Aktien Die richtige Chemie für das Depot

BASF-Werksgelände in Ludwigshafen
BASF-Werksgelände in Ludwigshafen
© Arnulf Hettrich / IMAGO
Wachstumswerte bekommen nach einem fantastischen Börsenjahr 2021 einen kräftigen Dämpfer. Ein Grund sind die bevorstehenden Zinserhöhungen. Viele Anleger schichten nun um und greifen zu klassischen Zyklikern, etwa aus der Chemiebranche

Die zyklischen Titel der Chemiebranche kennen Höhen und Tiefen: Zieht die Konjunktur an, steigen auch tendenziell ihre Gewinne. Bereits im vergangenen Jahr stieg der Branchenindex Euro Stoxx Chemicals um starke 17 Prozent, erreichte Anfang dieses Jahres ein Allzeithoch von 1550 Punkten. Und auch im neuen Börsenjahr können Anleger vom weiteren Aufschwung profitieren: „Der Chemiebranche stehen rosige Zeiten bevor“, sagt Branchenexperte Andreas Lipkow von Comdirect.

Dieser Einschätzung schließt sich auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) an. Der VCI prognostiziert für das laufende Jahr einen Produktionsanstieg in der chemisch-pharmazeutischen Industrie um zwei Prozent – und ein Umsatzplus von fünf Prozent auf insgesamt 231 Mrd. Euro. Nachdem der Konjunkturaufschwung im vergangenen Jahr nicht ganz so stark ausgeprägt war wie erhofft, erwarten die Ökonomen, dass er im Frühjahr 2022 nochmal an Fahrt gewinnt. Angetrieben wird die Entwicklung von der Kauflust der Abnehmer. „Bis jetzt konnten die Spezialchemie-Unternehmen besonders vom ersten Konjunkturaufschwung profitieren“, sagt Lipkow. „Zieht die Konjunktur jetzt noch einmal an, wird das der gesamten Chemiebranche Auftrieb verleihen.“ Gerade Chemieunternehmen, die für die Automobilbranche produzieren, werden in seinen Augen weiter stark wachsen.

Selbstläufer sind Investitionen in Chemieunternehmen aber keineswegs. Wie fast alle Branchen hat auch die Chemieindustrie mit Rohstoffmangel und steigenden Einkaufspreisen zu kämpfen. Das könnte sich negativ auf die bevorstehende Berichtsaison und entsprechend auch an der Börse auswirken. Zudem ist der weitere Konjunkturverlauf ungewiss. Wird der Wirtschaftsmotor noch einmal ausgebremst, zum Beispiel durch weitere Lockdowns, würde das die Unternehmen stark treffen. Laut Lipkow ist das aber kein wirklicher Grund zur Sorge: „Für Anleger sind das absolute Kaufkurse.“ Bei Chemieunternehmen gelte „Big is Beautiful“. Soll heißen: Besonders die großen Player dürften weiterhin profitieren.

BASF profitiert vom Aktienrückkauf

Als umsatzstärkster Chemiekonzern weltweit ist besonders BASF ein interessanter Investment-Titel. Die Ludwigshafener verkündeten Anfang dieses Jahres ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von rund 3 Mrd. Euro. Die Papiere des Dax-Konzerns legten daraufhin satte sieben Prozent zu. Zurzeit notiert die Aktie bei rund 67 Euro, was auf Ein-Jahres-Sicht einen Kursverlust von etwa 0,6 Prozent bedeutet. Die große Mehrheit der Analysten rät zum Kauf. Ihre durchschnittliche Kursprognose liebt bei rund 78 Euro.

Auch der Leverkusener Chemiespezialkonzern Covestro gehört zu den Schwergewichten der Branche. Bis jetzt konnte Covestro aber noch nicht vom Konjunkturaufschwung profitieren. Das Dax-Unternehmen verlor innerhalb eines Jahres etwa 7,2 Prozent und notiert zurzeit bei rund 52 Euro. Analysten raten dennoch zum Kauf, ihr mittleres Kursziel liegt bei 66 Euro. Für nachhaltig-orientierte Investoren interessant: Zurzeit stellt das Unternehmen die Weichen für eine grünere Zukunft. Ab dem Jahr 2024 will Covestro jährlich rund 100.000 Tonnen grünen Wasserstoff einkaufen, um CO2-neutraler produzieren zu können.

Das Familienunternehmen Wacker Chemie mit Sitz in München überzeugte vergangene Woche mit den vorläufigen Geschäftszahlen für das Jahr 2021. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf rund 1,5 Mrd. Euro. Im Ein-Jahres-Rückblick stieg das Papier um starke 20 Prozent und notiert zurzeit bei etwa 142 Euro. Wie es weitergeht, bleibt allerdings abzuwarten. Ein Risikofaktor für Wacker ist der Chipindustrie-Zulieferer Siltronic, an dem die Münchener 31 Prozent halten. Siltronic sollte eigentlich an den taiwanesischen Konkurrenten Globalwafers verkauft werden. Die Übernahme könnte nun doch am Widerstand der Bundesregierung scheitern.


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