VermögenGlobal Wealth Report: die neuen Ultra-Superreichen

Streetart mit Dagobert DuckIMAGO / Steinach

Etwa 60.000 Menschen gehörten im vergangenen Jahr zu einem der exklusivsten Clubs der Welt. Es sind die Superreichen, auch als „Ultra High Net Worth Individuals“ bezeichnet. Pandemie hin oder her: Ihre Zahl stieg dank boomender Aktienmärkte und weiter steigender Immobilienpreise sogar um 10 Prozent gegenüber 2019 an. Um zu diesem Ultra-Club zu gehören, ist ein Netto-Vermögen von mindestens 100 Mio. Dollar nötig. So definiert es jedenfalls die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BGC) in ihrem aktuellen Global Wealth Report.

In Deutschland gehören laut BGC 2900 Menschen dem Ultra-Club an, die etwa 20 Prozent des Vermögens auf sich vereinen. (Der gesamte Report ist aus Vergleichsgründen in Dollar gerechnet). Kleinanleger („Retail“) mit einem Vermögen bis 250.000 Dollar (205.000 Euro) gibt es hierzulande hingegen rund 66,6 Millionen, die sich 45 Prozent des Gesamtvermögens teilen müssen. Der Rest entfällt auf drei weitere Reichen-Gruppen gemäß BCG-Definition. Demnach sind 2,5 Millionen Menschen wohlhabend (250.000 bis 1 Mio. Dollar), 524.000 Menschen gehören zur unteren Millionärskaste (1 bis 20 Mio. Dollar) und 14.900 zur oberen Millionärsklasse (20 bis 100 Mio. Dollar).

Über alle Klassen hinweg ist das Finanzvermögen der Deutschen aus Bankguthaben und Wertpapieren im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Ihr Finanzvermögen wuchs um sechs Prozent auf 9 Billionen Dollar (7,4 Billionen Dollar), hinzu kommt ein Sachvermögen (Immobilien, Unternehmensbesitz, Immobilien, Kunst etc.) von 13 Billionen Dollar. Abzüglich der privaten Schulden von 2,4 Billionen Dollar besitzen die deutschen Haushalte somit rund 19,6 Billionen.

BCG nennt zwei Gründe für den deutlichen Anstieg des Finanz- und Sachvermögens: Zum einen legten viele Haushalte während der Lockdown-Phasen viel Geld zur Seite, zum anderen stiegen Aktienkurse und Immobilienpreise weiter an. Wie sich das Vermögen in den einzelnen Wohlstandsklassen veränderte, dazu macht der BCG-Bericht keine Angaben. „Traditionell investieren die Deutschen lieber in Immobilien als in Wertpapiere“, sagt Anna Zakrzewski, BCG-Partnerin und Autorin der Studie. „Gleichzeitig sparen Anlegende in Deutschland überdurchschnittlich stark.“

So wie in Deutschland stieg weltweit der Reichtum im Pandemie-Jahr 2020 kräftig an. Finanzvermögen und Sachwerte summieren sich laut der BCG-Studie auf 431 Billionen US-Dollar, was einem Wachstum um 8,3 Prozent entspricht. „Der Grund für diesen Rekordzuwachs sind nicht nur die äußerst robusten Aktienmärkte“, sagte Zakrzewski. Der Industrieländer-Index MSCI World hatte im vergangenen Jahr um rund zwölf Prozent zugelegt, trotz seines zeitweilig kräftigen Einbruchs im März.

Deutschland auf Rang drei

Die meisten Superreichen leben nach wie vor in den USA, dort hat BCG rund 20.600 davon gezählt. Auf dem zweiten Platz folgt inzwischen China mit 7800 Ultra-Reichen, Deutschland belegt den dritten Platz mit 2900. Es folgen Frankreich (2500), das Vereinigte Königreich (2100) sowie Hongkong und Kanada mit jeweils 1900.

Die Zahl der Superreichen wächst kontinuierlich, in den vergangenen fünf Jahren hat sie Jahr für Jahr um rund zehn Prozent zugelegt. Im vergangenen Jahr durchbrachen allein in Deutschland 170 Vermögen die Schallmauer von 100 Mio. Dollar. Die Studie spricht von den „neuen Ultras“, einer exklusiven Gruppe von gut 60.000 Menschen, die rund 15 Prozent des weltweiten Vermögens besitzen. BCG rechnet damit, dass das von der Kommunistischen Partei regierte China bis zum Ende des Jahres die USA als Heimat der meisten Superreichen überholt haben wird. Die reichsten Chinesen würden dann, wenn sich das Wachstum der Vorjahre fortsetzt, ein Vermögen von 10,4 Billionen Dollar besitzen.

Mit dem Aufstieg der „neuen Ultras“ ändert sich der Studie zufolge auch der Charakter der Vermögensanlage. „Diese Personen zwischen 20 und 50 Jahren haben einen längeren Anlagehorizont, eine größere Risikobereitschaft und oft den Wunsch, mit ihrem Vermögen nicht nur solide Renditen zu erwirtschaften, sondern auch einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen“, heißt es. „Viele Vermögensverwalter sind noch nicht bereit, diese neuen Ultras zu bedienen.“

 


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