Dani Parthum Finanzen für Frauen? Unbedingt – wenn es um Kompetenzen geht

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Die Emotionen schlagen schon mal hoch bei Finanzkursen für Frauen. Da heißt es: „Frauen sind doch nicht doof!“ Solche Aussagen bestätigen, dass Finanzangebote für Frauen einen Nerv treffen und richtig sind

Wer selbstbestimmt leben will, braucht in unserer Gesellschaft Alltagsfinanzwissen genauso wie eine gute Portion Know-how rund um den Aufbau von und den Umgang mit Vermögen. Geld durchzieht unsere Gesellschaft und Wirtschaft wie Blut unsere Körper. Wer deshalb über Finanzen nicht Bescheid weiß, ist abhängig vom Wissen und Wohlwollen anderer und bleibt oft weit hinter den Chancen zurück, die das Leben bietet – wie nach eigenen Vorstellungen und Werten zu leben, eine Firma aufzubauen, persönliche Träume umzusetzen und genug Geld im Alter zu haben, wenn wir nicht mehr für Geld arbeiten wollen oder können. Lebenschancen zu ergreifen. Dahinter steht immer auch finanzielle Selbstbestimmtheit und damit Wissen und Kompetenzen im Umgang mit Geld.

Finanzwissen öffnet Lebensräume

Das fängt klein an mit Fragen, wie das eigene Geld gut strukturiert werden kann, um zum Beispiel Rücklagen zu bilden und Geld als Freude zu begreifen und nicht als Last. Oder der Frage, wie viele Konten sinnvoll sind und wie das mit dem Geld in der Beziehung fair geregelt werden kann, besonders, wenn Kinder geplant sind. Oder: Welche Steuerklassen bewirkt eigentlich was? Warum ist das Abgeben einer Steuererklärung sinnvoll? Wovon lebe ich im Alter? Und was will ich verdienen? Nachdenken über Geld, Sprechen über Geld und die Betrachtung von Geld als persönlicher Lebensressource – all das ist finanzielle Selbstbestimmheit. Das lernen wir nicht in der Schule, sondern durch das Leben. Das Leben von Frauen sah jahrhundertelang Abhängigkeit vor, nicht Selbstbestimmtheit.

Finanzkompetenz durften sich Frauen mehrheitlich in den vergangenen Jahrhunderten nicht aneignen, nicht als Heranwachsende und nicht als Erwachsene. (Ehe-)Frauen in der Bundesrepublik Deutschland beispielsweise wurde bis Ende der 1970er-Jahre die Eigenständigkeit gesetzlich abgesprochen – sie durften einen Nebenerwerbsberuf nur mit Zustimmung des Ehemannes ausüben, kein eigenes Vermögen verwalten und kein eigenes Konto haben. Weibliche Finanz-Realität bedeutete: Haushalten mit zugeteiltem Geld für Familienausgaben und, um adrett auszusehen, verbunden mit genauem Abrechnen mit dem Ehemann.

Diese Rollenzuweisung ist bei uns immer noch tief verwurzelt und zeigt sich an Bemerkungen wie der oben zitierten oder Aussagen wie: Wenn börsenferne Kreise plötzlich in Aktien investierten, ginge eine „Hausfrauenrally“ los und dann wüssten Erfahrene schon Bescheid, nämlich sich möglichst schnell aus Aktien herauszuziehen. Oder es wird der „Geschlechtergraben“ bemüht, der sich vertiefe, wenn Frauen sich mit Finanzen beschäftigten.

Finanzwissen bedeutet auch Macht über sich selbst

Von wirklichen Fachleuten habe ich solche hämischen und ignoranten Bemerkungen noch nicht gehört. Denjenigen, die sich mit Finanzen auskennen, ist klar: Geld ist weder männlich noch weiblich noch divers. Es ist eine Sache, deren Umgang jede und jeder lernen kann und die Macht bedeutet. Macht über andere und, und das ist besonders für Frauen wichtig, Macht über sich selbst.

Wenn sich Frauen also generell mit Finanzen und im Besonderen mit ihrem Geld beschäftigen, schließen sie den Geschlechtergraben aus ungleicher Behandlung und systemischen Nachteilen. Sie tun also das Gegenteil: Sie machen Privilegien sichtbar und erobern sich Chancengleichheit. Gender Pay Gap, Gender Pension Gap und Gender Care Gap – alles strukturelle Benachteiligungen von Frauen, deren Wurzeln in unserer Geschichte, Kultur und Religion liegen. Finanzbildung ist ein Schlüssel, diese Lücken zu schließen, damit Frauen das Geld für ihre Arbeit erhalten, das sie verdienen, um damit das zu tun, was sie für richtig halten.

Das ist dringend notwendig. Denn frühere Gewissheiten, dass die gesetzliche Rente oder das gemeinsame Vermögen mit dem Ehemann im Alter reichen wird, gibt es nicht mehr. Außerdem haben Banken, Vermögensverwalter und Strukturvertriebe Frauen als Absatzzielgruppe entdeckt und bieten seit geraumer Zeit spezielle Finanzprodukte an – wie „Frauenfonds“ oder „Pinke Fonds“. Die speziellen Bedürfnisse von Frauen spielen darin keine Rolle. Sie sind schlicht Neuverpackungen für Abzockereien in der Branche. Es gibt sogar Berichte, dass „Frauenfonds“ teurer sein sollen als vergleichbare Fonds, die Männern angeboten werden.

Angebote zur Finanzbildung für Frauen ermächtigen Frauen also, die technisch-abstrakte Sprache der männerdominierten Finanzwelt zu verstehen und für sich anzuwenden. Und Frauen holen auf. Von den 12,1 Millionen Menschen, die Aktien und Aktienfonds in Deutschland besitzen, sind 4,3 Millionen Frauen, so das Deutsche Aktieninstitut. Tendenz steigend. Langsam zwar, aber steigend. Dazu haben besonders Finanzbloggerinnen und Finanzblogger beigetragen, die sich seit einigen Jahren dem Thema intensiv widmen. Sie haben Interesse geweckt, das Thema greifbar gemacht, Zusammenhänge erklärt, Gespräche angeboten, Netzwerke eröffnet, Alltagsfragen in klarer Sprache erklärt, unabhängig und neugierig.

Für ein selbstbestimmtes Leben

Nur finanzgebildete Menschen gehen mit Geld und Geldanlage so um, dass es für sie gut ist und sich nicht andere an ihnen bereichern. Finanzbildung stützt uns im Leben. Deshalb, Frauen. Ran an die Bildungsangebote! Für mehr Mündigkeit im persönlichen Geldumgang, in der Beziehung, im Job. Für euch und eure Töchter. Damit wir Frauen – gemeinsam mit unseren Männern und Partner:innen – so leben können, wie wir das wollen und nicht, wie andere das für uns vorsehen.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen. Ihre gesammelten Kolumnen für Capital finden sich hier.


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