Börse Dax unter 15.000 Punkten – die Angst vor dem Einbruch wächst

Die Kurse an der Frankfurter Börse haben seit Wochenbeginn stark nachgegeben
Die Kurse an der Frankfurter Börse haben seit Wochenbeginn stark nachgegeben
© dpa
Der deutsche Leitindex Dax setzt seinen Abwärtstrend fort und landet am Montag unter der wichtigen Marke von 15.000 Punkten. Gründe für den Ausverkauf sind vor allem die Ukraine-Krise und die Angst vor der Zinsentscheidung in den USA

Die neue Woche hat für Anleger so begonnen, wie die vergangene geendet hat: ziemlich mies. Der Ausverkauf an den Börsen setzte sich weiter fort, die Kurse fielen teils rapide. Der deutsche Leitindex Dax rauschte am Montagnachmittag unter die Marke von 15.000 Punkten. Eine schnelle und vor allem nachhaltige Erholung ist nicht in Sicht, im Gegenteil.

Schon am Freitag war der Index mit einem Minus von 1,9 Prozent und 15.603 Punkten aus dem Handel gegangen. Die Angst vor einer Eskalation im Ukraine-Konflikt zwischen Russland, der Ukraine und den USA trieb Anleger aus Einzelaktien (und auch aus den risikobehafteten Kryptowährungen). Am Montagnachmittag notierte der Dax zeitweise bei 14.952 Punkten – mehr als 650 Zähler niedriger als zum Handelsstart. Zum Handelsende lag er bei 15.011 Punkten.

Damit rangiert der Dax auf dem tiefsten Stand seit Jahresbeginn. Seit April 2021 hatte er immer oberhalb der 15.000er-Marke notiert. Sollte er längerfristig darunterfallen, könnten auch viele Neuanleger, die erst in den vergangenen Monaten eingestiegen sind, aus Furcht vor einem Crash ihre Titel abstoßen – und den Index damit weiter auf Talfahrt schicken.

Angst vor Fed-Entscheidung

Nervös macht Investorinnen und Investoren auch die anstehende Entscheidung der US-Notenbank Fed . Am Dienstag und Mittwoch steht die nächste Sitzung der Notenbanker an. Wahrscheinlich ist, dass sie verkünden werden, wann sie die Leitzinsen erhöhen. Damit dürften sie auch durchblicken lassen, wie streng sie ihre Geldpolitik künftig fahren werden.

Zunächst waren drei Zinserhöhungen à 25 Basispunkten für 2022 vorgesehen, nun gehen die meisten von vier Zinserhöhungen in diesem Jahr aus. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren aktuell mit rund 1,7 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 1,1 Prozent. Einige Marktteilnehmer fragen sich inzwischen sogar, ob nicht fünf Zinserhöhungen nötig wären, um die hohe US-Inflation von sieben Prozent in den Griff zu bekommen.

All das macht die Marktteilnehmer nervös. Beobachter gehen davon aus, das die Fed-Entscheidung Kollateralschäden nach sich ziehen werden, wie schon jetzt die Kapitalmärkte zeigen. „Die Fed holt jetzt auf“, warnt Jim Reid, Volkswirt der Deutschen Bank. Die Reißleine hat beispielsweise der Vermögensverwalter Vates Invest aus Obertshausen gezogen. Er arbeitet mit einer Ampel, und die ist vergangenen Freitag von hellgrün auf gelb gesprungen, in den Portfolien wurde darauf der Aktienanteil auf 33 Prozent gesenkt.

Dass sich Investoren weltweit zurückziehen, zeigt auch der Kurssturz bei Tech-Aktien und Wachstumswerten im Allgemeinen. Der US-Techindex Nasdaq Composite ist seit Jahresbeginn schon um rund zwölf Prozent gefallen. Die Turbulenzen haben auch bei Kryptowährungen für Kursstürze gesorgt.

Wachstumswerte sind besonders anfällig für steigende Zinsen. Hinzu kommt, dass eine Straffung der Geldpolitik das Wachstum abkühlt und damit auf weniger stark steigende Löhne zielt. Weniger Investitionen und geringe Lohnsteigerungen sorgen für weniger Unternehmensgewinne. Verdienen die Firmen weniger, fallen ihre Aktienkurse.

Ein Crash scheint möglich

Genau das befürchten viele Anlegerinnen und Anleger. Sollte die Fed zudem ihre Anleihekäufe schneller als erwartet auslaufen lassen und außerdem Bonds wieder verkaufen, also ihre Bilanz verkürzen, wird zusätzlich noch Liquidität aus dem gesamten System abgezogen.

Damit würde den Aktienmärkten ein wichtiger Treiber der vergangenen Jahre fehlen. Dass der US-Leitindex S&P 500 kürzlich unter seine 200-Tage-Linie gefallen ist, werten viele als Alarmzeichen. Sollte er dort verbleiben, würde sich der Markt unterdurchschnittlich entwickeln.

Es kann jedoch noch schlimmer kommen. Nämlich dann, wenn die Fed in großem Stil Liquidität aus dem Markt herauszieht. Insbesondere Profi-Investoren müssen, wenn gleichzeitig noch die Zinsen steigen, so gehandelte gehebelte Positionen auflösen. Das sind Aktienkäufe auf Pump, für die in Stressphasen die Kredite gekündigt werden.

Oder die Investoren müssen höhere Sicherungsleistungen in Form von Aktien leisten. In jedem Fall dürften dann deutlich mehr Aktien auf den Markt kommen als andere zu kaufen bereit sind. Denn wer will schon überbewertete Aktien kaufen von Unternehmen, deren künftige Gewinne nicht mehr so viel Gegenwartswert haben wie noch vor einigen Wochen.

Weil viele Investoren in solchen Phasen oft zeitgleich handeln, entladen sich grundlegende Veränderungen am Markt oft eruptiv. Es wäre ein Crash, bei dem Rücksetzer von zehn oder 20 Prozent drin sein könnten. Sofern jedoch tatsächlich der Zinserhöhungszyklus im März beginnt, sollte die volatile Phase vorbei sein und sich wieder Ruhe einstellen – vorausgesetzt die geopolitischen Risiken werden nicht größer oder eskalieren.


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