Wirecard Der nicht ganz freiwillige Rausverkauf von Markus Braun

Markus Braun hat im großen Stil Wirecard-Aktien verkauft
Markus Braun hat im großen Stil Wirecard-Aktien verkauft
© IMAGO / Sven Simon
Noch bevor Markus Braun als Vorstandschef der Wirecard AG zurückgetreten ist, war er kein Großaktionär mehr. Das legen Aktienverkäufe nahe – die nicht ganz freiwillig passiert sind

Noch am vergangenen Freitag hat Capital nachgeschaut, wie hoch der Anteil von Markus Braun an Wirecard ist. 7,07 Prozent groß war zu diesem Zeitpunkt das Paket der MB Beteiligungsgesellschaft, so stand es in der Liste der „Shareholder Structure“ auf der Investoren-Webseite des Konzerns. Heute taucht der Ex-Vorstandschef nicht mehr in der Liste der großen Anteilseigner auf. Offenbar ist sein Anteil unter die Meldeschwelle von drei Prozent gefallen. Markus Braun hat in großem Stile Aktien verkauft – allerdings nicht ganz freiwillig.

Am Dienstagabend liefen auf der Website DGAP (Deutsche Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität) vier Nachrichten ein, die die Aktionärsstruktur auf den Kopf gestellt haben. Das Paket, das Braun in 18 Tranchen außerbörslich auf den Markt gebracht hat, umfasste 5,5 Millionen Aktien. Braun verkaufte zu Preisen zwischen 21,88 Euro und 43,96 Euro je Aktie. Unter dem Strich erhielt er rund 115 Mio. Euro für sein Aktienpaket.

Die Verkaufsorgie startete demnach erst, als die Aktie von ihrem Schlusskurs am Tag zuvor (104,50 Euro) schon knapp 58 Prozent abgegeben hatte. Das war am 18. Juni um 14 Uhr, etwa drei Stunden nach Veröffentlichung der alles entscheidenden Ad-hoc-Mitteilung über die mutmaßlichen Bilanztricksereien. Der Abverkauf endete am Freitag kurz vor Mittag.

Eine Stunde vor seinem Rücktritt als CEO war Braun also bereits kein Großaktionär der Wirecard AG mehr. Sein aktueller Anteil könnte sich auf 2,6 Prozent belaufen – so genau ist das nun nicht mehr ersichtlich. Da er auch nicht mehr im Vorstand der Wirecard AG ist, muss er weitere Verkäufe unterhalb der Drei-Prozent-Schwelle nicht melden. Sollte Braun den Rest behalten haben, beläuft sich sein aktueller Aktienbesitz auf 3,2 Millionen Stück – die immerhin noch mehr als 35 Mio. Euro wert wären.

Das heikle am Verkauf: Braun hat die Aktien nicht freiwillig, sondern aufgrund von „Margin Calls“ verkauft. Das heißt, dass Braun die Aktien auf Pump gekauft haben und die Aktien als Sicherheit hinterlegt haben muss. Als der Kurs des Titels ins Bodenlose fiel, hat ihn sein Broker aufgefordert, die entstandenen Verluste auszugleichen.

Die größten Anteile an dem Skandalunternehmen hält aktuell Blackrock – größtenteils über passive Fonds. Die meisten Stimmrechte halten allerdings die US-Banken Goldman Sachs, Morgan Stanley, die Bank of America sowie die französische Bank Société Générale – über „Instrumente“. Darunter dürften sich auch die Kreditgeber für Brauns Großeignerschaft befinden.

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