BCG-Vermögensbericht Privatvermögen in Deutschland steigt auf mehr als 20 Billionen Dollar

Superyachten liegen im Hafen von Antibes
Milliardärskai: Superyachten liegen im Hafen von Antibes
© IMAGO / Andia
Mehr als 3000 Superreiche besitzen in Deutschland ein Fünftel des Privatvermögens. Eine neue Studie prognostiziert: Ihre Zahl wird weiter deutlich steigen. Was aus dem BCG-Vermögensbericht sonst noch hervorgeht

Das weltweite Finanzvermögen ist auch im zweiten Jahr der Coronapandemie ungebrochen gestiegen und hat einen neuen Rekordwert erreicht. Die globale Summe privater Bankguthaben, Wertpapiere und Lebensversicherungen stieg 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent auf 274 Billionen Dollar – so stark wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Das geht aus dem jüngsten Vermögensbericht der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor, der heute veröffentlicht wird. Zugleich stieg das Realvermögen – also Anlagen in Sachwerte wie Immobilien oder Gold – um 9,4 Prozent auf 256 Billionen Dollar an.

Insgesamt erfuhr das Nettogesamtvermögen aus Finanzanlagen und Sachwerten zusammen 2021 global eine Steigerung um 10,3 Prozent auf ein Rekordniveau von 473 Billionen Dollar. „Grund für das starke Wachstum waren vor allem steigende Aktienkurse, befeuert von guten Unternehmensergebnissen“, sagt Anna Zakrzewski, BCG-Partnerin in Zürich und verantwortlich für das Thema Vermögensverwaltung. „Doch auch Sachwerte sind bei Privaten sehr beliebt – das Interesse von Investorinnen an Immobilien, Wein, Kunst und anderen physischen Anlagen wird immer größer.“

Ein beträchtlicher Teil des Privatvermögens liegt in den Händen von Superreichen. Diese so genannten „Ultra High Net Worth Individuals“ mit Finanzwerten von 100 Mio. Dollar und mehr halten einen Anteil von rund 13 Prozent. Geografisch verteilt sieht der Global Wealth Report 2022 das meiste Privatvermögen in den USA konzentriert, gefolgt von China, Japan und Großbritannien. Deutschland liegt, gemessen am Finanzvermögen in der Liste der reichsten Länder damit auf Platz fünf.

Von den Superreichen entfallen die meisten auf die USA und auf China. Deutschland steht hier an dritter Stelle mit 3100 Superreichen und einem Anteil von 21 Prozent am gesamten deutschen Privatvermögen. Diese Ultrareichen sind auch im zweiten Coronajahr noch einmal reicher geworden. Tatsächlich stieg ihre Zahl hierzulande in drei Jahren von 2400 auf mehr als 3000 an – und nach den Prognosen von BCG werden dem Club bis 2026 voraussichtlich fast 4000 Millionäre und Milliardäre angehören. Einen Anteil von sieben Prozent am Privatvermögen halten 14.700 Reiche in der Kategorie darunter, die 20 bis 100 Millionen Dollar ihr Eigen nennen.

Deutsche werden reicher

Insgesamt halten Millionäre weltweit mehr als die Hälfte des gesamten Finanzvermögens. Auch in Deutschland werden die Menschen reicher, aber weniger stark als im globalen Schnitt. Das Finanzvermögen stieg um acht Prozent auf jetzt über 9 Billionen Dollar. In den fünf Jahren seit 2016 entspricht das einer Steigerung von jährlich 5,7 Prozent.

Die Sachwerte entwickelten sich noch positiver: nämlich um elf Prozent auf 13 Billionen Dollar. Abzüglich der Schulden von 2,3 Billionen US-Dollar haben private Haushalte in der Bundesrepublik also ein Gesamtnettovermögen von knapp 20 Billionen US-Dollar.

Die Deutschen bleiben sachwertverliebt, hierzulande werden 20 Prozent der westeuropäischen Sachvermögen gebündelt. Ihr Wert steigerte sich in den fünf Jahren bis 2021 um jährlich 6,4 Prozent. Von den Finanzwerten befinden sich nach wie vor 40 Prozent des Privatvermögens in Spareinlagen oder Bargeld, 25 Prozent in Aktien und Fonds sowie 34 Prozent in Lebens- und Rentenversicherungen.

Das stärkste regionale Wachstum verzeichneten der Studie zufolge Osteuropa und Zentralasien mit einer Steigerung um 23 Prozent auf 12 Billionen Dollar. Doch auch Nordamerika legte bei den Privatvermögen kräftig zu: um 15 Prozent auf 159 Billionen Dollar. Damit bleibt Nordamerika die Region mit dem höchsten Privatvermögen, gefolgt von Asien (plus 7 Prozent, 127 Billionen Dollar) und Westeuropa (plus 8 Prozent, 106 Billionen Dollar).

Für bemerkenswert halten die Studienautoren die Erkenntnis, dass die Finanzmetropole Hongkong die Schweiz voraussichtlich 2023 als wichtigster Finanzplatz für ausländische Vermögen ablösen wird. „In der Vermögensverwaltung ist das eine Zeitenwende – die Schweiz hat den Markt für ausländisches Geld mehr als 200 Jahre lang dominiert. Diese Dominanz endet nun“, so Studienautorin Zakrzewski.

Wachstumsprognose trotz Ukrainekrieg

Laut dem Ausblick der Studie dürften die weltweiten Privatvermögen in den kommenden fünf Jahren trotz Krieg in der Ukraine und anhaltendem Inflationsdruck um fünf Prozent jährlich wachsen. Bis 2026 wird ein globales Nettoprivatvermögen von 610 Billionen Dollar vorhergesagt, während in Europa der Zuwachs geringer ausfallen dürfte: von 106 Billionen 2021 auf 129 Billionen 2026. In Deutschland wird ein Wertzuwachs der Gesamtvermögen auf etwa 25 Billionen erwartet, wobei die Finanzvermögen um jährlich noch 4,1 Prozent zulegen dürften (3,8 Prozent bei einem längeren Krieg) – und die Sachvermögen um 4,5 Prozent im Jahr (4,1). Der größte Wachstumsmarkt für das Finanzvermögen sei Asien und Ozeanien (ohne Japan).

Dabei beleuchten die Autoren der Studie zwei Varianten zur weiteren Entwicklung: In einem Basisszenario wirkt sich der Ukrainekrieg 2022 und 2023 negativ auf die Weltweltwirtschaft aus, die Normalisierung beginnt im Jahr darauf. Allerdings werden die Effekte stark regional ausgeprägt sein – positiv wie negativ. Die Inflationskurve wird demnach 2023 flacher, bleibt aber auf hohem Niveau, bei allmählich steigenden Zinsen. Auf den Kapitalmärkten wird nach einer schwachen Performance 2022 eine Erholung in den beiden Jahren darauf erwartet – und eine Rückkehr zur Vorkriegsform 2025. Für den Fall eines länger dauernden Kriegs werden global fünf Prozent weniger Wachstum 2022 vorhergesagt, jeweils zehn und sieben Prozent 2023 und 2024 bei anhaltend steigender Inflation und Zinsen.

Kryptomarkt wächst

Etwa 1 Billion Dollar Vermögen in Kryptowährungen halten derzeit nicht konventionelle Vermögensverwalter, heißt es in der BCG-Studie mit Blick auf Bitcoin und andere Digitalwährungen. Bis 2030 könne sich deren Marktkapitalisierung um das Vier- bis Fünffache erhöhen. Studienautorin Zakrzewski: „Fast 80 Prozent der befragten Kunden gaben an, dass sie stärker in Kryptowährungen investieren würden, wenn Vermögensverwalter Beratung dazu anböten.“


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