FondsFondstreue bis die Rendite uns scheidet

Aktienchart
Kaufen und festhalten: Aber manchmal lohnt es sich, die Treue zu einem Fonds auf den Prüfstand zu stellenGetty Images

Bei manchen Feststellungen ist es so, dass man spontan nicht weiß, ob sie als Kompliment gedacht sind oder doch eher als Beleidigung. „Du siehst aber heute wieder gut aus für Dein Alter“, ist unbestritten eine davon. „Für eine Frau kannst Du ziemlich gut einparken“, eine weitere. Eine andere auf Privatanleger bezogene ist diese: „Deutsche Anleger sind bemerkenswert treu und beständig“, stellte jüngst die Ratingagentur Morningstar fest. Sie meinte damit nun gerade nicht die Beharrlichkeit, mit der die Bundesbürger ihr Geld auf dem Girokonto horten oder auf Tagessgeldkonten vor sich hin schmoren lassen – die sie ohne Zweifel haben, wie andere Finanzexperten immer und immer wieder kritisieren. Sondern sie bezog es auf die anhaltende Fondsvorliebe der heimischen Anleger und auf die Frage: Welche Fonds waren 2017 die Favoriten der deutschen Sparer? Für welche Produkte interessierten sie sich also und auf was setzten sie, um ihr Geld zu vermehren?

Kurz gesagt: Es waren im Großen und Ganzen dieselben Flaggschifffonds und großen Namen wie in den Jahren zuvor. Der Flossbach von Storch Multiple Opportunities war zum Beispiel der beliebteste aktive Fonds und er ist auch bereits seit 2014 einer der gefragtesten seiner Kategorie. Der DWS Top Dividende landete direkt dahinter auf Platz zwei, dann folgten DWS Deutschland und Carmingnac Patrimoine. Die langjährigen Fondsdauerfavoriten zogen also erneut das große Interesse auf sich. Sie wurden 2017 nicht nur stark in ihrer Performance beobachtet und auf den Webseiten am häufigsten angeklickt. Sondern bis auf wenige Ausnahmen auch wieder gut gekauft. Aber zahlte sich diese Treue der Fondsanleger nun auch aus?

Genau das sollte ja für Investoren die entscheidende Frage sein und nicht diejenige, ob ein Fonds bei den Käufern gerade beliebt ist, stark beworben und häufig in die Depots gelegt wird. Das nämlich sagt im Grunde nur etwas darüber aus, wie gut der Vertrieb einer Fondsgesellschaft funktioniert. Nicht aber, ob ihr Fondsmanagement gut arbeitet. Und genau deswegen muss man sich die Frage stellen, ob die Eigenschaft „Treue“ als Attribut für einen Privatanleger nun tatsächlich positiv gemeint ist. Denn bei Anlegern und ihren Aktienfonds ist es ein bisschen wie bei einer Liebesbeziehung: Manchmal besteht sie schon sehr lange, macht alle Gezeiten mit und ist intakt. Manchmal aber ändern sich die Zeiten und die Beteiligten und ihre Verbindung hat sich inzwischen irgendwie totgelaufen. Da fragt man sich unweigerlich, ob das weitere Festhalten aus purer Gewohnheit nun wirklich noch Optionen für die Zukunft verspricht. Entgehen einem dadurch nicht bessere Chancen? Und so schwer das in der Partnerschaft oft zu sagen ist, so schwer ist es auch bei Fonds.

Kaufen und möglichst lange halten

Nun ist Beständigkeit ohne Zweifel das, was Profis nicht nur für die Beziehung immer wieder predigen, sondern auch für de Finanzen: Man soll gerade bei Aktien und breit gestreuten Fonds nicht ständig zwischen den Produkten hin und her wechseln, sondern die Papiere lieber kaufen und möglichst lange halten. Das nämlich maximiert statistisch gesehen immer noch am besten die Chancen, nach zwölf bis 15 Jahren eine gute Rendite einzufahren. Alles andere dagegen produziert nicht nur enorme Transaktions- oder Wechselkosten. Sondern es erhöht auch das Risiko, zum falschen Zeitpunkt Papiere zu teuer zu erweben oder in schlechten Marktphasen wieder abzustoßen und damit vermeidbare Verluste zu produzieren. Generell ist das Festhalten an Fondsanlagen also gut.

Aber das heißt nun nicht, dass man jahrelang dieselben Anteile weiter zukaufen muss, die man bereits hat. So wie es viele Anleger entweder bei automatisierten Sparplänen tun. Oder dass man bei jedem Fondskauf aus guter Gewohnheit beim Aufstocken des Depots nur wieder die Klassiker in Betracht zieht. Vor allem dann nicht, wenn sich in der Zwischenzeit herausstellt, dass einige davon längst nicht mehr die Leistungen erbringen, mit denen sie einst in den Bestenlisten landeten und zu den beliebten Fonds avancierten. Der Carmignac ist da ein eindrucksvolles Beispiel: Jahrelang galt er geradezu als Überflieger der Branche und legte Top-Renditen vor. Im vergangenen Jahr aber lief er nur mau, seine Rendite lag bei 0,09 Prozent, ermittelten die Morningstar-Analysten. Das muss man erst einmal schaffen in einem Jahr, in dem der deutsche Aktienindiex rund 15 Prozent zulegte und der Eurostoxx immerhin 10 Prozent. Entsprechend viel Kapital zogen de Anleger auch zum Jahresende aus dem Fonds ab, rund 2,4 Mrd. Euro nämlich.

Auch der DWS Top Dividende lief alles andere als top mit einer Wertentwicklung von 0,63 Prozent. Auch bei ihm reagierten die Anleger prompt und zogen zum Jahresende größere Summen an Kapital ab. Da fragt man sich schon, ob es clever ist, dass viele Anleger ihre Fonds einfach beständig und gewohnheitsmäßig kauften.