aktien der Gucci-Mutter Kering nach. Beim Luxusgüterhersteller Hermès ging es rund 2,5 Prozent abwärts. Der Zoll-Streit trifft die französischen Luxusgüterkonzerne zu einer Zeit, in der es für sie an der Börse eigentlich gut läuft: Nach einem schwachen zweiten Halbjahr 2018 haben die Aktienkurse vieler Luxusgüterhersteller im Laufe dieses Jahres deutlich angezogen. Der Sektor-Index S&P Global Luxury, der die Aktien der 80 größten Luxusgüterkonzerne enthält, hat in den vergangenen zwölf Monaten um rund 16 Prozent zugelegt. Auf kurze Sicht zeigt der Index nun einen deutlichen Knick.

LVMH – Moet Hennessy Louis Vuitton Aktie

LVMH - Moet Hennessy Louis Vuitton Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RTWeder die USA noch Frankreich wollen im Zoll- und Steuer-Streit nachgeben. Die USA gingen lediglich gegen Steuern vor, die US-Unternehmen „übermäßig belasten“, schreibt Lighthizer in einer Erklärung. Er wirft den EU-Mitgliedern vor, zunehmend protektionistisch zu agieren. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire verurteilt die Zolldrohungen aus Washington scharf. Von der Digitalsteuer abrücken will die französische Regierung nicht. Die EU hat signalisiert, Frankreich zu unterstützen, und will Gespräche mit den USA aufnehmen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Kursrücksetzer zum Einstieg nutzen

Trotz der vertrackten handelspolitischen Lage geben sich Marktbeobachter optimistisch, dass es für Luxusgüteraktien bald wieder aufwärts geht. Anleger könnten den Trump-Knick also zum Einstieg nutzen. Der Broker Kepler Capital Markets hat für die Kering-Aktie ein Kursziel von 600 Euro ausgegeben und rät zum Kauf. Aktuell steht der Titel bei rund 546 Euro. Auch die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs und des Brokers Sanford C. Bernstein haben die Aktie der Gucci-Mutter auf „kaufen“ gesetzt.

LVMH dürfte für Anleger ebenfalls interessant bleiben. Die Aktie des Konzerns ist seit Jahresbeginn kräftig gestiegen, der Zoll-Streit dürfte den Aufwärtstrend nach Einschätzung von Analysten nicht abwürgen. Auf kurze Sicht könnte sich im LVMH-Aktienkurs allerdings bemerkbar machen, dass die jüngsten Umsatzzahlen von Tiffany überraschend schwach ausgefallen sind. Die Louis-Vuitton-Mutter hatte den Juwelier im vergangenen Monat für rund 16 Mrd. US-Dollar übernommen.