KolumneDer Markt für Neobroker kommt wieder in Bewegung

Das Interesse für Neobroker nimmt zu
Das Interesse an Neobrokern nimmt zuIMAGO / Addictive Stock

Kostenlos Aktien und ETFs handeln ist inzwischen kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Der Wettbewerb unter Neobrokern wie Justtrade, Scalable Capital, Trade Republic und Smartbroker nimmt zu. Nur wer schnell wächst und es schafft, zu möglichst geringen Kosten neue Kunden zu gewinnen, dürfte langfristig überleben und viel Geld verdienen. Mit Finanzen.net Zero steigt zudem ein weiterer Anbieter in den Ring, der ähnlich wie Smartbroker auf eine breite Kundenbasis zurückgreifen kann.

Mit der Übernahme von Gratisbroker hat sich Axel Springer nicht lange aufgehalten. Das Startup wurde in Finanzen.net Zero umbenannt, erweitert und soll nun kräftig wachsen. Finanzen.net Zero will ein Stück vom wachsenden Börsenkuchen abbekommen. Es fallen keine Ordergebühren an, aber Trades können derzeit nur über den Handelsplatz gettex/Börse München abgewickelt werden. Doch dem Broker kommt die enge Verzahnung zu Finanzen.net, dem größten Börsenportal Deutschlands zugute. Pro Monat wird die Website von rund sieben Millionen Besuchern aufgerufen.

Smartbroker bereits erfolgreich verzahnt

Wie vorteilhaft eine enge Verknüpfung von Broker und etabliertem Börsenportal sein kann, zeigt seit einigen Monaten wallstreet:online mit seinem Smartbroker. Über das seit Jahrzehnten bekannte Börsenforum wallstreet-online.de können neue Kunden für den Broker begeistert werden. Neben dem Forum gehören inzwischen auch Finanznachrichten.de, BörsenNews und Ariva.de zu wallstreet:online. Ende April handelten bereits 130.000 Kunden beim Smartbroker.

Zur Einordnung: Ende 2020 waren es noch 80.000, innerhalb von vier Monaten wurde somit ein Kundenwachstum von rund 60 Prozent erreicht. Vor diesem Hintergrund erscheint die ausgegebene Zielmarke von 200.000 Kunden bis zum Jahresende schon eher verhalten. Zudem steht viel Marketingkapital zur Verfügung: Für Neukundengewinnung will wallstreet:online in diesem Jahr rund 12,5 Mio. Euro ausgegeben.

Aber auch die etabliertesten Broker geben sich zuversichtlich. Flatexdegiro-Finanzchef Muhamad Chahrour ließ kürzlich durchblicken, dass der Online-Broker pro Kalendertag rund 3000 neue Kunden gewinnt. „Wir erleben eine neue Phase des Hyperwachstums im Online-Brokerage“, sagte Flatexdegiro-Chef Frank Niehage. Wie es weiter gehen könnte, zeigt ein Blick auf den US-Wettbewerber Robinhood, die nach den jüngsten Aussagen in der Woche vom 26. Juli an die Börse gehen werden. Ein Preis für das IPO wurde bisher noch nicht genannt.

Robinhood bald mit IPO

Dafür sind die Wachstumsraten bekannt und übertreffen die deutschen Wettbewerber. Im ersten Quartal hatte Robinhood ein Kundenwachstum von rund 150 Prozent auf 18 Millionen Kunden. Der Umsatz sprang um mehr als 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Statistik zeigt auch: Es ist trotz der enormen Wachstumsraten noch Spielraum nach oben. Wettbewerber Charles Schwab schätzt, dass 50 Billionen Dollar auf Investmentkonten liegen, von denen etwa 80 Mrd. bei Robinhood versammelt sind. Das macht nicht einmal 1 Prozent des Marktes aus. Das ist gleichzeitig ein Fingerzeig für die Möglichkeiten von Smartbroker & Co. hierzulande. „Wir gehen davon aus, dass sich unser Zielmarkt vervierfachen wird und in den nächsten Jahren etwa 75 Millionen neue potenzielle Kunden hinzukommen werden.“


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com