GeldDer Kampf ums Bargeld

Der 500-Euro-Schein wird aus dem Verkehr gezogen
Der 500-Euro-Schein wird aus dem Verkehr gezogenCapri23auto auf Pixabay

Wer schon einmal versucht hat, eine Kugel Eis mit einem 100-Euro-Schein zu bezahlen, kennt die Reaktion: ein verärgerter Blick des Verkäufers und die gequälte Bitte: „Geht das nicht kleiner?“. Manch einer weigert sich gar, den grünen Schein anzunehmen. Vor diesem Hintergrund scheint die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum der Rede wert: Vor drei Jahren beschloss sie das Aus für den 500-Euro-Schein, seit Ende 2018 müssen ihn die Mitgliedstaaten der Eurozone aus dem Verkehr ziehen. In Deutschland endete die Ära der lila Scheine Ende April.

Natürlich bleibe der Geldschein bis auf weiteres gültiges Zahlungsmittel, teilten die Währungshüter mit. Dennoch war der Aufschrei in der Bevölkerung groß. Bürger, Journalisten und Investoren sahen in der Abschaffung des lila Scheins den Anfang vom Ende des Bargelds. Befeuert wurde die Diskussion von der jüngsten Kampagne des Internationalen Währungsfonds (IWF) gegen das Bargeld. Im März stellten die Marktexperten ein Papier vor, in dem es darum geht, wie man Menschen in einer Wirtschaftskrise davon abhält, ihr Geld in bar abzuheben. Man könne etwa einen negativen Zins auf das Kontoguthaben einführen. Wer am Geldautomaten 100 Euro abhebt, bekäme so künftig nur noch 97 Euro.

Kampf gegen Geldwäsche

Die Liebe der Deutschen zu Münzen und Scheinen hat Tradition: Kaum ein EU-Land zahlt so gerne mit Bargeld wie Deutschland, belegen Untersuchungen immer wieder. Die Gründe liegen auf der Hand: Wer mit Schein und Münze bezahlt, bleibt anonym, außerdem ist das Geld unter der Matratze schnell greifbar. Doch Bares befördert auch Schwarzarbeit und erleichtert Kriminellen ihre Geschäfte, weil sich die Herkunft des Geldes nicht nachprüfen lässt, sagen Kritiker. Rund 100 Mrd. Euro werden jährlich in Deutschland gewaschen, zeigt eine Studie der Universität Halle – etwa durch den Kauf von Immobilien oder Kunst. Von der Abschaffung des 500-Euro-Scheins verspricht sich die EZB daher eine bessere Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung.

Infografik: Den Deutschen ist ihr Bargeld lieb | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Diese Argumentation halten Kritiker für vorgeschoben. In Wahrheit gehe es vielmehr um die Kontrolle über das Geldvermögen der EU-Bürger, etwa um in einer Wirtschaftskrise einfacher Negativzinsen durchdrücken zu können. „Politiker möchten verhindern, dass Sparer ihr Geld von ihren Konten abheben und zu Hause aufbewahren“, sagt Holger Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Vermögensverwaltung Schmitz & Partner. Denn das würde verhindern, dass der Staat die Transaktionen überwachen kann. Sind alle Kontobewegungen auf dem Bildschirm nachvollziehbar, könnten Regierungen bei staatlichen Haushaltslücken eine Art Sparersteuer direkt von den Konten der Bürger einziehen. Eine Flucht der Bundesbürger vom Buch- ins Bargeld wäre dann ausgeschlossen.

Auch Modellrechnungen der Bundesbank vom März lassen Zweifel aufkommen, ob die These der EZB gerechtfertigt ist. Demzufolge wird Bargeld nur zu einem kleinen Teil missbräuchlich in der sogenannten Schattenwirtschaft genutzt. Im Schnitt lasse sich gerade einmal 14 Prozent der Bareinzahlungen in Bundesbankfilialen auf kriminelle Aktivitäten zurückführen, das entspreche für das Jahr 2015 rund 60 Mrd. Euro. Es fehle „am empirischen Nachweis, dass durch Maßnahmen wie die Abschaffung von Banknoten mit hohem Nennwert oder die Einführung von Barzahlungsobergrenzen tatsächlich Steuerhinterziehung und andere kriminelle Aktivitäten effektiv bekämpft werden können“, schreiben die Bundesbank-Autoren. Ob das den Schwund des Bargelds aufhält, bleibt allerdings abzuwarten.